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Fraport Aktie nach Bilanzvorlage auf Tauchstation

Inhaltsverzeichnis

Es gerät angesichts des weltpolitischen Tagesgeschehens etwas in den Hintergrund, aber tatsächlich läuft in Frankfurt gerade die Berichtsaison auf Hochtouren. Etliche Unternehmen aus der Dax-Familie legen dieser Tage ihr Zahlenwerk für das Schlussquartal 2021 sowie das zurückliegende Gesamtjahr vor – und wagen einen Ausblick in die mittelfristige Zukunft.

Erst Pandemie, dann Krieg: Lieferketten unter Druck

Doch auch wenn viele Unternehmen im vergangenen Jahr trotz aller Widrigkeiten recht gut durch die Krise gekommen sind und zum Teil kräftige Gewinnsteigerungen verbuchen konnten, drückt der Ausblick auf die Stimmung der Anleger. Denn nachdem die Folgen der Pandemie aus wirtschaftlicher Sicht einigermaßen überstanden sind und die meisten Branchen allmählich zu so etwas wie Normalbetrieb zurückkehren können, sorgt das Kriegsgeschehen in der Ukraine für ganz neue Herausforderungen.

Die ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogenen Lieferketten geraten erneut ins Stocken, die Gründe dafür sind vielfältig: mal sind es Produktionsstopps in umkämpften Regionen, mal Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland, die den engen Takt der Liefernetzwerke stören. Zudem wird der Warentransport angesichts steigender Energiepreise immer teurer – zumal neuerdings auch noch zeitintensive und kostspielige Umwege geflogen werden, um das Kriegsgebiet nicht zu überqueren. Dass zudem Russland seinen Luftraum für zahlreiche Fluggesellschaften gesperrt hat, kommt erschwerend hinzu.

Flüge nach Asien: Emirates statt Lufthansa

Das macht sich auch bei den Airlines und den Flughäfen bemerkbar. Von Europa aus können Ziele in Fernost kaum noch direkt angeflogen werden, statt bei der Lufthansa steigen viele Passagiere nun eher bei den aufstrebenden Luxus-Airlines aus dem arabischen Golf ein – Emirates oder Qatar Airways etwa.

Auch bei der Bilanzpräsentation von Fraport, der Betreibergesellschaft des größten deutschen Flughafens in Frankfurt am Main, spielte der Krieg in der Ukraine und der Konflikt mit Russland eine Rolle.

Fraport schafft Sprung in Gewinnzone

Der Blick in die Bücher, den Fraport in dieser Woche gewährt hat, fiel dabei eigentlich gar nicht schlecht aus. Nach herben Verlusten im von Corona geprägten Vorjahr hat es der Flughafenbetreiber in 2021 wieder in die Gewinnzone geschafft. Dazu beigetragen hat auch ein strikter Sparkurs, inklusive Personalabbau. Man habe sich für die geringere Flugverkehrsauslastung aufgestellt, heißt es von Seiten des Unternehmens. Trotz einer allmählichen Erholung der Branche dürfte es noch eine Weile dauern, bis das weltweite Flugaufkommen das Vor-Pandemie-Niveau wieder erreicht.

Für 2022 rechnet Fraport mit 39 bis 46 Millionen Fluggästen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa 55 bis 65 Prozent des Passagieraufkommens vor der Pandemie. Zwar steigen die Buchungszahlen seit einigen Monaten wieder merklich an, doch noch immer sind nicht alle Reiseziele ohne Einschränkungen buchbar. Zudem nagt die Inflationsdynamik auch am Freizeit- und Urlaubsbudget vieler Menschen.

Licht und Schatten im Zahlenwerk von Fraport

Beim Umsatz verzeichnete Fraport im vergangenen Jahr einen Anstieg um 27,8 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebitda) lag bei 757 Millionen Euro – 2020 hatte hier noch ein Verlust von gut 250 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Unterm Strich steht ein Gewinn von knapp 83 Millionen Euro, was im Wesentlichen den Vorab-Schätzungen der Analysten entspricht.

Nach einem Nettoverlust von 658 Millionen Euro in 2020, als Fraport je Aktie einen Verlust von 7,12 Euro einfuhr, ist der Gewinn je Aktie in Höhe von 0,90 Euro im vergangenen Jahr positiv zu werten und lag zudem leicht über den Markterwartungen, die im Schnitt lediglich von 0,87 Euro je Aktie ausgegangen waren.

Unsicherer Ausblick wegen geopolitischer Risiken

Für das laufende Jahr rechnet Fraport mit einem weiteren Umsatzwachstum auf rund 3 Milliarden Euro. Das voraussichtliche Ebitda wird nach Unternehmensschätzungen zwischen 760 und 880 Millionen Euro liegen, das Ebit zwischen 320 und 440 Millionen Euro. Beim Konzernergebnis scheut man sich bisher, eine allzu konkrete Prognose abzugeben und rechnet daher mit einer recht breiten Spanne von 50 bis 150 Millionen Euro für 2022.

Gerade in diesem Zusammenhang verweist Fraport auf die geopolitischen Konflikte und meint damit neben dem akuten Kriegsgeschehen in der Ukraine auch mögliche Langzeitfolgen für den internationalen Warenhandel, sollte sich das Verhältnis zwischen Russland und den westlichen Verbündeten dauerhaft abkühlen. Entsprechende Signale sind längst zu vernehmen, zahlreiche Unternehmen aus Europa und den USA haben ihre Aktivitäten in Russland – zumindest vorerst – auf Eis gelegt.

Fraport in der Zwickmühle: Was geschieht mit St. Petersburger Flughafenbeteiligung?

Auch Fraport selbst ist in einer heiklen Position, die Gesellschaft hält einen Anteil von 25 Prozent am Pulkovo-Flughafen im russischen St. Petersburg. Kurzfristig sei ein Ausstieg rechtlich nicht möglich, aktive Dienstleistungen würden derzeit aber nicht mehr in Russland erbracht.

Die zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten überschatten die Erholung vom Corona-Blues. Der Ausblick für 2022 verfehlt die Markterwartungen und kann Anleger nicht überzeugen: Nach Vorlage der Jahresbilanz rauschte die im MDax notierte Fraport Aktie um zeitweise rund 10 Prozentpunkte in die Tiefe.

Anleger und Analysten reagieren zurückhaltend auf Jahresprognosen

Analysten zeigten sich ebenfalls nur mäßig begeistert vom jüngsten Zahlenwerk der Frankfurter. Warburg Research bekräftigte zwar seine Kaufempfehlung sowie auch das Kursziel bei 75,50 Euro, doch andere Experten zeigen sich weitaus weniger optimistisch.

So stufen Goldman Sachs sowie die Privatbank Berenberg die Fraport Aktie weiterhin neutral ein, die Kursziele blieben unverändert bei 63 beziehungsweise 56 Euro. Das Kursziel abgesenkt von 57 auf 54 Euro hat unterdessen die britische Barclays Bank, die zudem ihre Einstufung „underweight“ bestätigt hat. Ebenfalls unverändert zum Verkauf rät die kanadische RBC, die das Kursziel bei 29 Euro beließ.

Zuletzt kostete die Fraport Aktie etwas über 50 Euro.