Der wachsende Industriezweig namens Regierung
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. Februar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Kein Lobbyist soll leer ausgeben
Das ist das neue Motto des gesamten Washingtoner Establishments. Jedes Ausgabengesetz bietet etwas für jeden.
Vergangene Woche gab es in den Vereinigten Staaten einen Feiertag, den Presidents Day, ein Tag, den die Amerikaner frei gemacht haben, um diejenigen zu ehren, die über sie regieren. Die meisten Amerikaner denken dabei an Washington, Lincoln und Roosevelt... aber hier auf diesen Seiten zolle ich den wirklich großen Präsidenten, William Henry Harrison, Chester Arthur und Warren Harding Ehre - es sind diejenigen, die die Sache nicht schlimmer gemacht haben.
Aber seht euch nur an, ihr großen Häuptlinge... was aus eurem Land geworden ist.
Europa hat nur 1.800 registrierte Lobbyisten. In den Vereinigten Staaten sind es 15.000. Die meisten davon leben vermutlich in meiner neuen Nachbarschaft... und stehen mir im Weg herum, wenn ich über die Umgehungsstraße fahre... nehmen mir die Parkplätze weg... und besetzen die Tische im Starbucks... diese Parasiten.
Die Financial Times berichtet, dass die Unternehmen 2009 mehr für Lobbying ausgegeben haben, als im Vorjahr. Investitionen in neue Anlagen und Ausstattung sind massiv eingebrochen. Aber die Investitionen in Lobbyarbeit haben um 5% zugelegt.
Man braucht keinen Doktor in Politikwissenschaften um herauszufinden, warum das so ist. Die Gewinne aus der Lobbyarbeit sind höher. Das ist die große Verlagerung in der amerikanischen Wirtschaft.... Die letzte Verlagerung.
Die amerikanische Wirtschaft begann als eine Frontier-Wirtschaft in den Überflutungsgebieten an der Ostküste... mit einigen großen Siedlern und ansonsten meist kleinen Farmern, Händlern oder Handwerkern.
Dann kamen die Unternehmer mit ihren Mühlen und Fabriken.
Und dann wuchsen einige der Unternehmer zu den Kapitänen der Industriezweige heran - die Vanderbilts, Carnegies und Rockefellers.
Und dann sind die Erfinder, die Gründer und die Erneuerer ausgestorben, ihre Unternehmen wurden von den Unternehmensmanagern übernommen.
Und dann verlagerten die führenden Unternehmen ihren Schwerpunkt von der Herstellung von Dingen weg und hin zur Vermarktung von Gütern. Diese Verlagerung entspricht in etwa der Aufstieg New Yorks gegenüber Chicago... und dann gab es nach 1980 erneut eine Verlagerung - in Richtung Finanzen. Die Wall Street wurde reich. Motown - Detroits Automobilindustrie, ging unter. Eine Zeitlang haben sogar die Automobilunternehmen mehr Geld damit erwirtschaftet, dass sie Autos finanziert haben, als damit, dass sie sie hergestellt haben.
Die Finanzwelt hat sich selbst zwischen 2007 und 2009 in die Luft gejagt. Jetzt gibt es eine weitere große Verlagerung... von der Privatwirtschaft zur Regierung. Die Mütter wollten in den zwanziger und dreißiger Jahren, dass ihre Babies, wenn sie groß sind, einmal in die Herstellung gehen. Zur Mitte des Jahrhunderts war die Vermarktung gewinnträchtiger - Madison Avenue war die beste Adresse in Amerika. Und bis zum Ende des Jahrhunderts, waren die besten und die hellsten Köpfe auf dem Weg in die Wirtschaft.
Wohin sollten die jungen Berufseinsteiger heute aufbrechen? Nun, sie sollten dem Geld folgen.... Wo ist das Geld heute? Nicht in der Herstellung... zumindest nicht in der amerikanischen Herstellung. Und auch nicht in der Vermarktung - die Tage, an denen man Seife an die großen Familien mit den Gehalterhöhungen verkaufen konnte, liegen hinter uns. Wie sieht es mit dem Finanzwesen aus? Vergessen Sie es. Der Boom bei den Krediten hat über 50 Jahre lang angedauert. Aber wer kann heute noch Geld leihen? Nur die Regierungsvertreter. Sicher, eine große Bank wird Geld verdienen, indem sie der Regierung hilft, das Geld aufzubringen. Aber die große Expansion bei den Verbraucherkrediten liegt hinter uns.
Heute ist die Regierung die einzige große Branche, die immer noch expandiert. Die Regierungsvertreter haben heute das Geld. Sie verteilen es sogar, also, stellen Sie sich hinten an.
Erinnern Sie sich noch an meinen Leitsatz?
Jeder kann einmal einen Fehler machen, aber wenn man es richtig verbocken will, dann braucht man die Unterstützung durch die Steuerzahler. Nun, die Regierungsvertreter bekommen gerade sehr viel davon.
Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts sind die Ausgaben der Bundesregierung in den Vereinigten Staaten von weniger als 35% des Bruttoinlandsprodukts auf deutlich über 40% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. In Großbritannien war der Anstieg sogar noch dramatischer, von ungefähr 36% des Bruttoinlandsprodukts auf fast 55%.
Die Regierungsvertreter nehmen nicht nur einen größeren Anteil des Bruttoinlandsprodukts, sie werden auch herrischer. Während der Jahre unter Bush, verzeichnete das Bundesregister 7.000 Seiten neuer Regelungen.
Und die haben natürlich dazu geführt, dass es ein gewaltiges Durcheinander gab. Sie geben Geld aus, dass sie nicht haben, für Dinge, die jemand bei klarem Verstand von seinem eigenen Geld nicht kaufen würde.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Anonymus (24.02. 2010 08:10 Uhr):
Es gibt noch einen zweiten Wirtschaftszweig, der ständig wächst: das Krankheitsmanagment (von manchen irreführend als Gesundheitssystem bezeichnet).
Antworten - Kommentar von georg peterseil (24.02. 2010 11:12 Uhr):
lieber herr bonner, ich lese ihre emails nun seit einiger zeit mit interesse und finde sie meist sehr insightful. Ja, kulturen kommen gehen. sie haben ihren fruehling im pionieren, ihr wachstum und ihre fruechte und letztendlich mehr und mehr krankheiten, die zu ihrem natuerlichen zerfall im spaetherbst fuehren. Das krebsgeschwuer der finanzwirtschaft ist womoeglich toetlich,. Es ist weder gut noch schlecht, einfach der natuerliche gang der natur. Ich danke ihnen fuer ihre ungewoehnliche sicht , so als wuerden sie die dinge von groeszerer hoehe aus sehen, und das gewimmel mit humor betrachten.
Antworten - Kommentar von Kurt P Werner (25.02. 2010 13:08 Uhr):
Lieber Herr Bonner, Ihre Berichte sind für mich immer wieder ein \"inneres Gabelfrühstück\", beweisbar und zutreffend. Die \"Parasiten\" werden hüben wie drüben stärker und ihre Anzahl wächst, bis der ganze Pelz (das Land) verlaust ist und so den Ruin herbeiführt. In Europa macht gegewärtig Griechenland Schule, denn dort geht nach Darstellung der Medien nur jeder 2. Staatsbedienstete 1 x die Woche zum \"Dienst\". Diesem Beispiel folgen inzwischen die Regierungsbeamten vieler Länder. Und die meisten Eurokraten lassen sich die Skiferien ihrer Nachkommen mit Fördergeldern bezahlen. Wir sind auch in D nicht ganz so weit weg von den Zuständen in den USA. Bleiben Sie weiterhim am Ball.
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