Nemetschek: Software-Spezialist sieht sich als KI-Profiteur

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Falls Sie Aktien aus dieser Branche besitzen, dürften auch Sie diese Erfahrung gemacht haben: In den vergangenen Wochen standen Software-Aktien massiv unter Druck. Die Ursache: Viele Börsianer scheinen zu erwarten, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Geschäftsmodelle der Software-Unternehmen angreift.

Nun hat sich die Finanz-Chefin des deutschen Software-Spezialisten Nemetschek in einem Interview zu Wort gemeldet und den Einfluss von KI auf das Unternehmen wesentlich positiver beschrieben. Blicken wir aber zunächst auf das Geschäftsmodell und die jüngsten Zahlen von Nemetschek.

Spezial-Software u.a. für die Bau-Branche

Die Nemetschek SE mit Sitz in München ist ein international tätiger Softwarekonzern und einer der führenden Anbieter von Softwarelösungen für die Bau-, Architektur-, Ingenieur- und Immobilienbranche. Das 1963 gegründete Unternehmen ist im MDAX und TecDAX notiert und bedient mit 3D- und Animationssoftware auch die Medien- und Kreativwirtschaft.

Nemetschek entwickelt spezialisierte Anwendungen, die tief in den Arbeitsprozessen professioneller Anwender verankert sind. Die hohe Wechselhürde sorgt für stabile Kundenbeziehungen und eine vergleichsweise verlässliche Umsatzbasis. Das Geschäft ist in die Segmente Design, Build, Manage sowie Media & Entertainment gegliedert und deckt damit den gesamten Lebenszyklus von Bauprojekten ab.

Strategisch treibt der Konzern die Umstellung auf Abonnement- und Cloudmodelle voran, um den Anteil wiederkehrender Erlöse zu erhöhen. Wachstum entsteht sowohl organisch als auch durch gezielte Übernahmen. Finanziell zeichnet sich Nemetschek durch solide Margen, eine robuste Bilanz und eine familiengeprägte Aktionärsstruktur aus. Chancen ergeben sich aus vor allem aus der fortschreitenden Digitalisierung der Bauwirtschaft.

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2025

Es folgt ein Blick auf die jüngsten Zahlen: Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2025 währungsbereinigt um 22,6% auf knapp 1,2 Mrd. Euro und überschritt damit zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte die Umsatz-Milliardengrenze. Damit lag das währungsbereinigte Konzernumsatzwachstum sogar über dem bereits im Juli 2025 angehobenen Prognosekorridor von 20% bis 22% (zuvor: 17% bis 19%).

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg überproportional zum Umsatz: Währungsbereinigt legte das EBITDA um 28,9% auf 371,1 Mio. Euro zu. Die EBITDA-Marge stieg von 30,2% im Vorjahr auf 31,2%. Die Prognose sah rund 31% vor. Im 4. Quartal erzielte Nemetschek eine EBITDA-Marge von 32,9%.

Finanz-Chefin sieht Nemetschek als KI-Profiteur

Louise Öfverström, die Finanz-Chefin der Nemetschek Group, weist das Börsen-Narrativ „KI frisst Software“ in einem aktuellen Interview klar zurück. KI werde klassische Software nicht ersetzen, sondern deren Nutzen deutlich erweitern – insbesondere bei vertikalen Anbietern mit tiefer Branchenexpertise wie Nemetschek.

In der Bauindustrie seien verlässliche, regelbasierte Softwarelösungen weiterhin unverzichtbar, während KI vor allem repetitive Aufgaben automatisiere und ganze Workflows effizienter mache. Kunden verlangten daher nicht weniger Software, sondern produktivere Lösungen mit integrierter KI.

Nemetschek sieht KI als große Wachstumschance und erwartet weiterhin mittelfristig ein Umsatzwachstum im mittleren Zehnprozentbereich bei steigender Profitabilität. Das macht die Nemetschek-Aktie nach dem Ausverkauf der vergangenen Wochen und Monate nach meinen Analysen zu einem spannenden Investment.