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BASF meldet Milliardenverlust: Jetzt bloß keine Panik!

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Es sind spannende Tage für Sie als Anleger. Denn immer mehr deutsche Großkonzerne legen ihre vorläufigen Zahlen vor und geben damit endlich Aufschluss, wie die Geschäfte im Krisenjahr 2022 liefen. Für besonderes Aufsehen sorgte zuletzt die BASF.

Vielleicht haben Sie es auch schon in den Medien gelesen: Der Chemiekonzern musste im letzten Jahr einen durchaus beachtlichen Fehlbetrag hinnehmen. So belief sich der Nachsteuerverlust auf satte -1,376 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2021 hatte es noch für einen Gewinn in Höhe von 5,523 Milliarden Euro gereicht.

Nach Veröffentlichung der Zahlen herrschte am Markt Fassungslosigkeit. Denn: Die Experten hatten BASF eigentlich einen relativ guten Gewinn zugetraut. Laut Vara Research lag der Analystenkonsens zum BASF-Ergebnis bei 4,768 Milliarden Euro.

Das BASF-Sorgenkind Wintershall DEA

Zum Verhängnis wurde dem Dax-Konzern dessen Mehrheitsbeteiligung an dem Öl- und Gasunternehmen Wintershall DEA. Dabei handelt es sich um eine Fusionsfirma, die 2018 aus den beiden deutschen Traditionskonzernen Wintershall Holding und DEA Deutsche Erdoel AG entstand. Das Unternehmen ist in 13 Ländern in der Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas tätig – unter anderem auch in Deutschland bzw. Niedersachsen.

Doch Sie werden es schon ahnen: Das Problem liegt nicht in Deutschland, sondern in Russland. Wintershall DEA bzw. dessen Vorgängerfirmen hatten bereits kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Anfang der 90er Jahre in Russland mit der Förderung der fossilen Energierohstoffe begonnen. Zuletzt war das Unternehmen noch an Förderprojekten rund um die westsibirischen Erdgasfelder Juschno Russkoje und Urengoi beteiligt.

Bei beiden Projekten arbeitete Wintershall DEA unter anderem mit dem russischen Gasgiganten Gazprom zusammen. In Sachen Urengoi hatte das deutsche Unternehmen unter dem Namen Achimgaz ein Joint-Venture mit den Russen geschlossen. „Achimgaz ist ein Musterbeispiel für die deutsch-russische Energiepartnerschaft“, hatte Wintershall DEA noch im Jahr 2020 zu Protokoll gegeben.

Rückzug aus Russland

Doch der Ukraine-Krieg hat das geändert – wenn auch mit Verzögerung. Denn: Im Unterschied zu vielen anderen westlichen Unternehmen blieb Wintershall DEA auch nach Beginn des Krieges in Russland aktiv, einfach weil das dortige Geschäft für die Firma das Zünglein an der Waage ist. Etwa 50 Prozent der Produktion von Wintershall DEA entfielen zuletzt immer noch auf Russland.

Jetzt aber kann die BASF-Tochter das Ganze nicht mehr aufrechterhalten. Demnach plant Wintershall DEA nun einen kompletten Rückzug  aus Russland. Der Grund: Offenbar hat die russische Regierung die Aktivitäten der deutschen Firma zuletzt massiv eingeschränkt. Wintershall-DEA-Chef Mario Mehren spricht gar von einer wirtschaftlichen Enteignung der Joint-Ventures.

BASF meldet milliardenschwere Abschreibungen

Für die BASF ist das eine bittere Pille. Wegen der Entkonsolidierung der Russland-Aktivitäten von Wintershall DEA und der wirtschaftlichen Enteignung musste die BASF im letzten Jahr 7,3 Milliarden Euro abschreiben. Allein im Schlussquartal waren es 5,4 Milliarden Euro. Der Chemiekonzern hält mehr als 70 Prozent der Anteile an Wintershall DEA und ist damit von dessen Geschäft abhängig.

Besonders ärgerlich: Die BASF hatte eigentlich einen Rückzug aus dem Öl- und Gasgeschäft geplant und wollte Wintershall DEA an die Börse bringen. Der Börsengang aber wurde bereits 2020 wegen der Corona-Pandemie verschoben und zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs. Dass der Börsengang nun alsbald stattfinden kann, ist angesichts der neuen Hiobsbotschaft kaum denkbar. Und so muss die BASF die Probleme bei Wintershall DEA unterm Strich wohl weiterhin ausbaden.

Operativ gar nicht mal so schlecht

Immerhin: Lässt man Wintershall DEA beiseite, lief es für den Dax-Konzern in 2022 – relativ gesehen – gar nicht mal so schlecht. Die Umsätze verbesserten sich laut vorläufigen Zahlen um 11 Prozent auf 87,3 Milliarden Euro. Und das operative Ergebnis EBIT (vor Sondereinflüssen) lag mit voraussichtlich rund 6,9 Milliarden Euro „nur“ um 890 Millionen unter dem Wert des Vorjahres.

Klar: Das ist ein satter Profitrückgang. Doch die BASF lag damit innerhalb der eigenen Prognosespanne, wenn auch am unteren Ende. Der Konzern hatte im letzten Jahr wie erwartet mit den inflationär gestiegenen Kosten gerade im Bereich Energie zu kämpfen.

Mein Fazit für Sie

Wintershall DEA ist zweifelsohne ein Problem für die BASF. Trotzdem kann man dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen. Denn die Hängepartie rund um Russland ist jetzt zu Ende und es gibt endlich Klarheit. Dass Wintershall DEA angesichts der politischen Querelen nicht ewig in Russland weitermachen kann, war eigentlich zu erwarten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der große Schlussstrich kommen wird.

Es bleibt nun abzuwarten, wie sich der Chemiekonzern im laufenden Jahr behaupten kann. Gerade in Deutschland könnte eine Rezession die Geschäfte belasten. Da BASF aber international sehr breit aufgestellt ist, können die Ludwigshafener diese Einschnitte an anderer Stelle möglicherweise kompensieren – zum Beispiel in China.

Ebenfalls positiv: Der Milliardenverlust aus 2022 dürfte die Dividende der BASF nicht gefährden, betonten zumindest die Analysten. Demnach sind für die Ausschüttungen der Ludwigshafener klassischerweise die freien Barmittelzuflüsse (Free Cashflow) und nicht das Nettoergebnis verantwortlich.

Merken Sie sich jetzt den 24. Februar vor. Dann wird die BASF nämlich ihre endgültigen Zahlen zu 2022 präsentieren (inklusive Free Cashflow) und sich zum laufenden Jahr äußern.

Beachten Sie aber, dass die BASF-Aktie in den letzten Monaten wegen der allgemeinen Stimmungsaufhellung am Aktienmarkt unterm Strich wieder ordentlich zugelegt hat – auch wenn der Kurs noch immer unter dem Vor-Ukrainekrieg-Niveau liegt (Stand: 18.01.2023, 11:00 Uhr).

Deshalb sind größere Kurssprünge auch mit Blick auf die Unsicherheiten im Jahr 2023 meiner Meinung nach erst einmal eher unwahrscheinlich.