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Änderungen im Dax, MDax, SDax: Die Gewinner und Verlierer!

Inhaltsverzeichnis

Zugegeben: Das Umfeld für Börsengänge ist in Zeiten des Krieges, der hohen Inflation und der volatilen Stimmung am Kapitalmarkt nicht gerade rosig. Doch an der Porsche AG scheint all das abzuprallen. Der IPO der VW-Tochter Ende September war der zweitgrößte Börsengang der deutschen Wirtschaftsgeschichte und bis dato ein voller Erfolg.

Die neue Porsche-Aktie legte zwischen Anfang Oktober und Anfang Dezember um satte 31 Prozent zu. Das kommt freilich nicht von ungefähr. Denn Porsche hatte im Oktober abermals hervorragende Geschäftszahlen vorgelegt.  Demnach stieg der operative Gewinn des Premium-Autobauers in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 um 40 Prozent auf 5,05 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite lag bei knapp 19 Prozent. Damit war Porsche erneut der profitabelste Autobauer Deutschlands.

Porsche steigt in Dax auf

Nun bekommt der Goldesel des VW-Imperiums seinen ersten großen Ritterschlag als eigenständiger Börsenkonzern. Die Porsche AG wird laut Angaben der Deutschen Börse noch vor Weihnachten am 19. Dezember in den Dax aufsteigen. Angesichts der positiven Kursentwicklung seit dem Börsengang und der inzwischen hohen Marktkapitalisierung ist das wahrlich kein Wunder.

In der ersten deutschen Börsenliga werden also bald drei Aktien aus dem weit verzweigten VW-Umfeld vertreten sein: die Porsche SE als nicht operative Holding, hinter der die Familien Porsche und Piech stehen, der Autokonzern Volkswagen selbst und nun auch noch die mittlerweile separat gelistete Porsche AG.

Nur Siemens kann da mithalten (Siemens, Siemens Energy und Siemens Healthineers). Nimmt man die Abspaltung Infineon hinzu, an der Siemens inzwischen allerdings keine Beteiligungen mehr hält, sind es gar vier Aktien, die ihren Ursprung in dem Technologiekonzern haben.

Der „Auto“-Dax

Wichtig für Sie als Anleger: Der Dax 40 verliert durch den Aufstieg der Porsche AG an Diversität. Das heißt, der wichtigste deutsche Börsenindex wird nun noch abhängiger von der Autobranche sein. Neben VW, Porsche SE und Porsche AG sind auch Mercedes-Benz, Daimler Truck, BMW und Continental direkt der Branche zuzuordnen.

Hinzu kommt der oben erwähnte Halbleiterkonzern Infineon, der mit Abstrichen ebenfalls ein Autozulieferer ist – genau wie die Chemiekonzerne BASF und Covestro. Das kann durchaus ein Nachteil sein. Denn: Geht es der Autobranche schlecht, zieht das den gesamten DAX nun noch mehr nach unten.

Puma muss das Feld im Dax räumen – Verbio steigt in MDax auf

Das Feld räumen muss übrigens Puma. Der Sportartikelhersteller wird am 19. Dezember in den MDax absteigen. Der Konzern aus Herzogenaurach legte zuletzt zwar solide Quartalszahlen vor. Wegen der hohen Inflation und der sich abkühlenden Konsumstimmung blieb die Börse im bisherigen Jahresverlauf allerdings skeptisch. Die Puma-Aktie steht auf 12-Monats-Sicht mit 52 Prozent im Minus (Stand: 06.12.2022, 10:30 Uhr).

Deutlich positiver zeigte sich die Aktie von „Verbio Vereinigte BioEnergie“. Das Papier steht im gleichen Zeitraum mit 21 Prozent im Plus, weshalb Verbio vom SDax in den MDax aufsteigen wird. Der Hersteller von Biokraftstoffen profitiert von den hohen Treibstoffpreisen und konnte im letzten  Quartal Umsatz und Gewinn massiv steigern.

Varta und Deutsche Wohnen verabschieden sich in Richtung SDax

Für Puma und Verbio müssen im MDax zwei weitere Krisenverlierer weichen. Erstens: der schwäbische Batteriehersteller Varta, der immense Profitprobleme hat und eine geplante Akkufabrik für Elektroautos wegen der hohen Kosten kürzlich auf Eis legen musste. Zweitens: der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen, der zu 87 Prozent zu Vonovia gehört und zuletzt einen Rückgang der Mieteinahmen und des operativen Gewinns hinnehmen musste.

Im SDax kommen neben Varta und Deutsche Wohnen der Glasfaser-Spezialist Adva Optical Networking und der Chip-Entwickler Elmos Semiconductor hinzu. Die Spezialpharmafirma Medios, das Immobilienunternehmen Instone Real Estate sowie der Online-Modehändler About You müssen indes die dritte deutsche Börsenliga verlassen.

Mein Fazit für Sie

Indexänderungen sind mehr als bloß reine Symbolik. Für Sie als Anleger hat das echte Konsequenzen, zum Beispiel wenn Sie über einen ETF auf den Dax oder MDax setzen. Die Fondsanbieter müssen nun ihr Portfolio entsprechend umschichten.

Meiner Meinung nach wird der Dax durch die Porsche AG unterm Strich zugkräftiger. Der Autobauer bringt sein hochprofitables Geschäft in die erste deutsche Börsenliga ein, was den Dax operativ gewinnträchtiger macht. Auf der anderen Seite steigt dadurch die Abhängigkeit von der Autobranche – was angesichts der Bedeutung des Industriesektors für die deutsche Volkswirtschaft jedoch auf einem rationalen Fundament steht.

Es bleibt nun abzuwarten, wie sich der Dax im nächsten Jahr entwickeln wird. Zuletzt gab es den einen oder anderen Lichtblick, wonach die Rezession in Deutschland nicht ganz so verheerend ausfallen könnte wie ursprünglich gedacht. Für die Gewinnmargen der Konzerne wäre das jedenfalls erfreulich.

Trotzdem bleibt das wirtschaftliche Umfeld mit vielen Unsicherheiten behaftet. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Dax gerade im ersten Jahresviertel 2023 durch eine neue Schwächephase hindurchmuss. Doch diese dürfte sich, sollte sie denn eintreten, früher oder später in Wohlgefallen auflösen und langfristiges Renditepotenzial für Sie freisetzen.