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Berichtsaison hat begonnen – schwache Erwartungen noch unterboten

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Es ist mal wieder soweit: Die Berichtsaison startet. Unternehmen rund um den Globus gewähren ihren Anlegern einen Einblick in die Geschäftsbücher und offenbaren die Zahlen für den Zeitraum von Anfang April bis Ende Juni. Mit der Halbjahresbilanz geht dabei oftmals auch ein aktualisierter Ausblick für das Gesamtjahr einher, da sich die zurückliegende Geschäftsentwicklung sowie die kurzfristige Auftragslage besser abschätzen lässt.

Geringe Erwartungen noch unterboten

Während die meisten Dax-Konzerne ihre Bilanzen erst Ende Juli oder Anfang August vorlegen, wurde der Zahlenreigen in den USA in dieser Woche bereits eröffnet. Neben dem Getränkehersteller und Coca-Cola-Konkurrenten PepsiCo legten unter anderem Delta Airlines sowie mehrere Großbanken ihre Quartalsberichte vor.

Dabei zeichnet sich insgesamt bereits eine Richtung ab: Die Erwartungen waren gering – und sie wurden noch unterboten. Das zweite Quartal des laufenden Kalenderjahres ist das erste, das vollumfänglich unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges in der Ukraine steht und erste Auswirkungen deutlich abbildet – von Sanktionen über Energiekrise bis hin zur nochmals verschärften Lieferkettenproblematik. Die immens hohe Inflation sowie die zügige Straffung der Geldpolitik seitens der Notenbanken kommen erschwerend hinzu.

Delta Airlines verfehlt Schätzungen deutlich

Analysten hatten ihre Einschätzungen dementsprechend schon zurechtgestutzt, doch die tatsächlichen Zahlen liegen noch darunter. So erwarteten Experten für Delta Airlines einen Gewinn je Aktie von 1,64 US-Dollar. Tatsächlich erzielte die Fluggesellschaft lediglich 1,44 Dollar je Aktie. Der bereinigte Nettogewinn fiel mit 921 Millionen Dollar ebenfalls deutlich geringer aus als die Schätzungen, die im Schnitt von knapp 974 Millionen Dollar ausgegangen waren.

Lediglich mit Blick auf die Umsätze konnte Delta Airlines die Erwartungen der Analysten nahezu punktgenau erfüllen: Erreicht wurden 12,31 Milliarden Dollar, Schätzungen hatten bei 12,33 Milliarden Dollar und damit nur knapp darüber gelegen.

JP Morgan und Morgan Stanley: Auch Großbanken patzen

Mit JP Morgan und Morgan Stanley haben zudem zwei Großbanken ihre Zahlen bereits vorgelegt. Analysten hatten zwar mit einem Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gerechnet, doch dieser fiel deutlich höher aus als gedacht. So erwirtschaftete JP Morgan einen Quartalsgewinn von lediglich 8,6 Milliarden US-Dollar und damit 28 Prozent weniger als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Bank setzt nun ihr milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm aus, das erst im April angekündigt worden war – um Rücklagen zu bilden angesichts der gestiegenen Risiken, bedingt nicht zuletzt durch hohe Inflation, steigende Zinsen, größere Rezessionsängste und geopolitische Verwerfungen.

Bei Morgan Stanley lief es kaum besser. Auch hier brach der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 30 Prozentpunkte ein auf nur noch 2,4 Milliarden Dollar. Der Umsatzrückgang belief sich auf 11 Prozent, erzielt wurden 13,1 Milliarden Dollar. Analysten hatten auch Morgan Stanley bessere Quartalsergebnisse zugetraut. Am heutigen Freitag folgen die Quartalsberichte weiterer Banken und Finanzunternehmen, darunter Citigroup, Wells Fargo und Vermögensverwalter Blackrock.

PepsiCo als positiver Ausreißer

Gegen den Trend besser als erwartet fiel das Zahlenwerk von PepsiCo aus: Der Coca-Cola-Konkurrent erzielte einen Gewinn je Aktie in Höhe von 1,86 Dollar und einen Umsatz von gut 20,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten lediglich mit einem Gewinn je Aktie von 1,74 Dollar und einem Umsatz von rund 19,5 Milliarden Dollar gerechnet.

Doch auch wenn es einzelne positive Ausreißer gibt: Insgesamt sind die Vorzeichen für die anstehende Berichtsaison damit noch stärker eingetrübt, als sie es ohnehin schon waren. Die Lage vieler Unternehmen scheint sich düsterer zu gestalten als von Analysten erwartet. Dementsprechend könnten hier in den kommenden Tagen und Wochen noch zahlreiche negative Überraschungen auf die Anleger warten.

Turbulente Wochen erwartet

Beobachter rechnen mit einigen Turbulenzen an den Aktienmärkten, da verfehlte Quartalsprognosen das Potenzial haben, die Aktienkurse in den Keller zu schicken – oder ihnen einen Höhenrausch zu bescheren, sollten die Erwartungen übertroffen werden. Letzteres dürfte in dieser Saison aber eher die Ausnahme sein.

Langfristig orientierte Anleger sollten sich daher nicht nervös machen lassen und die Turbulenzen aussitzen. Alle anderen können spekulieren auf steigende oder fallende Kurse – so oder so dürfte in den kommenden Wochen viel Bewegung in die Märkte kommen.

Während die Berichtsaison in den USA damit bereits ordentlich Fahrt aufnimmt, müssen sich Anleger mit Blick auf deutsche Börsenwerte noch etwas gedulden: Hier werden erst ab der übernächsten Woche die Zahlenreigen einsetzen.