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Grammer schon wieder mit einer Gewinnwarnung

Inhaltsverzeichnis

Eigentlich bin ich kein Freund von Chart-Analysen. Dies liegt einfach daran, dass es nach meinem Dafürhalten nicht funktioniert, ja nicht funktionieren kann, aus Vergangenheitsdaten Rückschlüsse über die zukünftige Kursentwicklung zu generieren.

Warum technische Analyse nicht (mehr) funktioniert

Warum das nicht möglich sein kann? Nun, ganz einfach, weil diese Daten allen bekannt sind. Man muss ja nur ins Internet gehen und findet problemlos jeden Kurs-Chart. Zum Teil wurden da auch schon die charttechnischen Signale eingezeichnet.

Das war früher anders. Früher, als es noch kein Internet gab, mussten Chart-Analytiker ihre Kurs-Charts selber zeichnen. Das geht natürlich mit einem entsprechenden Arbeitsaufwand einher, den sich die meisten sparen wollen, schließlich geht es ja nicht nur um ein Unternehmen, sondern um viele.

Und die, die den Arbeitsaufwand nicht scheuen, können dann auch eine entsprechende Performance erzielen. Ja, so ist das, lieber Leser: Ohne Arbeitsaufwand kann man an der Börse auch nicht erfolgreich sein.

Bedauernswerte Kursentwicklung

Wenn ich mir nun aber den Chart von Grammer ansehe, dann kann man aus der Aktienkursentwicklung der Vergangenheit wohl doch einige interessante Schlussfolgerungen für die Zukunft ziehen. Denn egal, welchen Zeitraum Sie ansetzen, immer wären Sie im Verlust gewesen, wenn Sie sich die Aktien des bayerischen Automobilzulieferers in Ihr Depot gelegt hätten.

73 Prozent über fünf Jahre, 60 Prozent über drei Jahre, 34 Prozent über ein Jahr. Und seit Jahresanfang beträgt das Minus auch schon wieder 8 Prozent. Dass sich daran auch im weiteren Jahresverlauf wenig ändern dürfte, zeigt die Pressemeldung, die Grammer gestern veröffentlicht hat.

Quartalszahlen unter Vorjahr

Danach verzeichnete Grammer im ersten Quartal 2024 eine unter dem Vorjahresniveau liegende Ergebnisentwicklung. So liegt das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit rund 3,9 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahresquartalswert von 11,7 Millionen Euro.

Der Konzernumsatz in den ersten drei Monaten  ist ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um 32,5 Millionen Euro auf rund 556,6 Millionen Euro.

Die Nachfrage sinkt

Auslöser der Misere waren höhere Kosten aufgrund volatiler Werksauslastungen, Anlaufkosten für das neue Commercial Vehicles Werk in den USA sowie Währungsverluste.

Doch dürfte der wahre Grund tiefer und ernster liegen: In Wahrheit war die Nachfrage nach den von Grammer angebotenen Produkten einfach deutlich niedriger als in den vergangenen Jahren. Die Menschen wollen keine Verbrenner mehr fahren und für Elektroautos braucht man viel weniger Teile.

Eine Trotzreaktion?

Daran dürfe sich auch so schnell nichts ändern. Die Tatsache, dass der Vorstand nun trotz dem schwachen ersten Quartal an der im Geschäftsbericht 2023 veröffentlichten Gesamtjahresprognose festhalten will, die einen Konzernumsatz von rund 2,3 Milliarden Euro und ein operatives EBIT von rund 75 Millionen Euro vorsieht, klingt da fast wie eine Trotzreaktion.