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Aktien: Auch die Börse hat Schwachstellen

Schon immer diskutiere ich mit Kollegen über den Sinn und Unsinn von „Shortgeschäften“ bzw. der Spekulation auf fallende Aktienkurse.

Grundsätzlich widerstrebt es mir, darauf zu wetten, dass der Kurs einer Aktiengesellschaft fällt – vor allem auch noch dann, wenn ein Unternehmen in ernsthaften Schwierigkeiten steckt.

Im Grunde genommen sorgen dann Spekulanten dafür, dass der Konkurs einer solchen Gesellschaft deutlich wahrscheinlicher wird.

Befürworter dieser Möglichkeit sprechen dann von notwendigen Bereinigungsprozessen wie in der Natur: Die Starken überleben, die Schwachen werden ausgesiebt. Dass es hier dennoch auch um Menschen geht, bleibt auf der Strecke.

Wenn jetzt aber auf perfide Art und Weise versucht wird, durch Put-Optionsscheine in Kombination mit einem Bombenanschlag Millionen zu verdienen, ist aus meiner Sicht schlicht und ergreifend der Gesetzgeber gefordert.

Genau das scheint nämlich hinter dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB zu stecken. Übrigens nicht das erste Mal, dass Kriminelle einen solchen Versuch unternommen haben.

Schon bei den Anschlägen am 11. September 2001 hatten Terroristen im Vorfeld vor allem auf fallende Kurse von Fluggesellschaften spekuliert und am Ende damit viele Millionen Dollar verdient.

Lediglich kurzfristig hat man damals im Anschluss die Möglichkeit eingeschränkt, Shortgeschäfte zu tätigen. Auch meine so geliebte Börse hat also ihre Schwachstellen.

Doch sollte man jetzt nicht wieder den Fehler machen, die Aktienmärkte insgesamt als „Hort des Turbokapitalismus“ zu dämonisieren. Das Gegenteil ist und bleibt die Wirklichkeit.

Ich bin gegen die Möglichkeit, Aktien zu shorten

Die Möglichkeit, sich an erfolgreichen Unternehmen auf sehr einfache Art und Weise zu beteiligen, ist ein Segen für alle Anleger, welche die Vorzüge der Aktienanlage verstehen und nutzen. Und auch in dieser Hinsicht ist aus meiner Sicht der Gesetzgeber gefordert.

Unser Staat kann es sich schlicht und ergreifend nicht leisten, den Menschen eine sichere Rente zu versprechen, die er so in einigen Jahren gar nicht mehr leisten kann. Private Vorsorge muss gefordert und gefördert werden – und hier gehören auch Anreize dazu.

Es muss wieder belohnt werden, wenn sich Sparer dazu entscheiden, langfristig in Aktien oder auch Fonds zu investieren.

Zusätzlich sollte man sich überlegen, wie man künftig noch besser erreichen kann, dass Mitarbeiter am Erfolg ihrer Betriebe und Unternehmen partizipieren.

So erhalten Mitarbeiter von Porsche oder Daimler seit vielen Jahren saftige Prämien in den Jahren, in denen die Geschäfte besonders gut laufen.

Das macht nicht nur Spaß für die Betroffenen, sondern auch Sinn. Es stärkt die Zufriedenheit der Mitarbeiter und die Identifikation mit den Unternehmen.

Die Politik ist also insgesamt gefordert, die Rahmenbedingungen an den Aktienmärkten moderner und zeitgemäßer zu gestalten – sowohl bezogen auf die eigentlichen Stärken aber auch hinsichtlich der Schwachstellen.

Das erfordert aber die Erkenntnis und Bereitschaft, die Börse vor allem als große Chance zu verstehen, die Deutschland AG in Richtung Sparen 2.0 zu führen.

Darüber sollten Sie nachdenken.

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Über den Autor
Jürgen Schmitt

Jürgen Schmitt hat Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Fulda studiert und ist Mitbegründer der Beratungs- und Investmentgesellschaft Meconomics.

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