Wir müssen uns dem Thema Staatsbankrott stellen
Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 1. Juli 2010, 16:00 Uhr
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als ich mich im Jahr 2006 erstmals des Themas Staatsbankrott im Rahmen einer Sonderanalyse von "Sicheres Geld" angenommen habe, war ich damit ein viel belächelter Rufer in der Wüste. Das hat sich mittlerweile eindeutig geändert. Den meisten Spöttern ist das Lächeln inzwischen vergangenen.
Wesentlich wichtiger als die späte Einsicht der üblichen Ignoranten aber ist die Tatsache, dass sich immer mehr Wissenschaftler von Rang mit der Problematik Staatsbankrott befassen. Insbesondere Professoren der Harvard Universität haben sich mittlerweile mit sehr instruktiven Beiträgen zu Wort gemeldet. Beispielsweise der Ökonom Kenneth Rogoff, der zusammen mit Carmen Reinhart das Buch „Dieses Mal ist alles anders. Acht Jahrhunderte Finanzkrisen“ publiziert hat. Oder der Historiker Niall Ferguson, der schon seit geraumer Zeit kein Blatt mehr vor den Mund nimmt und die prekäre Staatsschuldensituation – vor allem auch der USA – öffentlich thematisiert.
Das Vertrauen schwindet plötzlich
Beim Lesen dieser Autoren – oder aus einer anderweitigen Beschäftigung mit der Finanzmarktgeschichte – erfolgt eine grundlegende Erkenntnis: Staatsbankrotte sind leider völlig normal. Und sie folgen stets demselben Muster.
Dabei handelt es sich um einen non-linearen Prozess. Das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit von Staaten schwindet also plötzlich. Gewissermaßen von heute auf morgen spitzt sich die Lage dramatisch zu und die Krise strebt in rasender Geschwindigkeit ihrem traurigen Ende zu. Auch die Griechenland-Krise folgte diesem Muster. Allerdings wurde das unvermeidliche Ende durch den sogenannten Rettungsschirm noch einmal hinausgeschoben. Dabei handelt es sich übrigens um einen klaren Bruch des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, in dem solche Rettungsaktionen ausdrücklich untersagt werden. Wie schon der Umgang
mit dem Stabilitätspakt zeigte, schert sich unsere gegenwärtige Politikergeneration im Großen und Ganzen einen feuchten Kehricht um Verträge. Vergessen Sie das nicht, wenn neue Versprechungen zur Beruhigung der Bevölkerung oder zum Stimmenfang gemacht werden.
In manchen Dingen ist die Menschheit offensichtlich nicht lernfähig
Das immer brisanter werdende Thema Staatsbankrott wird uns in den kommenden Jahren stark beschäftigen. Vermutlich werden wir bei "Sicheres Geld" der historischen Betrachtung des Themas demnächst eine Sonderanalyse widmen. Denn gerade aus der Finanzmarktgeschichte kann man außerordentlich viel lernen.
Allerdings scheinen die meisten Menschen dazu nicht in der Lage zu sein. Jedenfalls wiederholen sich die immer gleichen Zyklen von Gier und Angst, von Euphorie und Depression, von Risikofreude und Risikoscheu und schließlich auch von Schuldenanhäufung und Staatsbankrott in scheinbar unendlicher Folge.
Wenn Sie mehr zum Thema Staatsbankrott und wie Sie sich davor schützen können, wissen möchten, laden wir Sie ein, "Sicheres Geld" einmal zum Kennenlernpreis zu testen.
Herzlichst Ihr
Claus Vogt
P.S.
Griechenland ist überall. Das Ende der Fahnenstange ist fast erreicht.
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von bertil filgis (01.07. 2010 20:36 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vogt, ich verfolge eifrig seit Jahren Sicheres Geld die These: hohe Inflation in einigen Jahren oder gar Hyperinflation. Tut mir leid – aber ich hab es immer noch nicht verstanden. Nicht nur Günter Hannich sagt, dass niemals eine Inflation in diesem System mit gesättigten Märkten entstehen kann, wenn man dem Volk nicht direkt Geld in die Hand geben will bzw. die Lohn-Preis-Spirale angekurbelt wird. Wir haben ja seit langem sinkende Löhne, u.a. wegen Globalisierung und darüber hinaus total gesättigte Märkte – im Gegensatz zum Deutschland von 1923 oder der Nachkriegs-USA mit hoher Inflation durch enorme BIP-Zuwächse. Wir befinden uns in einer tiefgreifenden Rezession mit beträchtlicher Verschuldung der breiten Masse, der Unternehmer und des Staates und vor allem ist ein Schuldenabbau über eine Währungsreform nicht in Sicht. Ich versteh nicht, wie sich höhere Preise; Inflation am Markt unter diesen Bedingungen durchsetzen können, da sich die Bevölkerung m.E. deshalb doch unweigerlich mehr und mehr einschränken würde und dies würde eben zur Deflation führen. Sehr geehrter Herr Vogt, wo ist hier mein Denkfehler? Es handelt sich bei meinen Ausführungen um eine einzige Frage: Könnten Sie mir bitte kurz erklären, wie aufgrund der jetzigen Weltwirtschaftskrise beim Volk nachfragewirksames Guthaben und aufgrund dessen erst Inflation, entstehen kann, wenn mittels neuer Staatsschulden sozusagen einfach nur die alten Löcher mit neuen Löchern gestopft werden, denn Rettungsschirme auf Kredit erzeugen ja kein neues zusätzliches Guthaben für das Volkes??? Durch die sog. Rettungspakete etc. entsteht ja bei der Bevölkerung kein zusätzliches Kaufpotential. Es käme ja bei der breiten Masse diese Geldmengenausweitung gar nicht erst an, um eine Inflation erzeugen zu können, da das auf Knopfdruck erzeugte Geld ja in die alten Löcher = Schuldenausfälle fließt. Diese Frage habe ich übrigens all die letzten Jahre in keinen Publikationen richtig erklärt bekommen, auch nicht auf goldseiten.de. Sehr geehrter Herr Vogt, wo ist also der Denkfehler der Deflationisten und Experten, die eher japanische Verhältnisse voraussehen, angefangen von Klaus von Dohnanyi bis Hans Werner Sinn? Mit freundlichen Grüßen Bertil Filgis
Antworten - Kommentar von Ellen N (02.07. 2010 00:33 Uhr):
Ich weiß, dass viele mit einer Inflation rechnen. Nur frage ich mich, wie die entstehen soll. Wenn Regierungen, um die hohen Schulden zu bezahlen sparen und Steuern erhöhen, Banken weniger Kredite vergeben, Krankenkassenbeiträge wegen des demografischen Faktors stark steigen – wie soll es da Inflation entstehen? Höhere Preise bei niedrigen Nettolöhnen lassen sich wohl kaum umsetzen.
Antworten - Kommentar von Bernd Bachmann (02.07. 2010 09:09 Uhr):
Zu dem Thema gibt es von dem erwähnten Historiker Niall Ferguson einen interessanten Vortrag, der sowohl eine historische Analyse als auch einen Ausblick für die nächsten Jahrzehnte beinhaltet.
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