Alibaba-Aktie: Welche Chancen und Risiken das Papier bietet!

Alibaba-Aktie: Welche Chancen und Risiken das Papier bietet!
Alexey Novikov / stock.adobe.com
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Viele Anleger fragen sich: Wann startet die Alibaba-Aktie endlich wieder durch? Seit fast zwei Jahren torkelt das Papier von Krise zu Krise. Schauen Sie: War die Alibaba-Aktie Im Oktober 2020 noch 263 Euro wert, waren es am 12. August 2022 nur noch 91 Euro (Stand: 12.08.2022, 11:00 Uhr).

Dabei waren die Zahlen, die Chinas Internetgigant zuletzt veröffentlichte, gar nicht so schlecht – zumindest wenn man die äußeren Belastungsfaktoren berücksichtigt, die im zweiten Quartal die chinesische Wirtschaft massiv unter Druck gesetzt hatten.

Alibaba: Umsatz trotz Krisen stabil

Demnach hat Alibaba in Q2 seinen Umsatz bei umgerechnet 30,6 Milliarden Dollar stabil halten können. Das E-Commerce-Geschäft war zwischen April und Ende Juni nur um 1 Prozent auf 21,1 Milliarden Dollar rückläufig gewesen, trotz der Konjunkturdellen und der gestörten Lieferketten infolge der strengen Corona-Lockdowns in China.

Gleichzeitig legten die Erlöse der Cloud-Sparte um 10 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar zu. Das ist zwar eine positive Entwicklung, verglichen mit den Zuwachsraten westlicher Konkurrenten allerdings überschaubar. So hatte etwa Amazons Cloud-Sparte AWS ihre Erlöse in Q2 um knapp ein Drittel auf 19,7 Milliarden Dollar gesteigert.

„Taocaicai“ kommt bei Chinesen hervorragend an

Die Alibaba-Zahlen haben jedoch auch überraschend starke Aspekte zu bieten. So legten die Umsätze des neuen Diensts „Taocaicai“ im zweiten Quartal um mehr als 200 Prozent zu. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine Kombination aus E-Commerce und klassischem Einzelhandel.

So können Kunden über eine Online-Plattform unter anderem frische Lebensmittel bestellen und diese in den „Taocaicai“-Filialen abholen. Das Ganze funktioniert ähnlich wie bei Pinduoduo über sogenannte Gruppenkäufe. Nutzer schließen sich also zusammen, um die Produkte günstiger erwerben zu können. Bei den Chinesen scheint das hervorragend anzukommen.

Analysten hatten höheren Profitschwund erwartet

Rückschritte musste Alibaba unterdessen in Sachen Profit vermelden. So fiel der Nettogewinn in Q2 um 53 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar. Der Tech-Konzern begründete das unter anderem mit Störungen der Lieferketten infolge der Corona-Maßnahmen, stornierten Bestellungen und mit gestiegenen Logistikkosten. Ebenfalls bitter: Die Cloud-Sparte von Alibaba war im Unterschied zu Amazon und Microsoft auch in Q2 defizitär.

Trotzdem: Viele Analysten hatten dem Internetgiganten wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds noch wesentlich weniger zugetraut – sowohl beim Umsatz als auch beim Profit. Und auch der Konzern selbst schürte ordentlich Optimismus. So habe man vor allem im Juni eine signifikante Erholung in sämtlichen Geschäftsbereichen registriert. Man sei zuversichtlich, dass man langfristig auf den Wachstumspfad zurückkehren könne, so Alibaba-CEO Daniel Zhang.

Das drohende Delisting-Desaster

Doch die Alibaba-Aktie bleibt weiterhin stark unter Druck. Das hat natürlich mit den Ängsten der Investoren vor neuen Corona-Lockdowns in China zu tun. Der wohl wichtigste Risikofaktor aber ist das immer noch im Raum stehende Delisting der Aktie in den USA.

Hintergrund: Ausländische Investoren können die Alibaba-Aktie nicht direkt kaufen, sondern müssen auf sogenannte ADRs ausweichen. Dabei handelt s sich um Zertifikate, die von US-amerikanischen Kreditinstituten ausgestellt werden und die die zugrunde liegende Aktie in Verwahrung genommen haben. Eben diese Alibaba-ADRs stehen nun in den USA auf einer Art „schwarzen Liste“.

Das heißt: Die Zertifikate könnten irgendwann von der US-Börse genommen werden, zum Beispiel wenn sich der politische Konflikt zwischen Washington und Peking zuspitzt. Das hätte enorme finanzielle Auswirkungen auf den Internetkonzern, denn westliche Investoren wären dann im Prinzip außen vor.

Mein Fazit für Sie

Viele Analysten sind davon überzeugt, dass die chinesische Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2022 und vor allem im nächsten Jahr deutliche Erholungssignale senden wird. Positiv sei auch, dass die chinesische Zentralbank die Leitzinsen nicht so schnell und stark erhöhe wie etwa die US-amerikanische FED, konstatierte etwa die Expertin Winnie Yu Wu, Strategin bei der Bank of American Securities.

Vielmehr wolle die chinesische Regierung hohe Summen zum Beispiel in Infrastrukturprojekte investieren, um die Wirtschaft anzukurbeln. Wu ist sich sicher, dass sich die Bilanzen der chinesischen Konzerne deshalb relativ schnell wieder verbessern werden. Als Anleger können Sie also durchaus die aktuell recht günstigen Alibaba-Kurse zu Ihrem Vorteil nutzen, wenngleich Sie die geopolitischen Risiken nie außer Acht lassen sollten.