EWI-Studie zur Gaskrise: Es bleibt teuer

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Kommt sie nun oder kommt sie nicht? Das Verwirrspiel um die Gasumlage ist seit der angekündigten Verstaatlichung des Versorgers Uniper nicht kleiner geworden.

Verstaatlichung von Uniper beschlossen

Im Gegenteil: Die Regierung will offenbar an der Umlage festhalten, Kritiker halten dagegen und bezeichnen die Gasumlage als überflüssig und potenziell verfassungswidrig – immerhin war sie auf eine Rettung von Uniper zugeschnitten, und die übernimmt nun der Staat, weil der Konzern derartig in Schieflage geraten war, dass eine Überbrückung bis zu ersten spürbaren Effekten aus der Gasumlage nicht mehr möglich war.

Hintergrund ist der inzwischen vollständige Stopp russischer Gaslieferungen an Deutschland, der Uniper als größten Gasimporteur des Landes in die Bredouille gebracht hat. Die extrem hohen Energiepreise belasten Unternehmen wie Verbraucher gleichermaßen und haben erheblichen Einfluss auf die galoppierende Inflation, die sich seit Monaten um die 8 Prozent bewegt und im Herbst und Winter noch einmal anziehen dürfte.

Wirtschaftsforscher rechnen mit hoher Inflation – und Rezession

An beides – die hohen Inflationsraten im Allgemeinen und die immensen Energiekosten im Speziellen – wird man sich wohl noch eine Weile gewöhnen müssen. Zumindest gehen aktuelle Prognosen nicht von einer allzu raschen Entspannung der Lage aus. Renommierte Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Münchener Ifo-Institut oder das Kieler IfW haben zuletzt ihre Prognosen deutlich nach unten korrigiert und rechnen für das kommende Jahr mit einer weiter steigenden Inflation bei gleichzeitigem Abrutschen der Wirtschaft in eine Rezession.

Mit Blick auf die Entwicklung am Gasmarkt hat nun vor wenigen Tagen das Energiewirtschaftliche Institut der Uni Köln die Ergebnisse einer im Auftrag des Branchenverbandes Zukunft Gas durchgeführten Studie vorgelegt.

EWI: Gaspreisnormalisierung frühestens 2024

Demnach wird der Bedarf Deutschlands und Europas nach verflüssigtem Gas (LNG) in Zukunft deutlich steigen. Dies geht vor allem darauf zurück, dass die nunmehr stark reduzierten oder vollständig ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland kompensiert werden müssen, was jedoch nur zu einem Teil durch zusätzliche Lieferungen durch bestehende Pipelines gewährleistet werden könne.

Dementsprechend dürfte die Rolle der USA als LNG-Lieferant für Deutschland und Europa in den kommenden Jahren zunehmen. Eine allmähliche Entspannung der Gaspreise halten die Forscher ab 2024 für realistisch. Das Preisniveau von 2018 werde allerdings frühestens 2026 wieder erreichbar sein – und das auch nur, wenn zumindest teilweise wieder Gaslieferungen aus Russland hinzukommen.

Stärkere Abhängigkeit Europas von den USA – Trump statt Putin?

Ohne russisches Gas wären Preise wie in 2018 erst für 2030 zu erwarten – vorausgesetzt, die globale Nachfrage geht bis dahin zurück. Die vereinbarten Klimaziele allerdings, die auf internationaler, europäischer und bundesweiter Ebene festgeschrieben wurden, rücken angesichts der Eskalation im Konflikt mit Russland zunehmend in den Hintergrund. Anstelle der eigentlich geplanten grünen Schwerpunkte in der Regierungspolitik hinsichtlich Verkehrs- und Energiewende hangelt sich die Regierung notgedrungen nur noch von einem Rettungspaket zum nächsten. Ein Ende des Krisenmodus ist derzeit nicht abzusehen.

Absehbar ist also eine steigende Abhängigkeit Europas von den Vereinigten Staaten in Sachen Energieversorgung – und dort bringt sich ein gewisser Donald Trump bereits in Stellung für den nächsten Präsidentschaftswahlkampf. Ob dessen Außen- und Energiepolitik tatsächlich auf lange Sicht verlässlich für Europa ist? Man darf gespannt sein.