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About You-Aktie: Schwache Zahlen sorgen für Abverkauf

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Im Juni 2021 wagte die Otto-Tochter About You den Sprung aufs Parkett. Doch die anfängliche Euphorie ist längst verflogen. Nur kurz nach dem Börsengang konnten sich die Papiere oberhalb des Ausgabepreises von 23 Euro behaupten. Danach ging es kontinuierlich bergab. Mittlerweile ist auch der Wachstumsschub durch die Corona-Pandemie deutlich am Abflauen.

Das zeigen die gerade vorgelegten Zahlen zur Geschäftsentwicklung, die von den Anlegern mit einem kräftigen Abverkauf quittiert wurden. Nach dem jüngsten Kursrutsch von über 20% notierte die Aktie mit knapp unter 6 Euro gestern meilenweit von dem Preis entfernt, den Anleger beim Börsengang für einen Anteilschein berappen mussten.

About You: Der Zalando-Rivale aus dem Otto-Konzern

About You wurde 2014 als ein Tochterunternehmen der Otto Group gegründet und gehört heutzutage zum Portfolio der Gruppe, die nach wie vor der größte Teilhaber ist. Die Otto Group hält weiterhin 36,40% aller About You-Aktien. About You gehört inzwischen zu den größten digitalen Modeplattformen in Europa und ist aktuell in 26 verschiedenen Ländern aktiv.

Das Fashion- und Technologieunternehmen bietet Kunden Mode (Damen, Herren, Kinder) aus einem Sortiment von mehr als 3.500 Marken und hat sich zum Ziel gesetzt, das klassische Shopping zu digitalisieren, indem es ein personalisiertes Einkaufserlebnis auf dem Smartphone oder mobilen Endgerät ermöglicht.

Umsatzwachstum von beinahe 50%

Während der Corona-Pandemie profitierte das Unternehmen vom boomenden Online-Handel. Im Geschäftsjahr 2021/22, das am 28. August endete, schnellt der Umsatz um 48 % auf 1,73 Milliarden Euro in die Höhe. Zeitgleich weitete sich der Verlust von 60 auf 144 Millionen Euro aus.

Wachstumsdynamik lässt spürbar nach

In diesem Jahr ist allerdings Sand im Getriebe. Das Wachstumstempo des Online-Modeplattformbetreibers hat sich im dritten Quartal (Stichtag: 30. November) auf Grund der schwachen Verbraucherstimmung weiter verlangsamt. Zum Vergleich: Im abgelaufenen Quartal kletterten die Umsätze nur noch um 8,3% auf 555 Millionen Euro in die Höhe. Im ersten Quartal lag das Umsatzwachstum mit 19,4% und im zweiten Quartal mit 8,9% noch höher. Zumal die Analystenschätzungen (Quelle: Bloomberg) von 12% Umsatzplus mit den Zahlen recht deutlich verfehlt wurden.

Anzahl aktiver Kunden steigt um 17,4%

Zeitgleich konnte About You die Zahl der Kunden in den letzten zwölf Monaten um 17,4% auf inzwischen 12,5 Millionen steigern. Allerdings sank der durchschnittlich bestellte Warenkorb, was laut der Konzernführung auf das schwache Konsumklima und die damit verbundene stärkere Nachfrage nach rabattierter Ware zurückzuführen war.

Im Zwölfmonatsvergleich reduzierte sich der durchschnittliche Bestellwert auf 55,30 Euro, was einem Rückgang um 6% entspricht. Positiv war hingegen die Bestellhäufigkeit, die auf Grund eines erweiterten Produktangebots pro Kunde um 5,5% gestiegen ist.

Ergebnis rutscht tiefer in die Verlustzone

Auf Grund der Rabattaktionen rutschte der Onlinehändler tiefer in die Verlustzone. So sank das operative Ergebnis auf -43 Millionen Euro ab und lag damit unter dem Vorjahresniveau (-35,4 Millionen Euro). Unterdessen wurde die Jahresprognose nochmals bestätigt: Demnach peilt die Konzernführung ein Umsatzplus um 10 bis 20% auf 1,91 bis 2,08 Milliarden Euro an. Das Vorsteuerergebnis wird zwischen -120 und -140 Millionen Euro erwartet, wobei bei beiden Zielgrößen nun eher die untere Spanne in Aussicht gestellt wird.

Den Anlegern scheinen die gedämpften Aussichten aufzustoßen wie die deutliche Kursreaktion zeigt. Der Konzern ist nun in der Bringschuld und muss beweisen, dass die Gewinnschwelle auch mit geringerer Wachstumsdynamik erreichbar ist.