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Kapitalvernichter Uniper: Aktienkurs seit Jahresbeginn pulverisiert

Inhaltsverzeichnis

In der Finanzkrise war es die Commerzbank, beim Corona-Ausbruch die Lufthansa, nun ist es Uniper: Der Energiekonzern braucht staatliche Hilfen, um vor der Pleite gerettet zu werden.

Uniper meldet zweistelligen Milliardenverlust im ersten Halbjahr

Vor einigen Wochen hat der Versorger Alarm geschlagen. Eilig wurden Milliardenhilfen auf den Weg gebracht. Nun hat Uniper seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr offengelegt – und die fallen verheerend aus.

Auf mehr als 12 Milliarden Euro türmt sich der Nettoverlust in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres demnach. Rund die Hälfte davon gehen auf die Verwerfungen mit Russland zurück. Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine Ende Februar haben sich die Beziehungen zwischen dem Kreml und westlichen Regierungen massiv verschlechtert, umfassende Wirtschaftssanktionen sind seither in Kraft getreten.

Wertminderung wegen Nord Stream 2

Russland seinerseits reagiert immer wieder mit reduzierten Gaslieferungen an europäische Abnehmer. Einige Länder werden bereits seit Wochen gar nicht mehr aus Russland beliefert, Deutschland erhält Gaslieferungen in deutlich reduziertem Umfang. Davon ist Uniper als einer der größten deutschen Energieversorger besonders stark betroffen: Fehlendes Gas muss anderswo teuer eingekauft werden, die Preise am Weltmarkt sind zuletzt stark gestiegen.

Auch dass die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nun doch nicht in Betrieb genommen wird, schlägt sich auf die Bilanz des Konzerns nieder in Form von Wertminderungen, die sich auf insgesamt 2,7 Milliarden Euro summieren.

Kraftanstrengungen zur Konzernrettung: Bund und Bürger springen in die Bresche

Für das Gesamtjahr gab das Unternehmen keine Prognose ab, man rechnet aber für dieses und auch für das kommende Jahr mit Verlusten. Erst 2024 sollen demnach wieder schwarze Zahlen in Reichweite gelangen.

Unterdessen laufen erhebliche Kraftanstrengungen, um den Versorger vor der Pleite zu bewahren. Uniper als Energielieferant für Industrieunternehmen und zahlreiche Stadtwerke ist am deutschen Markt einer der wichtigsten Player und somit schlichtweg „too big to fail“. Der Bund steigt mit 30 Prozent ein – und auch die Endkunden werden zur Kasse gebeten. Ab Oktober wird eine Gasumlage von gut 2,4 Cent pro Kilowattstunde fällig, hinzu kommen wohl erhebliche Preissteigerungen seitens der Unternehmen, die an die Kunden weitergereicht werden.

Gaspreis steigt – werden weitere Hilfsmilliarden notwendig?

Am europäischen Markt ist der Gaspreis zuletzt stark angestiegen: Hatte sich der Preis je Megawattstunde in der ersten Monatshälfte relativ stabil um rund 200 Euro bewegt, schnellte der Preis am Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in Amsterdam in der vergangenen Woche auf zeitweise über 250 Euro in die Höhe.

Vor diesem Hintergrund erscheint es immer wahrscheinlicher, dass die im Juli auf den Weg gebrachten staatlichen Hilfen nicht ausreichen werden – und aufgestockt werden müssen. Unter bestimmten Voraussetzungen wurde das bei der Entwicklung der Maßnahmen bereits vorgesehen, nun könnte es schon bald soweit sein.

Uniper Aktie stürzt ab: 85 Prozent Verlust seit Jahresbeginn

Anleger reagierten alarmiert und ließen die Uniper Aktie seit Bekanntgabe der Halbjahresbilanz fallen wie eine heiße Kartoffel. Um zeitweise mehr als 15 Prozent ging es im Verlauf der Woche abwärts, am Ende stand auf Wochensicht ein Minus von rund 10 Prozent. Seit Beginn des Jahres ist die Uniper Aktie damit um rund 85 Prozent abgestürzt: Von mehr als 40 Euro auf zuletzt gerade einmal rund 6,50 Euro.

Auslöser des Kursverfalls war insbesondere der russische Einmarsch in die Ukraine Ende Februar. Der Ruf nach staatlichen Hilfen hat den Kursverfall im Juli noch einmal beschleunigt. Wer als Anleger danach noch investiert war, nahm nun mit Vorlage der Halbjahresbilanz Reißaus.