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Bet-at-Home-Aktie: Trotz WM – Aktie bleibt riskante Wette!

Inhaltsverzeichnis

Bet-at-home ist einer der gefallenen Sterne des Aktienmarkts. War das Papier des in Österreich gegründeten Wett- und Gaming-Anbieters Ende 2017 noch rund 100 Euro wert, sind es inzwischen nur noch 6,9 Euro (Stand: 25.11.2022, 16:00 Uhr).

Bet-at-home und das regulatorische Dauer-Risiko

Der wesentliche Grund für den Abstieg ist die in den letzten Jahren sehr volatile Lage in Sachen Regulierung. Immer wieder haben Staaten ihre Glückspielgesetze vor allem mit Blick auf die Suchtgefahr durch Online-Wetten geändert und damit das Geschäft von bet-at-home regelmäßig unter Druck gesetzt.

Noch immer gibt es in vielen Märkten Fragezeichen, ob bet-at-home dort überhaupt legal ist bzw. es auch künftig sein wird. In Deutschland etwa darf das Unternehmen inzwischen offiziell tätig sein, muss aber eine Wettsteuer von 5 Prozent entrichten, die für jede auf der Plattform ausgeführte Wette fällig wird.  In Österreich hingegen hatte sich die Plattform im letzten Jahr gezwungen gesehen, ihr Online-Casino nach einer Klagewelle einzustellen. In der Folge brachen große Umsatz- und Gewinnanteile weg.

Die Skepsis gegenüber Online-Wetten vonseiten politischer Akteure ist wohl so stark ausgeprägt wie nie zuvor. Und das ist für Unternehmen wie bet-at-home schlicht keine gute Geschäftsgrundlage.

Neue Zahlen: Wettanbieter scheitert knapp an der Gewinnschwelle

Neben diesem regulatorischen Dauer-Risiko musste die Firma zudem mit ineffizienten Prozessen vor allem in der IT kämpfen. Mittlerweile hat das Management eine Reorganisation und Straffung des operativen Betriebs durchgeführt, Mitarbeiter entlassen und technische Prozesse outgesourct.

Für einen Breakeven, also das Erreichen der Gewinnzone, reichte es bet-at-home zuletzt trotzdem nicht, wie die Firma vor wenigen Tagen mitteilen musste. Demnach machte bet-at-home in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres unterm Strich einen Verlust von 233.000 Euro. Immerhin: Das Unternehmen hat es geschafft, seine Personalkosten deutlich zu reduzieren. Beim operativen Ergebnis EBITDA reichte es auch deshalb für einen positiven Wert (2,2 Mio. €).

Fußball-WM in Katar: Geschäftstreiber oder Rohrkrepierer?

Bet-at-home hofft nun auf die laufende Fußballweltmeisterschaft in Katar. Solche sportlichen Großereignisse sind für Wettanbieter normalerweise eine Geldgrube. Die Firma steckt daher aktuell mehr Finanzmittel ins Marketing, um noch mehr risikoaffine Fußballfans und vor allem neue Kunden an Bord zu holen.

Doch auch hier offenbart sich ein Problem, wie das „Manager Magazin“ kürzlich berichtete. Demnach könnte die Wettbereitschaft rund um die diesjährige Weltmeisterschaft von den politischen Querelen überlagert werden.

Das heißt: Wegen der Kritik gegen Katar in Sachen Menschen- und Arbeitsrechten wollen viele Bürger das Turnier boykottieren. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des „Spiegel“ werden sich 70 Prozent der Deutschen die Spiele nicht anschauen. Neben den politischen Aspekten kommt der Umstand hinzu, dass das Turnier diesmal im Winter stattfindet.

All das dürfte dafür sorgen, dass die Aufmerksamkeit sinkt und damit möglicherweise auch das Wettvolumen. Gegenüber dem „Manager Magazin“ betonte der bet-at-home-Konkurrent Tipico, dass eine wirtschaftliche Prognose rund um die aktuelle WM aus diesen Gründen schwierig sei.

Mein Fazit für Sie

Die bet-at-home-Aktie ist und bleibt meiner Meinung nach das Paradebeispiel einer Blackbox. Wie so viele der Angebote auf der Plattform ist das Papier selbst ebenfalls eine riskante Wette. Zwar hat die Aktie nach Veröffentlichung der neuen Zahlen (auf einem niedrigen Niveau) stark zugelegt, wohl auch weil die Sparmaßnahmen inzwischen offensichtlicher wirken und die Hoffnung auf die WM die Fantasie beflügelt.

Das regulatorische Umfeld hingegen bleibt mit vielen Fragezeichen behaftet. Niemand kann deshalb eine verlässliche langfristige Prognose zu bet-at-home abgeben. Wollen Sie trotzdem auf die Wett-Aktie wetten, sollten Sie extrem starke Nerven mitbringen.