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Tui meldet zweiten Milliardenverlust in Folge

Inhaltsverzeichnis

Zwischen Freud und Leid liegt in der Tourismusbranche zurzeit oftmals nur ein Buchstabe. Ein griechischer Buchstabe, der eine neue, potenziell gefährliche Variante des Coronavirus bezeichnet.

Tui trotz Omikron optimistisch für 2022

Inwieweit die vor wenigen Wochen in Südafrika erstmals entdeckte Virusvariante – Omikron – das Zeug dazu hat, die zaghafte Erholung im Tourismussektor schon wieder abzuwürgen, bleibt abzuwarten. Doch solange die Pandemie nicht vorüber ist, wird die gesamte Branche dominiert von der Unsicherheit. Zu präsent sind noch die tiefen Einschnitte der vergangenen knapp zwei Jahre mit Grenzschließungen, Reisebeschränkungen und Quarantäneverordnungen, die auch sehr kurzfristig über Reiseanbieter und Touristen hereinbrechen können.

Trotzdem übt man sich bei Tui im Optimismus. Der Reiseveranstalter peilt bereits für die Saison im Sommer 2022 Zahlen wie aus Vor-Corona-Zeiten an. Auch mit Blick auf die laufende Wintersaison spricht Tui von vielversprechenden Auslastungen. Die Buchungen für das erste Geschäftsquartal liegen demnach bei bislang rund 69 Prozent des Vorkrisenniveaus.

Tui schreibt 2021 erneut Milliardenverlust

Der Blick zurück fällt dafür umso schmerzhafter aus. Im zweiten maßgeblich durch die Pandemie geprägten Geschäftsjahr hat der weltweit größte Reiseveranstalter erneut einen Milliardenverlust eingefahren. Für das Geschäftsjahr, das Ende September 2021 zu Ende ging, weist das Unternehmen in seiner in dieser Woche vorgelegten Bilanz einen Verlust von 2,5 Milliarden Euro aus.

Immerhin: Für das vorangegangene Geschäftsjahr, das immerhin auch noch einige Vor-Pandemie-Monate aus 2019 und Anfang 2020 umfasste, waren die Verluste mit 3,1 Milliarden Euro sogar noch höher ausgefallen. Damals waren Reisen monatelang praktisch komplett zum Erliegen gekommen, während 2021 mit zunehmendem Impfschutz auch wieder mehr Tourismus möglich wurde.

Umsatzeinbruch auf unter 5 Milliarden Euro

Die Umsätze brachen dennoch ein, um 40 Prozent auf nur noch 4,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im letzten Geschäftsjahr, das vor der Pandemie abgeschlossen wurde, hatte Tui noch Erlöse in Höhe von rund 19 Milliarden Euro erzielen können.

Das Schlussquartal von Juli bis Ende September trug mit einem Umsatz von 3,5 Milliarden Euro einen Großteil zur Erholung bei, dennoch stand auch hier unterm Strich ein operativer Verlust von 97 Millionen Euro in den Büchern.

Urlauber zahlen mehr für Sommerreisen

Der Optimismus, der bei weitem nicht von der gesamten Branche so geteilt wird, fußt bei Tui aber auch auf einer sich bereits abzeichnenden starken Buchungsentwicklung: So liegen dem Unternehmen für das neue Geschäftsjahr bereits mehr als 4 Millionen Buchungen vor – nach 5,4 Millionen im gesamten zurückliegenden Geschäftsjahr.

Zudem sind Urlauber offenbar durchaus bereit, für ihre Reise etwas tiefer in die Tasche zu greifen: Um rund 23 Prozent stiegen die Preise für Buchungen in der Sommersaison im Schnitt, was das Unternehmen aber auch darauf zurückführt, dass viele sich einen etwas längeren oder luxuriöseren Urlaub gönnen würden als üblich. Fernweh und Urlaubslust scheinen nach der pandemiebedingten Zwangspause stark ausgeprägt zu sein, Tui hofft auch auf entsprechende Nachholeffekte.

Dreistelliger Millionenbetrag an Rückerstattungen im Januar?

Stornierte Reisen aus der Vergangenheit nachholen – das sollten Gutscheine ermöglichen, die der Reiseanbieter seinen Kunden in Form eines Reiseguthabens ausgestellt hatte, wenn gebuchte Touren aufgrund der Pandemie abgesagt werden mussten. Wer dieses Guthaben bis 2022 nicht einlöst, muss bis Mitte Januar ausgezahlt werden, so die Vorgabe des Gesetzgebers.

Laut Tui-Chef Fritz Joussen jedoch kein Grund zur Sorge: Zwar beläuft sich das nicht verwendete Guthaben derzeit noch auf mehrere hundert Millionen Euro, doch viele würden damit nun ihre Reiseziele für das kommende Jahr buchen. Zudem könne Tui die Rückzahlung eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrages durchaus stemmen bei einer aktuellen Liquidität von 3,5 Milliarden Euro, wie Joussen vorrechnete.

Reiseveranstalter braucht möglicherweise weitere Kapitalerhöhung

Deutlich stärker ins Gewicht fallen dürfte hingegen die Rückzahlung der staatlichen Hilfsgelder. Mit milliardenschweren Stützen war der Bund dem Konzern im vergangenen Jahr zur Seite gesprungen, um Tui wie auch andere Unternehmen vor der unverschuldeten Pleite zu bewahren.

Zwar konnte der Reiseveranstalter seine Nettoverschuldung im zurückliegenden Geschäftsjahr etwas reduzieren, auch dank einer gut 1 Milliarde Euro umfassenden Kapitalerhöhung und rückläufiger Fixkosten. Doch viele Beobachter gehen davon aus, dass Tui um eine weitere Kapitalerhöhung nicht herumkommen wird, um seine Schulden in den Griff zu bekommen und den Staat auszuzahlen.

Tui Aktie: Analysten warnen vor allzu großer Zuversicht

Anleger könnten also erneut zur Kasse gebeten werden, dabei haben sie an der Tui Aktie zurzeit ohnehin nicht viel Freude. Die Pandemie hat tiefe Spuren hinterlassen. Wer vor 3 Jahren Anteilsscheine gekauft hat, verlor bis heute rund 60 Prozent des eingesetzten Kapitals. Seit Beginn des Jahres beläuft sich der Kursverlust auf rund 9 Prozent, die Tui Aktie wurde am heutigen Freitag mit einem Wert von 2,60 Euro gehandelt.

Analysten sehen hier eher Luft nach unten: So hat die NordLB nach Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen das Kursziel für die Tui Aktie von 2,60 auf 2,50 Euro herabgesenkt, die Empfehlung aber gleichzeitig von „verkaufen“ auf „halten“ hochgestuft. Dabei wiesen die Experten darauf hin, dass Tui mit seiner Bilanz die Erwartungen der Analysten verfehlt habe und zudem die allzu optimistische Sichtweise auf die kommende Sommersaison angesichts der aktuellen Unwägbarkeiten in Sachen Corona doch recht gewagt sei.