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Nordex-Aktie in der Krise: Ist die Hoffnung verloren?

Nordex-Aktie in der Krise: Ist die Hoffnung verloren?
Dario / stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Eigentlich sollte der deutsche Windkraftanlagenbauer Nordex florieren. Schließlich boomt die Branche rund um die Erneuerbaren Energien. Doch wie der Konkurrent Siemens Gamesa haben auch die Hamburger ein erhebliches Profitproblem.

Vielleicht haben Sie es auch in den Medien gelesen: Nordex hat vor wenigen Tagen seine vorläufigen Zahlen zu 2022 bestätigt – und die fielen auf der Ergebnisseite nicht gerade rosig aus. Während der Windturbinenhersteller seinen Umsatz um knapp 5 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro steigern konnte, fiel operativ (EBITDA) ein Verlust in Höhe von 244 Millionen Euro an. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte Nordex noch ein EBITDA von +53 Millionen Euro erzielt.

Nordex 2022: Gegenwind allerorten

Es ist eine ganze Flut an Negativfaktoren, die im letzten Jahr auf Nordex eingeprasselt ist. Allen voran hatten die hohen Energie- und Materialkosten vor allem im ersten Halbjahr die Profitabilität belastet, während das Unternehmen mit seinen älteren, margenschwächeren Abnahmeverträgen die inflationären Kosten nicht kompensieren konnte.

Auch musste der Windkraftanlagenbauer wegen des eingebrochenen Geschäfts in der Ukraine Abschreibungen tätigen. Hinzu kamen Engpässe beim wichtigen Werkstoff Stahl und anderen Komponenten. Darüber hinaus sorgte die Schließung der Rotorblattfertigung in Rostock für hohe Einmalaufwendungen. Und nicht zuletzt wurde Nordex vor gut einem Jahr Opfer eines Hackerangriffs, der die operativen Geschäfte ebenfalls negativ beeinflusste.

Droht 2023 erneut eine Schlappe?

Sie sehen also: Bei Nordex krachte es 2022 an allen Ecken und Enden. Das jedenfalls war längst bekannt und im Aktienkurs eingepreist. Trotzdem gab die Nordex-Aktie nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts am Vormittag des 31. März um mehr als 4 Prozent nach (Kursstand: 31.03.2023, 9:00 Uhr).

Der Grund: Nordex machte auch für das laufende Jahr nicht gerade viel Hoffnung. So soll die EBITDA-Marge, die angibt, wie viel des operativen Ergebnisses vom Umsatz hängen bleibt, im besten Falle bei +3 Prozent liegen.  Im Worst Case könnte die Marge erneut negativ ausfallen – in Höhe von -2 Prozent.

Insbesondere im ersten Halbjahr 2023 sollen die Belastungen enorm bleiben. Anschließend erwartet das Management immerhin eine Besserung – insofern sich die makroökonomischen Herausforderungen nicht verschlimmern. Konkret hofft Nordex darauf, viele neue Aufträge von Windparkbetreibern zu ergattern, die dann eine bessere Marge bieten, um die höheren Kosten abzufangen. Wichtig dabei ist auch das langfristig orientierte Servicegeschäft, über das Nordex die Windturbinen in der Regel viele Jahre lang wartet.

Das Problem: Am Markt für Windkrafträder herrscht immenser Preisdruck. Vor allem chinesische Akteure können die Anlagen günstiger produzieren, was Nordex erheblich unter Druck setzt.

Neues Standbein: Grüner Wasserstoff soll‘s richten

Immerhin: Mittelfristig sendete das Unternehmen durchaus verheißungsvolle Signale. So soll sich die EBITDA-Marge mittelfristig bei 8 Prozent einpendeln, was eine solide Profitabilität bedeuten würde.

Gleichzeitig will sich Nordex neben dem Kerngeschäft ein neues Standbein aufbauen. Im Mittelpunkt steht der grüne Wasserstoff. So sind die Hamburger kürzlich in zwei strategische Joint-Ventures eingestiegen.

Das erste Joint-Venture schloss Nordex mit dem Unternehmen Sodena. Dabei handelt es sich um eine öffentliche Firma der Regierung der nordspanischen Region Navarra. Gemeinsam wollen die Partner Elektrolyseure mit eigener Technologie entwickeln, herstellen und vermarkten. In Elektrolyseuren wird grüner Wasserstoff mithilfe von Öko-Strom erzeugt.

Das zweite Gemeinschaftsunternehmen vereinbarte Nordex mit dem Großaktionär Acciona. Der spanische Mischkonzern hält inzwischen mehr als 40 Prozent der Nordex-Anteile. Über das neue Joint-Venture „Nordex H2 S.L.“ wollen die Partner Projekte für grünen Wasserstoff in Gebieten mit umfangreichen Onshore-Windressourcen entwickeln. Diese sollen sich in Regionen befinden, die nicht an das konventionelle Stromnetz angeschlossen sind und in denen grüner Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Kosten hergestellt werden kann.

Mein Fazit für Sie

Nordex hat mit der Vorlage der Prognose für 2023 seine Anleger abermals enttäuscht. Dabei hatte die Aktie ab Herbst 2022 eine positive Gegenbewegung hingelegt, wie Sie im Chart[1] sehen können (Kursstand: 31.03.2023, 12:00 Uhr).

[1] Quelle: www.aktienscreener.com

Doch jetzt ist das Bild erneut eingetrübt und Nordex könnte im laufenden Jahr operativ abermals ein Defizit drohen. Wollen Sie auf die Aktie setzen, sollten Sie deshalb mehr denn je langfristig denken. Hoffen müssen Sie als Anleger derweil auf höhere Windkraft-Subventionen im europäischen Binnenmarkt, etwa vonseiten der EU oder von der Bundesregierung selbst.

Prinzipiell vielversprechend ist indes das Engagement im Bereich des grünen Wasserstoffs. Denn eigentlich ist es naheliegend: Über die Nordex-Anlagen wird Öko-Strom produziert, der wiederum in grünen Wasserstoff umgewandelt werden kann, um etwa die Industrie zu dekarbonisieren. Interessant ist, dass sich Nordex hier unter anderem auf Gebiete konzentrieren will, die nicht an das konventionelle Stromnetz angeschlossen sind. Der dort hergestellte grüne Wasserstoff kann in diesem Zusammenhang als Öko-Strom-Speicher fungieren und dazu beitragen, dass entsprechende Windressourcen überhaupt genutzt werden können.

Allerdings, und das sollten Sie berücksichtigen, dürfte es viele Jahre dauern, bis Nordex und dessen Partner entsprechende Projekte in Betrieb nehmen können. Auch hier gilt also die langfristige Perspektive.