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Bavarian Nordic-Aktie: Der Affenpocken-Retter!?

Inhaltsverzeichnis

Kursrausch par excellence: Am Donnerstag schoss die Aktie der dänisch-deutschen Firma Bavarian Nordic um etwa ein Drittel nach oben. Am Freitag ging es dann noch einmal 17 Prozent aufwärts.

Natürlich werden Sie sich jetzt fragen, warum ausgerechnet dieses relativ kleine Unternehmen Ende letzter Woche eine solche Börseneuphorie erzeugen konnte?

BioTech-Firma Bavarian Nordic

Bevor wir uns der Antwort widmen, zunächst für Sie ein paar Eckdaten: Bavarian Nordic mit Sitz im dänischen Hellerup ist ein Impfstoffentwickler. Mit seinen rund 800 Mitarbeitern forscht das Unternehmen an Immuntherapien zur Prävention von Infektions- und Krebserkrankungen. Dabei geht es beispielsweise um Vakzine gegen Ebola, Pocken, aber auch um einen universellen Booster-Impfstoff gegen Corona.

Letzter gilt übrigens als vielversprechend und soll im nächsten Jahr in Deutschland und darüber hinaus zugelassen werden. Doch das kommende Covid-Vakzin ist nicht der Grund für den jüngsten Kursrausch. Vielmehr geht es um eine neue Bedrohung, die derzeit nach und nach in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt.

Affenpocken: Bavarian Nordic will mit Impfstoff helfen

Sie werden es wahrscheinlich schon ahnen: Es geht um die Affenpocken. In fast ganz Europa treten aktuell vereinzelt Fälle dieser Infektionskrankheit auf. Die belgische Regierung etwa hatte vor wenigen Tagen gar eine Quarantänepflicht für Affenpocken-Patienten eingeführt.

Und was hat das jetzt mit Bavarian Nordic zu tun? Ganz einfach: Die Firma kündigte am Donnerstag an, dass man als Reaktion auf die Affenpocken-Fälle den Impfstoff mit dem Markennamen „Imvanex“ einem nicht genannten europäischen Land bereitstellen werde. Dieser ist in Europa für die Anwendung gegen klassische Pocken zugelassen, wurde in den letzten Jahren aber auch immer wieder zum Schutz vor dem Affenpockenvirus verabreicht.

Die Börse spekulierte letzte Woche also darauf, dass sich das Virus stark verbreiten und die Nachfrage nach dem Impfstoff durch die Decke schießen wird – ähnlich der Corona-Pandemie, als Firmen wie BioNTech Milliardengewinne mit ihren Vakzinen machten. Doch diesmal dürfte die Situation eine etwas andere sein.

Wohl keine Affenpocken-Endemie

Die aktuelle Ausbreitung sei höchst ungewöhnlich, aber es werde keine landesweite Epidemie geben, wie es bei Covid der Fall gewesen sei, sagte etwa Professor Jimmy Withworth von der London Schoof Of Hygiene and Tropical Medicine (via „Tagesschau“).

Demnach gehen der Experte und andere Wissenschaftler davon aus, dass das Affenpockenvirus derzeit weniger überragbar ist als das Coronavirus. So betonte beispielsweise der renommierte Professor Fehr Jan von der Universität Zürich, dass man nicht von einer Aerosol-Ansteckung ausgehe. Das Affenpockenvirus übertrage sich vor allem durch länger anhaltenden und auch körperlich-intimen Kontakt.

Nichtsdestotrotz kann das Virus im menschlichen Körper schwere Schäden anrichten, insbesondere bei immungeschwächten Patienten. Eine neue Endemie oder gar Pandemie aber gilt derzeit als sehr unwahrscheinlich.

Ist die Börse übers Ziel hinausgeschossen?

Entsprechend lässt sich der Kursrausch Ende letzter Woche durchaus als etwas übertrieben einstufen. Der sprunghafte Aufstieg der Aktie ist im Prinzip nichts anderes als ein Schuss ins Blaue. Kein Wunder also, dass die Aktie von Bavarian Nordic am Montagmittag bei einem sehr hohen Transaktionsvolumen wieder etwas Federn lassen musste – um mehr als 6 Prozent (Stand: 23.05.2022, 12:00 Uhr).

Die Aktie dürfte also erst einmal hoch volatil und risikobehaftet bleiben. Wollen Sie in Bavarian Nordic investieren, Sie das unbedingt im Hinterkopf behalten. Auch weil die Firma zuletzt operativ nicht gerade glänzen konnte. So fiel der Umsatz im ersten Quartal um 40 Prozent auf umgerechnet 43 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis EBITDA lag mit -12,6 Millionen ebenfalls unter dem Vorjahreswert (+0,13 Mio.).

Ob und inwieweit das Affenpockenvirus die Bilanz beleben wird, ist derzeit völlig unklar. Immerhin: Bavarian Nordic hat darüber hinaus etliche Impfstoffkandidaten in der Pipeline, die sich später durchaus als Goldgrube erweisen könnten.