+++ NEU: Die kostenlosen Online Live Webinare 2022 - Trading, Finanzen, Geldanlage & Vermögen +++

Nordex-Aktie: Offenbarungseid – endlich gibt es Gewissheit!

Inhaltsverzeichnis

Eigentlich ist Nordex ein vielversprechendes Unternehmen. Schließlich entwickelt, baut und wartet der Hamburger Konzern seit mehr als 35 Jahren Windenergieanlagen. Seit dem Zusammenschluss mit Acciona Windpower im Jahr 2016 ist Nordex gar ein Global Player der der Branche. Diese gilt immerhin als einer der entscheidenden Hebel beim Kampf gegen den Klimawandel. Entsprechend lukrativ sind die grundlegenden Wachstumsaussichten.

Doch ungeachtet dessen stolperte Nordex in den letzten Jahren von einer Krise in die andere. Und jetzt … ist das Desaster perfekt. Vor wenigen Tagen musste die SDax-Firma ihre Jahresziele für 2022 empfindlich eindampfen. Demnach rechnet Nordex nun mit einem Umsatz zwischen 5,2 bis 5,7 Milliarden Euro. Zuvor hatte man den Anlegern eine Spanne von 5,4 bis 6,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Nordex streicht Ergebnisprognose zusammen

Das aber ist nur ein kleines Problem im Vergleich zur neuen Ergebnisschätzung. Bislang hatte der Windturbinenbauer prognostiziert, dass im laufenden Jahr 1 bis 3,5 Prozent des Umsatzes als operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA-Marge) hängenbleiben wird.  Nun rechnet der Konzern hier nur noch mit einer Spanne von -4 bis 0 Prozent.

Das heißt: Nordex dürfte zumindest operativ in 2022 defizitär bleiben. Die Betonung liegt hier auf „bleiben“. Denn der Konzern schreibt bereits seit Jahren rote Zahlen.

Anleger bitter enttäuscht

An der Börse stieß die Prognosekürzung umso mehr auf Enttäuschung. Schließlich hatte man eigentlich damit gerechnet, dass Nordex im laufenden Jahr endlich die Trendwende schaffen könnte. Doch Pustekuchen: Die Nordex-Aktie verlor am Mittwochvormittag satte 19 Prozent (Stand: 25.05.2022, 11:00 Uhr).

Immerhin: Der Konzern ist für die Eintrübung der Geschäftsentwicklung zumindest nach eigenen Angaben nicht selbst verantwortlich. Sie werden es schon ahnen: Der Ukraine-Krieg, die hohen Rohstoffkosten und die gestörten Lieferketten machen Nordex derzeit offenbar schwerstens zu schaffen.

Ukraine-Krieg schlägt ins Kontor

So erwartet der Konzern, dass man wegen des Krieges im ukrainischen Markt Umsätze von 200 Millionen Euro mit den entsprechenden Margen verlieren werde. Zudem ist mit weiteren Abschreibungen auf das Working Capital infolge gestoppter oder nicht mehr durchgeführter Projekte zu rechnen.

Das aber sind nur die direkten Auswirkungen des Krieges. Indirekt ist Nordex von Engpässen etwa bei Stahl und anderen kritischen Komponenten betroffen. Allein diese Effekte dürften einen negativen Einfluss auf die EBITDA-Marge in Höhe von 2,0 bis 2,5 Prozentpunkten haben, hieß es aus Hamburg.

Produktionsanpassung, Hackerangriff und China

Doch das ist längst nicht das Ende der Fahnenstange: Nordex forciert derzeit eine Anpassung seines Produktionsnetzwerkes. So will man zeitnah die Rotorblattfertigung in Rostock endgültig schließen. Zuvor hatte man schon eine Produktionslinie in Spanien ad acta gelegt.

Hieraus ergeben sich ebenfalls negative Einmaleffekte, die die EBITDA-Marge um bis zu 1,5 Prozentpunkte drücken dürften. Immerhin: Jene Auswirkungen auf die Marge sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren durch Einsparungen in der Produktion kompensiert werden.

Besonders bitter: Nordex wurde Ende März Opfer eines Hackerangriffs. In der Folge musste das Unternehmen verschiedene IT-Systeme in diversen Geschäftsbereichen als Vorsichtsmaßnahme herunterfahren. Das hat das operative Geschäft ebenfalls negativ beeinflusst.

Und dann gibt es natürlich auch noch das Problem mit China. Die Corona-Lockdowns in der Volksrepublik sorgten zuletzt dafür, dass die ohnehin gestörten Lieferketten noch weiter in sich zusammenkrachten. Nordex muss deshalb in etlichen Produktionsstätten mit einer zusätzlichen Material-Verknappung zurechtkommen.

Mein Fazit für Sie

Eines muss man dem Windturbinenbauer zugutehalten: Nordex spielt jetzt mit offenen Karten. Bislang haben viele Börsenfirmen noch nicht eingestanden, welche konkreten Auswirkungen die vielen Krisen auf die jeweiligen Bilanzen haben werden. Und so dürften in den nächsten Wochen noch etliche andere Konzerne einen Offenbarungseid leisten müssen, der unter Umständen ähnlich desaströs ausfallen wird wie bei Nordex.

Die Nordex-Aktie jedenfalls hat sich durch den Kursrutsch am Mittwoch der Realität angenähert. Eine Prognose zur Aktie ist trotzdem ein Spiel mit dem Feuer – zu ungewiss sind die weiteren geopolitischen Entwicklungen. Die Zitterpartie dürfte somit so schnell nicht vorüber sein.