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Aktien: Mega-Rezession abgeblasen – das sollten Sie wissen!

Inhaltsverzeichnis

Das Schreckgespenst Rezession hatte den Aktienmarkt im laufenden Jahr mehrmals nach unten gedrückt. Viele Ökonomen hatten gerade für Deutschland einen tiefgreifenden Rückgang der Wirtschaftskraft prognostiziert. Vor allem die für Deutschland immer noch sehr wichtige Industrie würde darunter massiv leiden.

Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im November

Doch nun zeigt sich mehr und mehr, dass diese enorme Panik der Realität wohl nicht gerecht wird – und das in positiver Hinsicht. Bestimmt haben Sie diese Meldung auch in den Medien gelesen: Das ifo-Institut hat vor wenigen Tagen neue Daten veröffentlicht, die endlich Hoffnung machen.

Demnach hat sich die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen  im November überraschend verbessert. Konkret kletterte der ifo-Geschäftsklimaindex auf 86,3 Punkte, nach 84,5 Punkten im Oktober.

Zunächst zur Einordnung

Der Index basiert auf circa 9.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Dienstleistungssektors, des Handels und des Bauhauptgewerbes. Die Firmen werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen. Aus diesen beiden Indikatoren bildet das ifo-Institut einen Mittelwert, den sogenannten Geschäftsklimaindex.

Umso niedriger dieser Indexwert ausfällt, umso schlechter steht es um die deutsche Wirtschaft. 2009 beispielsweise, also während der damaligen Wirtschaftskrise, lag der Geschäftsklimaindex im Jahresdurchschnitt bei 85,2 Zählern. Im Corona-Jahr 2020 belief sich der Wert im Schnitt auf 89,5 Punkte.

Sie merken: Der Wert aus Oktober 2022 liegt unter den Durchschnittswerten dieser beiden Krisenjahre. Entsprechend ist auch eine Steigerung im November auf 86,3 Zähler nicht als vollständige Entwarnung zu werten, sondern eher als erster Lichtblick.

Deutsche Unternehmen schauen optimistischer in die Zukunft

Diese Annahme wird deutlicher, wenn Sie sich die Entwicklung der beiden Indikatoren „Lage“ und „Erwartungen“ anschauen. Wie erwähnt geht es hier um die aktuelle Geschäftslage deutscher Unternehmen und deren Erwartungen an die nächsten sechs Monate. Hierzu eine Tabelle (Daten via ifo-Institut):

Monat/Jahr05/2206/2207/2208/2209/2210/2211/22
Lage99,999,597,897,694,594,293,1
Erwartungen87,185,680,480,575,275,980,0

Deutlich zu sehen ist der Einbruch beim Indikator „Erwartungen“ im September 2022.  Eben dieser Rückgang wurde nun im November wieder wettgemacht. Das heißt im Klartext: Während die deutschen Firmen mit den laufenden Geschäften („Lage“) im November weniger zufrieden waren als im Oktober, schauen sie auf die nächsten Monate nun optimistischer. Dieser nachlassende Pessimismus könnte ein Signal dafür sein, dass die Rezession weniger hart ausfallen wird als viele Akteure ursprünglich erwartet hatten.

Hoffnung allerorten

Tatsächlich stieg der Geschäftsklimaindex im November nicht nur insgesamt, sondern auch in allen Einzelsektoren – also sowohl im Verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor als auch im Handel und im Bauhauptgewerbe. Die neuen Einzelwerte der Sektoren sind zwar alles andere als stark, gehen aber trotzdem wieder in die richtige Richtung.

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe führt das unter anderem auf einen kontinuierlichen Rückgang der Lieferengpässe zurück. Das helfe der Industrie ein bisschen. Aber es sei immer noch deutlich Luft nach oben. Insgesamt sende die deutsche Wirtschaft Hoffnungssignale aus, so Wohlrabe. Die Winter-Rezession könnte demnach mild ausfallen.

Unterstützend dürften Meldungen rund um die Energieversorgung gewirkt haben. So hatten Bundesregierung und Bundesbank betont, dass eine Gasmangellage in Deutschland wahrscheinlich vermieden werden könne.

Mein Fazit für Sie

Eine katastrophale Rezession steht Deutschland also offenbar nicht bevor. Trotzdem sollten Sie jetzt nicht in Euphorie verfallen. Denn ein (schmalerer) Wirtschaftsrückgang der Bundesrepublik lässt sich wohl nicht vermeiden.

Die Börse hat übrigens die vormals massiv ausgeprägte Rezessionsangst schon seit Wochen über Bord geworfen. So ging es zum Beispiel für den Dax zwischen Anfang Oktober und dem 24. November um 21 Prozent nach oben (Stand: 24.11.2022, 14:00 Uhr). Das heißt im Umkehrschluss: Der Aktienmarkt könnte die mögliche „Rezession light“ in Deutschland bereits umfangreich eingepreist haben – was weitere größere Impulse erst einmal erschweren würde.

Alles in allem aber sind die neuen ifo-Daten für uns Anleger eine willkommene Nachricht und eine Bestätigung, dass die jüngsten Kursgewinne nicht bloß reine Fantasie waren,