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Dax tiefrot: Omikron-Schock und Inflationsangst beunruhigen Anleger

Inhaltsverzeichnis

Die Partystimmung ist vorbei und die Jahresendrally womöglich auch, und das, noch bevor der Dezember begonnen hat. Schlagartig kehrte zum Ende der vergangenen Woche die Realität zurück ans Parkett, die da lautet: Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei.

Neue Virusvariante schickt Dax in den Keller

Eine neue Virusvariante wurde entdeckt und ließ vom Fernen Osten bis an die Wall Street die Kurse einbrechen. Auch der Dax blieb nicht verschont von den Schockwellen, um satte 4 Prozentpunkte ging es bergab für Deutschlands Leitindex.

Zwar hat sich das Börsenbarometer, das neuerdings 40 statt zuvor 30 Titel umfasst, am Montag wieder etwas gefangen. Doch das heißt noch lange nicht, dass jetzt die Kehrtwende eingeläutet wird und der Schock vom Black Friday nur von kurzer Dauer war.

Inflationsgespenst geht wieder um am Parkett

Vielmehr kehrt nun zu allem Überfluss auch noch das Schreckgespenst der Inflation zurück ins Bewusstsein der Anleger. Für Deutschland lag die Teuerungsrate im November voraussichtlich bei mehr als 5 Prozent und damit so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Doch während Europas Währungshüter rund um EZB-Chefin Christine Lagarde von Sondereffekten sprechen – etwa dem Basiseffekt, der sich in Deutschland durch die im vergangenen Jahr zeitweise abgesenkte Mehrwertsteuer ergibt, oder auch die rapide gestiegenen Energiepreise –, sind auf der anderen Seite des Atlantiks allmählich andere Stimmen zu vernehmen.

Dreht die Fed bald an der Zinsschraube?

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, deutete zuletzt an, dass die hohen Teuerungsraten womöglich doch länger andauern könnten als zunächst gedacht. Eine logische Konsequenz wäre dann eine Erhöhung des US-Leitzinses. Diese Aussicht drückt auf die Stimmung der Anleger, denn wenn es anderswo vergleichsweise risikoarme Zinserträge gibt, schwindet das Interesse an Aktien.

Seit die Notenbanken in Europa und den USA nach der Finanzkrise vor gut zehn Jahren damit begonnen haben, den Markt mit billigem Geld zu fluten und den Leitzins auf historischen Tiefstwerten nahe Null beließen, gab es für Anleger kaum eine sinnvolle Alternative zum Wertpapierhandel. Mit steigenden Zinsen könnte sich das aber bald ändern.

Volkswirte warnen vor inflationsangepassten Lohnforderungen

Noch ist freilich nichts entschieden in Sachen Leitzins, und die Europäer halten sich diesbezüglich auch weiterhin bedeckt. Dadurch könnten sie aber zu kurzfristigeren Schritten gezwungen sein, sollte die Inflation auch bis ins kommende Jahr hinein weiter anziehen.

Volkswirte mahnen zur Zurückhaltung und warnen vor Forderungen nach steigenden Löhnen, weil dies eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen und die Inflation längerfristig auf hohem Niveau zementieren könnte. Doch ob sich die Lage tatsächlich im Laufe des kommenden Jahres entspannt, bleibt ungewiss.

Verbraucher spüren Kaufkraftverlust

Verbraucher spüren den Kaufkraftverlust nicht nur an der Supermarktkasse, sondern vor allem beim Blick auf die Gas- oder Heizölrechnung sowie an der Zapfsäule. Energieträger wie Öl und Gas haben sich längst von den durchschnittlichen Inflationsraten abgekoppelt, der Preis ist um ein Vielfaches gestiegen.

Kein Wunder also, dass Anleger erst einmal Vorsicht walten lassen, zumal in derartig unsicherem Umfeld wie einer frischen Virusvariante, die im schlimmsten Fall noch einmal verheerende Auswirkungen auf die Gesellschaft, aber auch auf die Wirtschaft haben könnte.

Deutschland diskutiert neuen Lockdown

Schon angesichts der bis dato in Deutschland vorherrschenden Delta-Variante des Coronavirus fordern immer mehr Politiker nicht nur eine berufsbezogene oder auch generelle Impfpflicht, sondern auch die Rufe nach Kontaktbeschränkungen, Absagen von Großveranstaltungen, Geisterspielen im Spitzensport und dergleichen mehr werden dieser Tage wieder lauter diskutiert.

Hinzu kommt eine neue Unbekannte: die Ampel-Koalition. Sie ist noch nicht einmal vereidigt, muss aber schon jetzt unpopuläre Entscheidungen ausarbeiten und durchsetzen. Wie sich die Kräfteverhältnisse in Berlin künftig gestalten werden und wer sich bei den kommenden Coronamaßnahmen politisch durchsetzen wird, ist noch völlig ungewiss. Die längst beendete sogenannte „Bundesnotbremse“, mit der zeitweise erhebliche Grundrechtseinschränkungen durchgesetzt wurden, hat das Karlsruher Bundesverfassungsgericht jedenfalls heute für rechtmäßig erklärt.

Betriebs- und Grenzschließungen kein tabu mehr

Rein verfassungsrechtlich wären striktere Maßnahmen also durchaus erneut denkbar, und zumindest mit Blick auf Freizeitbetriebe wie Kinos, Diskotheken oder Gaststätten drohen auch erneute Zwangsschließungen. Neben diesen meist nicht börsennotierten kleinen und mittelständischen Unternehmen trifft die neue Virusvariante vor allem die Reisebranche zur Unzeit: Gerade erst befanden sich Airlines und Reiseveranstalter wieder auf einem aufsteigenden Ast, schon drohen neue Reisebeschränkungen.

Anleger reagierten entsprechend und ließen Anteilsscheine von Lufthansa, Tui, Airbus oder auch dem Triebwerkhersteller MTU vergangenen Freitag fallen, die Kurse brachen zum Teil zweistellig ein. Nachdem Schnäppchenjäger am Montag ein wenig nachgekauft haben, geht es für den Dax am heutigen Dienstag zum Handelsstart erneut bergab. Ob der Leitindex die Schwelle von 16.000 Zählern in diesem Jahr noch einmal erreichen wird, ist mehr als fraglich.