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About You-Aktie: Enttäuschung pur – Kleider machen Verluste!

Inhaltsverzeichnis

Der Tisch war gedeckt, die Hoffnung auf ein Festmahl groß. Und tatsächlich: Der Börsengang des Online-Modehändlers About You im Sommer 2021 war ein voller Erfolg. Kein Wunder, galt die Tochterfirma der Otto Group doch als einer der Profiteure der Corona-Pandemie und des Stay-at-Home-Trends.

Doch die Vorschusslorbeeren waren schnell aufgezehrt und das Papier schlug auf dem Boden der Tatsachen auf. Schauen Sie: Zwischen Anfang Januar und Mitte Oktober 2022 büßte die About You-Aktie rund 70 Prozent an Wert ein (Stand: 11.10.2022, 13:00 Uhr).

About You steckt in der Krise

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen belastet die auslaufende Corona-Sonderkonjunktur die Perspektive des Unternehmens. Zum anderen enttäuschte der Online-Händler mit teils schwachen Umsatzzahlen und einem Defizit beim Ergebnis. Nun kommen mit der hohen Inflation und der drohenden Rezession noch weitere Belastungsfaktoren hinzu, wie die Firma am Dienstag im Rahmen ihrer Quartalspräsentation einräumen musste.

Bevor wir uns die neuen Zahlen anschauen, zunächst ein paar Hintergrundinfos für Sie: Der Online-Shop About You wurde 2014  in Hamburg von dem Handelsgiganten Otto Group gegründet. Die Firma entwickelte sich daraufhin zu einer der am schnellsten wachsenden Modeplattformen in Europa, spezialisiert vor allem auf die jüngere Zielgruppe. Inzwischen ist About You mit seinen 45 Millionen aktiven Kunden in 26 Märkten vertreten und bietet mehr als 500.000 Artikel von über 3.500 Modemarken.

Und mit dem Dienst SCAYLE hat sich das Unternehmen derweil ein zweites Standbein aufgebaut, im B2B-Bereich. So bietet About You seine E-Commerce-Infrastruktur für andere Online-Shops als Lizenzprodukt an.

Quartalspräsentation: Umsatz enttäuschend – Ergebnis tiefrot

Nun zu den neuen Zahlen: In seinem zweiten Geschäftsquartal 2022/23 (per Ende August) erzielte About You einen Umsatz von 430,6 Millionen Euro. Das entspricht zwar einem Plus von 8,9 Prozent. Damit lag man aber unter den eigenen Erwartungen und den Prognosen der Analysten.

Beim Ergebnis sieht das Ganze noch wesentlich düsterer aus. So fuhr der Online-Händler einen operativen Verlust (EBITDA) von 42,8 Millionen Euro ein. Im Vorjahreszeitraum hatte man hier nur -13,1 Millionen Euro hinnehmen müssen. Unterm Strich fiel der Verlust im abgelaufenen Geschäftsquartal mit 63,4 Millionen Euro ebenfalls deutlich höher aus als im Vorjahr (-35 Mio.).

Konsumlaune im Keller

About You begründet den gestiegenen Fehlbetrag vor allem mit den enormen Kosten in der Logistik, aber auch mit höheren Rabatten. Hinzu kommt die Zurückhaltung der Kunden wegen der grassierenden Inflation. So lag die durchschnittliche Warenkorbgröße pro Kunde im zweiten Geschäftsquartal nur noch bei 55,5 Euro (-5,2 %).

Viele Verbraucher müssen wegen der hohen Lebenshaltungskosten ihr Geld zusammenhalten und verzichten deshalb immer häufiger auf nicht unbedingt notwendige Anschaffungen. Das drückt massiv auf das Konsumklima unter anderem in Deutschland. Das zeigen auch die neuen Indexwerte der Marktforscher von GfK. Demnach ist das Konsumklima in den letzten Monaten so stark eingebrochen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Prognose für 2022/23 eingestampft

Auch deshalb hatte About You bereits Mitte September seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr signifikant nach unten geschraubt. Demnach soll der Umsatz gegenüber dem Vorjahr zwischen 10 und 20 Prozent auf maximal 2,078 Milliarden Euro steigen. Zuvor hatte man ein Plus von 25 bis 35 Prozent angekündigt. Beim Ergebnis machte man ebenfalls keine großen Hoffnungen. So soll der bereinigte Verlust nun bei 120 bis 140 Millionen Euro liegen (zuvor: -50 bis -70 Mio.).

About You muss nun alles daran setzen, um seine Kosten in den Griff zu bekommen. Und das ist in diesen Tagen wahrlich kein Zuckerschlecken. Nach neuen Angaben will die Hamburger Firma vor allem bei den Marketingausgaben den Rotstift ansetzen. So sollen die Kosten für Werbeinhalte und Medien gesenkt werden. Auch will man im nicht-technischen Bereich erst einmal kein neues Personal verpflichten.

Mein Fazit für Sie

Die Otto-Tochter gibt sich trotzdem zuversichtlich. Nach wie vor will man im nächsten Geschäftsjahr die Gewinnschwelle erreichen. Angesichts der erheblichen makroökonomischen Störfaktoren, die so schnell wohl nicht verschwinden werden, ist das meiner Meinung nach durchaus ambitioniert.

Die Quartalspräsentation hat aber auch ihre positiven Seiten. So konnte man im zweiten Geschäftsquartal die Anzahl der aktiven Kunden erhöhen. Gleichzeitig entwickelte sich das B2B-Geschäft vielversprechend. Die Umsätze rund um SCAYLE schossen um 17 Prozent auf 46,2 Millionen Euro nach oben. Das ist umso erstaunlicher, da die Umsätze der B2B-Kunden in dem Quartal offenbar rückläufig waren. Das heißt: Selbst in schwierigen Zeiten vertrauen andere Online-Shops auf die Software-Kompetenz von About You.

Das alles sind aber nur relativ kleine Trostpflaster im Angesicht der alles überlagernden Wirtschaftskrise. Die Aktie verlor am Dienstag nach Bekanntgabe der neuen Zahlen rund 3,5 Prozent auf 5,8 Euro (Stand: 11.10.2022, 13:00 Uhr). So schnell dürfte das Papier jedenfalls nicht aus dem Kurskeller herauskommen, auch weil der Markt beim Thema Gewinnschwelle wohl nicht so optimistisch ist wie das Management.

Abschreiben sollte man About You deshalb aber noch lange nicht. Das Unternehmen hat eine große und vielfach treue Kundenbasis, die man in langfristiges Potenzial umwandeln kann. Mit der nötigen Portion Geduld kann die Aktie also durchaus Renditen abwerfen, gerade weil das Papier nun deutlich erschwinglicher ist.