1&1 startet eigenes Mobilfunknetz: Gut für die Kunden, schlecht für o2?

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Es ist ein zunächst kleiner Schritt für die Kunden, aber ein großer Schritt für 1&1: Der Telekommunikationsanbieter aus Montabaur schaltet am Nachmittag sein eigenes Mobilfunknetz frei. Zu den offiziellen Feierlichkeiten in der Konzernzentrale wird auch der für digitale Infrastruktur verantwortliche Bundesminister Volker Wissing von der FDP erwartet.

Nach fast 10 Jahren: Wieder 4 Netzanbieter in Deutschland

Mit dem Start des eigenen Handynetzes von 1&1 hat Deutschland dann wieder vier Netzbetreiber. Die gab es schon einmal: Bis 2014, als der damalige Anbieter E-Plus vom Konkurrenten o2 übernommen wurde. Seither gab es mit o2, hinter dem der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica steht, Vodafone und der Deutschen Telekom drei große Netzanbieter in Deutschland, die den Markt unter sich aufgeteilt haben.

Mit 1&1 kommt nun ein kleinerer Konkurrent hinzu, der das Feld neu aufmischen und für eine neue Dynamik im Markt sorgen könnte. Aus Sicht von Wettbewerbshütern ein klarer Vorteil für die Verbraucher, die durch steigenden Wettbewerb und sinkende Preise profitieren könnten. Das ist allerdings bis auf Weiteres noch Zukunftsmusik: Denn auch wenn ab heute die ersten eigenen Funkmasten von 1&1 an den Start gehen, wird dadurch nur ein sehr geringer Teil der Bundesrepublik abgedeckt.

National Roaming künftig über Vodafone – Rückschlag für o2

Für alle übrigen Regionen mietet 1&1 als bislang rein virtueller Netzanbieter sich ins Netz der Konkurrenz ein. Bislang haben 1&1-Kunden Zugriff auf die Netzkapazitäten von o2, das wird auch vorerst so bleiben. Ab dem kommenden Sommer wechselt der Vertrag dann auf Vodafone. Das bedeutet, dass Kunden mit einem 1&1-Tarif dann überall dort im Vodafone-Netz eingeloggt sind, in dem der Anbieter aus Montabaur noch keine eigenen Kapazitäten aufgebaut hat.

Für Vodafone ist das ein lukrativer Deal, für o2 entsteht durch den Wechsel nach rund 10 Jahren eine nicht unerhebliche Finanzlücke. 1&1 selbst hat noch einiges vor sich: Gerade einmal 200 Funkmasten sollen bis Anfang 2024 aktiv sein. Eigentlich hätten bereits Ende 2022 ganze 1.000 Antennen aktiviert werden sollen. Immer wieder war es zu Verzögerungen gekommen, 1&1 verwies auf Probleme in den Lieferketten. Die Bundesnetzagentur prüft wegen der verspäteten Netzanbindung ein Bußgeld gegen 1&1.

Deutlicher Netzausbau bis 2030 geplant

Im kommenden Jahr soll es dann aber so richtig losgehen. Tatsächlich muss 1&1 kräftig Gas geben, um den Vorgaben der Behörde künftig gerecht werden zu können: Bis Ende 2025 müssen mindestens 25 Prozent der deutschen Haushalte durch das Netz erreicht werden, bis Ende 2030 sollen dann mindestens 50 Prozent der Haushalte potenziell mit dem Netz von 1&1 versorgt werden können. Dazu braucht es zigtausende weitere Funkmasten, die nun in den kommenden Jahren aufgebaut und aktiviert werden sollen. Insgesamt will 1&1 bis zum Jahr 2030 rund 5 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren.

Gerade Kunden in Regionen mit bislang geringer Netzabdeckung erhoffen sich von dem neuen Player im Markt die Schließung von Funklöchern, für die die Bundesrepublik noch immer international bekannt ist. Wer mit dem Zug durch ländliche Gebiete fährt, wird nicht selten Schwierigkeiten haben, sein Mobiltelefon mit dem Internet zu verbinden. Hier herrscht noch einiges an Aufholpotenzial – übrigens nicht nur für 1&1, sondern auch für die drei bereits etablierten Netzanbieter, die diese Bereiche in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt haben. Auch hier hat die Bundesnetzagentur kürzlich Konsequenzen angedroht.

Zum Handelsstart am heutigen Freitag legte die Aktie von 1&1 erst einmal zu: Anleger bescherten dem Papier zur Feier des Tages ein Kursplus von 1 Prozent.