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Aixtron – Auftragseingang brummt

Inhaltsverzeichnis

Der Maschinenbauer Aixtron gehörte seinerzeit zu den Shooting-Stars des legendären Neuen Marktes. Kann die Aktie an alte Zeiten anknüpfen?

Was macht Aixtron?

Das Unternehmen wurde im Jahre 1983 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Herzogenrath, unweit der Kaiserstadt Aachen. Dort befindet sich bekanntlich die Elite-Universität Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH). Und falls ich mich richtig erinnere, entsprang die Unternehmensgründung seinerzeit einer Fakultät eben jener RWTH.

Aixtron ist ein Maschinenbauer. Hergestellt werden nach Unternehmensangaben unterschiedliche Varianten so genannter CVD-Anlagen. Die Abkürzung CVD steht für „Chemical vapor deposition“. Laienhaft ausgedrückt: CVD ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe Bauteile durch eine thermisch herbeigeführte chemische Reaktion beschichtet werden können.

Und was bedeutet dies nun? Außerordentlich viel. Denn mithilfe der Aixtron-Maschinen können auf sogenannte Halbleiter-Wafer ultradünne Schichten aufgetragen werden. Somit sind also die Gerätschaften der Nahebei-Aachener unerlässlich für die Chip-Produktion.

Zahlen und Prognosen

Die Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres waren nicht allzu berauschend. Doch davon sollte man sich nicht täuschen bzw. wie in die Irre führen lassen. Aber der Reihe nach.

Im jüngsten Quartal sanken die Umsatzerlöse um gut 30 Prozent auf knapp 90 Millionen Euro. Der Vorstand begründete diesen Rückgang mit „kundenbedingten Lieferverzögerungen“ sowie mit der offenbar schleppenden Erteilung von Exportlizenzen.

Das Betriebsergebnis (EBIT) plumpste nach unten auf 16,2 Millionen Euro nach 36,2 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Entsprechend verringerte sich das Nettoergebnis von im Vergleich 31,4 auf jüngst 19,1 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie schwächte sich ab von 0,28 auf 0,17 Euro.

Stünden die Zahlen des dritten Quartals für sich alleine, Anleger wären wohl geschockt. Doch das Grummeln im Bauch verschwindet schnell angesichts des hohen Auftragseingangs von plus 25 Prozent auf knapp 143 Millionen Euro. Kunden bestellen also, was das Zeug hält.

Da verwundert es kaum, dass der Vorstand die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2022 hoch schraubte. So rechnet man nunmehr mit Auftragseingängen zwischen 540 und 600 Millionen Euro. Zuvor beliefen sich die Schätzungen auf 520 bis 580 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse sollen zwischen 450 und 500 Millionen Euro im Gesamtjahr betragen.

Und dies bei höheren Margen als bisher prognostiziert. So soll die Bruttomarge auf 42 Prozent steigen (zuvor vorhergesagt: 41 Prozent) und die EBIT-Marge auf 22 bis 24 Prozent nach 21 bis 23 Prozent.

Die Auftragseingänge signalisieren also, dass da noch einiges zu erwarten ist. Und was macht die Aktie? Sind die günstigen Perspektiven bereits im Kurs enthalten oder nicht?

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Bevor ich versuche, diese Frage zu beantworten, ein kurzer Rückblick. Der Kursverlauf der Aixtron Aktie (WKN: A0WMPJ) bietet ein für Anleger bisweilen ernüchterndes und auch zermürbendes Wechselspiel. Die Papiere zählten zu den Hight-Flyern des Neuen Marktes. Damals erreichten die Anteilsscheine Kurse von um die 90 Euro. Danach folgte der Absturz ins Bodenlose. Die Notierungen dümpelten zeitweise nur ein paar Euro über der Null-Linie.

Heißt: Wer damals euphorisch-blind zu Höchstkursen eingestiegen war – in der Hoffnung auf nie endende Gewinne – hat seitdem viel Geld verloren. Entweder als Buchverlust, falls die Aixtron Aktie noch immer im Depot ist, oder aber als tatsächlicher Verlust nach dem Verkauf.

Eine deutlich bessere Bilanz ziehen Investoren, die zum Beispiel vor zehn Jahren und erst recht vor drei Jahren eingestiegen sind. In den vergangenen drei Jahren konnten kumuliert Gewinne von rund 280 Prozent eingestrichen werden, in den vergangenen zehn Jahren immerhin von knapp 230 Prozent. Momentan notiert die Aktie bei gut 31 Euro, somit mehr als doppelt so hoch wie Ende Februar 2022. Und nun zurück zu der Frage, ob die Aixtron Aktie momentan ein Kauf ist. Quick & dirty: für mich nicht! Die Halbleiter-Branche ist vergleichsweise zyklisch. Entsprechendes gilt auch für deren Zulieferer. Und für einen zyklischen Wert ist mir Aixtron mit einem im Analysten-Konsens geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 35 im laufenden Geschäftsjahr und knapp 30 im Geschäftsjahr 2023 einfach zu teuer.