Alaska Air Group bietet 270% Prämie für Hawaiian Holdings

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Starke Kursaufschläge gehören bei Übernahmen und Fusion zur Tagesordnung, doch die Kursexplosion bei der Hawaiian Holdings hat Seltenheitswert. Nachdem der Rivale Alaska Air Group ein Übernahmeangebot auf den Tisch legte, schoss der Kurs der Fluggesellschaft um knapp das Vierfache in die Höhe. Damit geht die Konsolidierung in der amerikanischen Luftfahrtbranche in der nächste Runde.

Alaska Air Group bietet 1,9 Milliarden Dollar

Alaska wird 18 Dollar pro Aktie in bar zahlen, dazu kommen 900 Mill. Dollar Schulden von Hawaiian. Das entspricht einem Unternehmenswert von 1,9 Milliarden Dollar. Am Tag vor der Übernahmemeldung notierten die Papiere von Hawaiian Holdings noch bei 4,86 Dollar. Damit ist der Bieter Alaska Air Group bereit, einen Aufpreis von 270% zu zahlen.

Hawaiian Holdings in starken Turbulenzen

Die Offerte kommt, nachdem der Kurs der Fluggesellschaft Hawaiian Holdings in starke Turbulenzen geriet. Die Waldbrände auf Maui, hohe Kerosinpreise und Rückrufe von Triebwerken bei einigen von Hawaiian benutzten Airbus-Flugzeugen trugen zu einem Kursrückgang von 65% in den letzten zwölf Monaten bei. Zudem sorgte die Konkurrenz für spürbaren Gegenwind: Der Wettbewerber Southwest versucht dem Flugkonzern das Geschäft zwischen Hawei und dem amerikanischen Festland schwer zu machen. Bremseffekte gab es auch durch das schleppende touristische Geschäft zwischen Asien und Hawai, das nach der Pandemie nur langsam in die Gänge kam.

Rund 10% Wachstum in 2024 erwartet

Hawaiian Airlines wird im Jahr 2023 voraussichtlich einen Umsatz von 2,7 Milliarden Dollar und im Jahr 2024 von 3 Milliarden Dollar erzielen. Damit zahlt Alaska Air Group das 0,7-fache des Umsatzes, was etwa einem Drittel des Durchschnitts der jüngsten Transaktionen von Fluggesellschaften entspricht.

Ein Vergleich mit dem Bieter: Bei der Alaska Air Group rechnen die Analysten in diesem Jahr mit einem Umsatz von 10,42 Milliarden Dollar, der im nächsten Jahr auf 10,86 Milliarden Dollar ansteigen soll.

Die Überschneidungen der Geschäfte der beiden Fluggesellschaften sind sehr gering. Gemäß dem Alaska-Finanzvorstand Shane Tackett überschneidet sich das Angebot nur auf zwölf Strecken, das sind 3% ihrer gesamten Sitzplätze.

Positiver Ergebnisbeitrag nach 24 Monaten

Der Zusammenschluss mit Wettbewerber Hawaiian soll sich laut Firmenangaben innerhalb von zwei Jahren nach Abschluss der Transaktion positiv auf das Ergebnis von Alaska auswirken. Zusätzlich sollen jährliche Einsparungen in Höhe von 235 Millionen Dollar realisiert werden. Die Übernahme wurde von den Vorständen beider Fluggesellschaften genehmigt und bedarf noch der Zustimmung der Aktionäre von Hawaiian Holdings und der Aufsichtsbehörden. Es wird erwartet, dass sie in 12 bis 18 Monaten abgeschlossen sein wird, so die Fluggesellschaften.

Deal alles andere als einfach

Experten gehen davon aus, dass der Zusammenschluss ein ehrgeiziges Unterfangen werden dürfte. Die Administration von US-Präsident Joe Biden stand zuletzt Deals unter Fluggesellschaften eher skeptisch gegenüber. So versucht das US-Justizministerium gerade den 3,8 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss zwischen Jetblue und Spirit Airlines zu verhindern.

Anfang dieses Jahres gelang es den Bundesbehörden, eine Allianz zwischen Jetblue und American Airlines Group im Nordosten der USA aufzulösen. Ein Bundesrichter hatte festgestellt, dass die Partnerschaft den Fluggesellschaften auf bestimmten Märkten zu viel Macht verlieh und den Verbrauchern durch höhere Preise und eine geringere Auswahl schadete.

Kurs notiert deutlich unter Übernahmepreis

Die Reaktion der Aktienkurse hätte unterschiedlicher kaum ausfallen können. Während die Papiere von Hawaiian Holdings direkt nach der Ankündigung um 192% nach oben schoss, sackte die Aktie der Alaska Air Group um 14% in den Keller. Allerdings notiert die Hawaiian Holdings-Aktie immer noch deutlich unter dem Übernahmepreis von 18 Dollar. Gestern im Nachmittagshandel wurde die Aktie zu rund 14 Dollar gehandelt. Das spiegelt die Skepsis der Anleger wider. Die Investoren haben offenbar starke Zweifel, dass der Zusammenschluss ohne Komplikationen über die Bühne geht.