Commerzbank im Übernahmekampf: Streit mit UniCredit eskaliert
der ohnehin schon erbittert geführte Übernahmekampf um die Commerzbank hat am Montag eine neue, hochdramatische Stufe erreicht. Die italienische UniCredit treibt ihre Übernahmepläne unerbittlich voran, doch in Frankfurt formiert sich massiver juristischer und regulatorischer Widerstand gegen die Vorgehensweise aus Mailand.
UniCredit baut Machtposition massiv aus
Wie aus übereinstimmenden Berichten internationaler Finanzmedien wie Reuters und Bloomberg hervorgeht, hat die italienische Großbank UniCredit ihre direkten Anteile an der Frankfurter Commerzbank in den vergangenen Tagen auf 34,35 Prozent ausgebaut. Damit hat das Institut unter der Führung von CEO Andrea Orcel die wichtige Schwelle von 30 Prozent überschritten, ohne ein teures und gesetzlich vorgeschriebenes Pflichtangebot an alle Aktionäre abgeben zu müssen – ein wesentlicher taktischer Etappensieg für die Italiener.
Doch das ist noch nicht alles: Rechnet man den massiven Einsatz von Finanzderivaten hinzu, haben sich die Italiener rechnerisch den Zugriff auf mehr als 50 Prozent der Anteile (konkret rund 50,8 Prozent) gesichert. Dieses gigantische Portfolio umfasst neben den angedienten Aktien auch noch Kaufoptionen sowie Instrumente mit reinem Barausgleich (Total Return Swaps).
Commerzbank Aktie: Vorstand schaltet BaFin ein
Aufseiten der Commerzbank stoßen die jüngsten Erfolgsmeldungen aus Mailand auf scharfe Kritik. Vorstandschefin Bettina Orlopp und das Management bezeichnen die von UniCredit veröffentlichten Zahlen als potenziell irreführend und werfen den Italienern vor, die eigene Position in der Marktwahrnehmung künstlich aufzublähen.
Das Kernargument der Frankfurter ist fundamentaler Natur: Das von UniCredit vorgelegte Tauschangebot von 0,485 eigenen Aktien je Commerzbank-Papier liegt wertmäßig deutlich unter dem, was Investoren aktuell am Markt erzielen können. Folglich, so die Commerzbank-Führung, entbehre eine Annahme der Offerte für reguläre Anleger jeglicher wirtschaftlicher Logik. Das Frankfurter Geldhaus geht deshalb davon aus, dass die jüngst angedienten Papiere (etwa 7,6 Prozent des Grundkapitals) fast ausschließlich von institutionellen Derivate-Gegenparteien der UniCredit stammen, die in die Finanzierungsgeschäfte der Italiener verstrickt sind. Um diese potenzielle Marktverzerrung zu untersuchen, hat die Commerzbank mittlerweile offiziell die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet.
Commerzbank: Aktuelle Kursentwicklung an den Börsen bestätigt Abwehrkurs
Ein objektiver Blick auf den Xetra-Handel am heutigen Montagvormittag untermauert die harte Abwehrhaltung des Commerzbank-Vorstands voll und ganz. Da das Umtauschangebot der Italiener mit einem deutlichen Abschlag versehen ist, empfiehlt das Management den Anteilseignern weiterhin ausdrücklich, die Offerte abzulehnen. Die Investoren am Markt scheinen diesem Rat konsequent zu folgen: Die Commerzbank-Aktie präsentiert sich äußerst robust und pendelt im Bereich von gut 37,10 Euro, was den rechnerischen Wert der Übernahmeofferte spürbar übersteigt.
Die Aktie der UniCredit notiert derweil verhältnismäßig stabil im Bereich von gut 73,10 Euro. Aufgrund dieses Preisniveaus ist ein regulärer Verkauf der eigenen Commerzbank-Anteile über die Börse für unabhängige Aktionäre unterm Strich weiterhin wesentlich lukrativer, als ein Tauschgeschäft mit den Italienern einzugehen.
Fazit für Anleger: Ruhe bewahren im Übernahme-Poker
Der ehrgeizige Versuch der UniCredit, durch den kombinierten Einsatz von direkten Käufen und Derivaten faktisch die Mehrheitskontrolle an der Commerzbank an sich zu reißen, rückt zunehmend in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Sollte sich auf regulatorischer Ebene bestätigen, dass die Italiener durch ihr Derivate-Geflecht bereits über 50 Prozent der wirtschaftlichen Kontrolle ausüben, könnte auch die Europäische Zentralbank (EZB) als oberste Bankenaufsicht weitreichende Maßnahmen ergreifen.
Bis zur finalen Klärung dieser Fronten durch die Aufsichtsbehörden bleibt für Anleger die Empfehlung des Commerzbank-Managements hochaktuell: Es drängt sich aus rein wirtschaftlicher Sicht aktuell nicht auf, dem Tauschangebot zu folgen. Das Geschehen sollte mit wachem Auge weiter von der Seitenlinie beobachtet werden.