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Basiswissen ETFs – physisch & synthetisch

Inhaltsverzeichnis

ETFs – Exchange Traded Funds – scheinen für Anleger längst das Maß aller Dinge. Doch genaues Hinschauen sollte schon sein. Denn es gibt „echte“ und „unechte“ ETFs, im Jargon: physische und synthetische Indexfonds.

Die unendlichen Weiten des ETF-Universums

Irgendwann einmal stellt sich jeder Privatanleger, wenn er nicht gerade mit seinem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto verheiratet ist, die Frage: Was sind ETFs? Und sobald diese Frage beantwortet ist und der Investor – hoffentlich – positive Erfahrungen mit seinem ETF-Portfolio gesammelt hat, geht‘s weiter hinein in die unendlichen Weiten des ETF-Universums.

Was mitunter eine durchaus beschwerliche Reise sein dürfte. Eher auf Anhieb verständlich ist wohl, wie ETF-Emittenten „echte“ – also physische – Indexfonds zusammenbauen. Bei den synthetischen ETFs, den „unechten“ also, wird die ganze Sache schon etwas komplizierter, weil diese zu einem Großteil aus derivativen Finanzinstrumenten zusammengesetzt werden. Doch der Reihe nach. Als erstes also ein Blick darauf, was ETFs überhaupt sind und weshalb private Anleger sie zunehmend mögen.

ETF – alle in einem

Die drei Buchstaben ETF stehen für „Exchange Traded Funds“. Gemeinhin wird diese Investmentvariante auch als „Indexfonds“ bezeichnet. Ein solcher Fonds bildet in der Regel einen kompletten Index wie den weltweiten MSCI, den deutschen Dax oder den US-amerikanischen Standard & Poor‘s ab.

ETFs sind, im Gegensatz zu ihren älteren Geschwistern, den gemanagten Investmentfonds, börsennotiert. Sie werden also fortlaufend gehandelt, selbstredend zu unterschiedlichen Preisen – entsprechend der Entwicklung des jeweiligen Basis-Indexes. Bei herkömmlichen Fonds werden Ausgabepreis und Rücknahmepreis in der Regel nur einmal am Tag ermittelt.

Im Vergleich zu den herkömmlichen gemanagten Fonds haben ETFs zwei unübersehbare Vorteile. Nämlich:

  • Indexfonds sind deutlich preiswerter als individuell verwaltete Fonds. Was auf der Hand liegt. Entfällt doch ein beachtlicher Teil der Kosten auf die Managementvergütung. Diese gibt es bei ETFs praktisch nicht, sodass deren Gesamtkosten im Schnitt bei 0,4 bis 0,6 Prozent des Fondsvermögens liegen, während bei gemanagten Fonds die Rendite-schmälernden Kosten jährlich 2 Prozent und mehr des Fondsvermögens betragen können.
  • Schon vor mehr als 20 Jahren kamen unabhängige Untersuchungen zu dem Ergebnis – dies wurde in der Folgezeit mehrfach bestätigt –, dass rund 80 Prozent der Börsenindizes besser abschneiden als vergleichbare gemanagte Fonds, die sich eben an jenen Indizes orientieren. In Kombination mit den deutlichen Kostenvorteilen der ETFs gibt es kaum einen vernünftigen Grund, in gemanagte Fonds zu investieren. Ausnahme: bei noch nicht weit entwickelten Exotenbörsen (beispielsweise zählten dazu Vietnam oder die Vereinigten Arabischen Emirate) kann es zumindest unter Renditegesichtspunkten oft sinnvoll sein, auf die Expertise eines Stock-Pickers zu vertrauen.

Klar, ETFs werden als die einfachste, kostengünstigste und letztlich auch lukrativste Möglichkeit propagiert, an der Entwicklung eines oder gleich mehrerer Märkte zu partizipieren. Doch der Teufel steckt im Detail, um die bekannte Binse an dieser Stelle einzuflechten. Deshalb sind Anleger gut beraten, wenn sie den ETF ihrer Wahl oder gleich mehrere bevorzugte Indexfonds genauer unter die Lupe nehmen. Unterschieden werden nämlich „physische“ und „synthetische“ ETFs.

Physische ETFs – 1 zu 1 der Index, fast

Ein physischer ETF ist gleichsam die Mutter aller Indexfonds. Denn angestrebt wird die identische Nachbildung eines Börsenbarometers. Heißt also: Die in einem Index enthaltenen Wertpapiere sind entsprechend ihrer Gewichtung auch im ETF vorhanden. Der Fachbegriff dafür lautet „Vollreplikation“.

Tatsächlich wird die identische Nachbildung eines Indexes bisweilen vermieden. Denn jene Vollreplikation bedarf im Grunde einer täglichen Anpassung der Gewichtung, eben weil sich diese entsprechend der Entwicklung der einzelnen Werte stetig verändert.

Zudem enthält mancher Index auch vergleichsweise wenig liquide Einzelwerte, was den Kauf und insbesondere den Verkauf unter dem Dach eines ETFs mitunter nicht einfacher macht. Folge: Weil die Vollreplikation ziemlich aufwendig und auch teuer ist, sind bei physischen ETFs oft Teilreplikationen anzutreffen. Diese Probleme haben „synthetische“ ETFs praktisch nicht. Eine Konsequenz ist, dass diese ein paar Ticken preiswerter sind als physische ETFs.

Synthetische ETFs – künstliche Gebilde

Der Name ist Programm. Bei synthetischen ETFs wird nicht direkt in jene Werte investiert, die im Index enthalten sind. Stattdessen wird ein Börsenbarometer über Derivate und sogenannte Swaps (Tauschgeschäfte) nachgebildet. Somit handelt es sich bei synthetischen ETFs praktisch um die Vollreplikation eines Indexes, was in diesem Fall weniger Kosten verursacht als bei physischen ETFs.

Funktionsweise: Der ETF-Anbieter sitzt in einem Boot mit dem Swap-Kontrahenten. Vereinbart ist dabei, dass dieser Kontrahent gegen eine vom ETF-Anbieter zu zahlende Gebühr die Rendite (inklusive Dividenden) des ETF-Portfolios zahlt. In der Regel wird der Tausch-Deal abgesichert.

Die Vorteile eines synthetischen ETFs liegen auf der Hand: praktisch die komplette Nachbildung eines Indexes sowie geringere Kosten als bei der Vollreplikation eines physischen ETFs. Zugleich gibt es  aber das Kontrahentenrisiko. Kommt nämlich der Swap-Partner seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nach, würde der Kurs des synthetischen ETFs (stark) fallen.

Meine Empfehlung: Auch wenn ETFs die bequemste, oft renditestärkste und kostengünstigste Möglichkeit der Geldanlage in Aktien sein dürfte, so sollten insbesondere private Anleger genau hinschauen, ob sie sich für einen physischen oder einen synthetischen ETF entschieden haben. Denn zum einen ist es immer sinnvoll, das bevorzugte Anlageprodukt auch zu verstehen. Andererseits bergen synthetische ETFs durchaus Risiken. Diese muss der Anleger erkennen und letztlich auch akzeptieren, damit es kein böses Erwachen gibt.