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Siemens Energy-Aktie: Klammern Sie Gamesa einfach mal aus!

Inhaltsverzeichnis

Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie den Namen Siemens Energy hören? Wahrscheinlich das Desaster rund um die Windkrafttochter Gamesa, die in den letzten Jahren teils tiefrote Zahlen schrieb und damit auch Energys Bilanz in Mitleidenschaft zog.

Klar: Das Gamesa-Debakel sollte man nicht unterschätzen – aber auch nicht massiv überbewerten. Tatsächlich ist Siemens Energys weit mehr als der Mutterkonzern eines strauchelnden Windkraftunternehmens. Heute will ich Ihnen anhand von 2 Beispielen zeigen, wie wichtig Energy für Deutschland und Europa in Wirklichkeit ist.

Siemens Energy auf einen Blick

Zunächst ein Überblick: Der Energietechnikkonzern ist in mehr als 90 Ländern aktiv und kommt auf einen Jahresumsatz von rund 28 Milliarden Euro. Siemens Energy liefert für die Gasbranche Technologien und Komponenten, modernisiert die Stromnetze und hilft der Industrie bei der Dekarbonisierung. Hinzu kommt das Gamesa-Geschäft mit Erneuerbaren Energien, das künftig operativ in den Energy-Konzern integriert werden soll.

Die Windturbinen selbst wollen wir heute allerdings einmal ausklammern. Zum sonstigen Portfolio gehören Dampf- und Gasturbinen, Transformatoren, Schaltanlagen, Leistungsschalter, Generatoren, Kompressoren und weitere Kraftwerkstechnik. Allesamt Technologien, die für die Stromerzeugung und dessen Transport ausschlagend sind und rund um den Globus eingesetzt werden.

Energy ermöglicht Stromautobahn zwischen Irland und Frankreich

Dabei kommt Siemens Energy in Zukunft eine noch gewichtigere Rolle zu. Denn der Ausbau der Erneuerbaren Energien stellt ganz neue Herausforderungen an das Stromnetz. Neustes Beispiel: Irland. Siemens Energy wird Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik für eine Stromautobahn zwischen Irland und Frankreich liefern, die erste direkte Stromverbindung zwischen der Insel und dem europäischen Festland.

Konkret wird Energy an den Endpunkten der Leitung zwei Konverterstationen bauen. In diesen Anlagen wird Wechselstrom, der aus dem jeweiligen nationalen Netz eingespeist wird, für den Transport in Gleichstrom umgewandelt. Beim Gleichstrom bewegt sich der Stromfluss immer in eine Richtung, weshalb er sich für den Transport über weite Distanzen besser eignet. Anschließend muss der Gleichstrom in Wechselstrom zurückkonvertiert werden, damit die elektrische Energie wieder in das jeweilige Netz eingespeist werden kann.

Öko-Strom wird in Europa bald hin- und hergeschickt

Der Clou: Irland forciert in den nächsten Jahren einen ambitionierten Ausbau der Erneuerbaren Energien. Bis 2030 soll der irische Strommix zu 70 Prozent hauptsächlich aus Wind- oder Solarkraft bestehen. Da bei dieser Erzeugung oftmals mehr Strom produziert wird, als das Land tatsächlich zu diesem Zeitpunkt braucht, kann es überschüssige Mengen an Öko-Strom durch die geplante Leitung nach Frankreich schicken.

Die von Siemens Energy unterstützte Stromautobahn leistet also einen Beitrag zur nachhaltigen Stromversorgung Europas. Die EU etwa hat sich zum Ziel gesetzt, dass jedes Mitgliedsland bis 2030 über eine elektrische Verbindungskapazität von mindestens 15 Prozent seiner installierten Energieerzeugung verfügen muss. Künftig wird also Öko-Strom innerhalb Europas hin- und hergeschickt – mithilfe der Technologie von Siemens Energy.

Wichtige Vorkehrung: Energy liefert an EnBW Wasserstoff-fähige Turbinen

Doch das ist längst nicht alles: Energy spielt auch beim Wachstumsmarkt Wasserstoff eine Rolle. Kürzlich kündigte das Unternehmen eine Kooperation mit dem Energiekonzern EnBW an. Im Mittelpunkt steht das von EnBW betriebene Heizkraftwerk im Stuttgarter Stadtbezirk Münster.

Der Karlsruher Konzern will in rund drei Jahren die dort bisher eingesetzte Kohle durch Erdgas ersetzen. Hierfür sollen spezielle Gasturbinen von Siemens Energy zum Einsatz kommen. Der Clou: Die Turbinen werden von Anfang an so gebaut, dass sie später vollständig mit Wasserstoff anstatt Erdgas betrieben werden können.

Dadurch wollen EnBW und Energy die Klimabilanz des Kraftwerks entscheidend verbessern. Einen Haken gibt es dennoch: Damit das sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll funktionieren kann, braucht es  ausreichende und bezahlbare Mengen an grünem Wasserstoff, der mit Öko-Strom erzeugt wird. Wann genau das so weit sein wird, steht gerade in Deutschland aber in den Sternen. Immerhin treffen Siemens Energy und EnBW bereits jetzt Vorkehrungen, um später nachhaltigen Wasserstoff nutzen zu können.

Mein Fazit für Sie

Zum Schluss doch noch ein paar kurze Worte zu Gamesa: Siemens Energy will die Windkrafttochter wie erwähnt vollständig in den Konzern integrieren. Dadurch bieten sich interessante Synergien. Energy stattet Windparks nämlich mit sogenannter Leittechnik aus.

Dadurch können Windturbinen haargenau überwacht und gesteuert werden, was Betreibern die Möglichkeit gibt,  flexibel und zeitnah auf Strombedarfsänderungen zu reagieren. Hinzu kommen Lösungen zum IT-Management und zur Cybersicherheit. Eben diese Technologien ließen sich hervorragend mit dem Windturbinen-Geschäft von Gamesa verbinden, was erhebliche Kostenvorteile bewirken und die Tochter nachhaltig in die schwarzen Zahlen bringen könnte.

Unterm Strich lässt sich festhalten: Siemens Energy liefert Technologien, die der Energiewende auf die Sprünge helfen. Das verschafft dem Konzern und dessen Aktie erhebliches Potenzial, das Sie als Anleger niemals unterschätzen sollten.