Tesla vor der Robotaxi-Wende: Jetzt muss Musk liefern

Tesla vor der Robotaxi-Wende: Jetzt muss Musk liefern
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Tesla hat geliefert. Mit dem Cybercab ist seit dem 3. September erstmals jenes Fahrzeug im realen Robotaxi-Betrieb angekommen, das von Anfang an speziell für autonomes Fahren entwickelt wurde. Für Tesla ist das ein wichtiger Schritt, denn Robotaxis gehören neben humanoiden Robotern zu den wichtigsten Argumenten für die enorme Bewertung der Aktie. Der Kurs zeigt allerdings, dass Anleger inzwischen mehr verlangen als eine überzeugende Präsentation. Die Tesla-Aktie gab nach dem Start wieder nach und notiert weiterhin unter ihrer 200-Tage-EMA.

(Quelle: Tradingview.com)

Damit steht Tesla an einem interessanten Punkt: Das Cybercab könnte die Wirtschaftlichkeit des Robotaxi-Geschäfts erheblich verbessern. Gleichzeitig muss Elon Musk nun beweisen, dass daraus tatsächlich ein skalierbares Geschäft entsteht.

Das Cybercab verändert die Robotaxi-Rechnung

Tesla startete seinen Robotaxi-Dienst bereits im Juni 2025 in Austin und hat das Angebot anschließend auf weitere US-Städte ausgeweitet. Bislang kamen dafür vor allem Model Y mit FSD (Full Self-Driving) zum Einsatz. Das war für die Anlaufphase sinnvoll, langfristig aber nicht die optimale Lösung.

Das Cybercab wurde dagegen ausschließlich für den autonomen Fahrbetrieb entwickelt. Es besitzt nur 2 Sitze und verzichtet auf Lenkrad, Pedale und Außenspiegel. Genau diese Reduktion könnte wirtschaftlich entscheidend werden.

Ein Model Y muss weiterhin sämtliche Komponenten besitzen, die ein menschlicher Fahrer benötigt. Beim Cybercab fallen viele davon weg. Ein kleineres und einfacheres Fahrzeug sollte sich günstiger herstellen lassen und könnte langfristig auch niedrigere Wartungs- und Betriebskosten ermöglichen.

Für ein Robotaxi-Netzwerk zählt schließlich nicht der Verkaufspreis eines einzelnen Autos. Entscheidend sind die Kosten pro gefahrenem Kilometer und die Auslastung der gesamten Flotte.

Gelingt Tesla die Skalierung, verändert sich dadurch auch das Geschäftsmodell. Statt ein Fahrzeug einmal an einen Kunden zu verkaufen, könnte Tesla mit demselben Fahrzeug über Jahre Umsätze aus jeder einzelnen Fahrt erzielen. Eine hohe Auslastung könnte entsprechend attraktive Margen ermöglichen.

Genau deshalb bewertet der Aktienmarkt Tesla längst nicht mehr wie einen klassischen Automobilhersteller. Das traditionelle Elektroauto-Geschäft liefert zwar weiterhin einen erheblichen Teil der Umsätze, besitzt aber nicht annähernd das Potenzial, das in Robotaxis, FSD und Optimus Roboter eingepreist wird.

Der Cybercab-Start ist deshalb tatsächlich ein wichtiger Meilenstein. Er beweist aber noch nicht, dass die wirtschaftliche Rechnung aufgeht.

Die größten Probleme beginnen erst mit der Skalierung

Tesla muss nun mehrere schwierige Aufgaben gleichzeitig lösen. Zunächst muss FSD zuverlässig genug funktionieren, damit Robotaxis ohne menschlichen Eingriff in immer mehr Städten eingesetzt werden können. Anschließend muss eine ausreichend große Flotte aufgebaut werden. Und diese Fahrzeuge müssen eine hohe Auslastung erreichen. Der Wettbewerb wartet dabei nicht auf Tesla.

Waymo besitzt bereits eine große Robotaxi-Flotte und sammelt mit jedem gefahrenen Kilometer zusätzliche Daten aus dem kommerziellen Betrieb. Tesla verfügt im Gegenzug über eine enorme Zahl normaler Fahrzeuge mit FSD-Technologie. Welche Datenbasis langfristig den größeren Vorteil bietet, wird sich erst zeigen. Wayma startet Ende 2027 einen ersten Test in München.

Noch kritischer ist die Regulierung. Kurz nach dem Start des Cybercab wurde bereits eine Untersuchung eingeleitet. Das ist bei einem Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale nicht überraschend. Tesla versucht schließlich nicht nur, ein neues Automodell zuzulassen, sondern einen wesentlichen Teil des bisherigen Straßenverkehrs zu automatisieren.

Mit wachsender Flotte steigt gleichzeitig das statistische Risiko schwerer Zwischenfälle. Selbst wenn autonome Fahrzeuge langfristig sicherer fahren sollten als Menschen, könnte ein einzelner spektakulärer Unfall politische und regulatorische Konsequenzen auslösen.

Genau hier trifft das operative Risiko auf eine extrem hohe Bewertung. Tesla wird derzeit ungefähr mit dem 156-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Eine solche Bewertung lässt sich kaum mit dem bestehenden Autogeschäft rechtfertigen. Der Markt bezahlt bereits heute für erhebliche zukünftige Erträge aus neuen Geschäftsfeldern. Das macht die Aktie besonders empfindlich. Ist aber für Tesla auch ganz normal inzwischen.

Wenn das Robotaxi-Geschäft schneller skaliert als erwartet, kann Tesla in seine Bewertung hineinwachsen. Verzögern sich Zulassungen, steigen die Kosten oder bleibt die Nutzung hinter den Erwartungen zurück, muss nicht einmal das bestehende Geschäft einbrechen. Bereits niedrigere Erwartungen könnten reichen, um die Aktie erheblich unter Druck zu setzen.

Der obige Tageschart zeigt, dass Anleger noch nicht überzeugt sind

Genau diese Unsicherheit lässt sich im Tageschart erkennen. Nach Kursen oberhalb von 450 US-Dollar im Mai 2026 geriet Tesla über mehrere Monate massiv unter Druck. Ende Juli beschleunigte sich der Ausverkauf und die Aktie fiel kurzzeitig bis knapp unter 300 US-Dollar.

Für eine wirkliche Verbesserung müsste Tesla zunächst die 200-Tage-EMA zurückerobern. Oberhalb davon würde der Bereich zwischen ungefähr 390 und 400 US-Dollar interessant. Erst wenn auch diese Zone überwunden wird, wäre der Weg in Richtung der alten Hochs wieder deutlich offener.

Auf der Unterseite sollte dagegen die Erholungsstruktur seit Ende Juli halten. Ein Rückfall unter ungefähr 340 US-Dollar würde erste Zweifel wecken. Unterhalb von 300 US-Dollar wäre die gesamte Erholung praktisch wieder infrage gestellt.

Damit passen fundamentale und technische Situation erstaunlich gut zusammen. Tesla hat mit dem Cybercab einen wichtigen Schritt gemacht, aber noch keinen Beweis für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg geliefert. Gleichzeitig hat sich die Aktie stark vom Sommertief erholt, aber ihren langfristigen Durchschnitt noch nicht zurückerobert.

Für Anleger liegt genau darin die entscheidende Abwägung. Wer Tesla heute kauft, investiert nicht nur in Elektroautos. Er bezahlt bereits für eine Zukunft, in der autonomes Fahren, Robotaxis und möglicherweise der Roboter Optimus große profitable Geschäftsfelder werden. Das Potenzial ist enorm. Der Preis für dieses Potenzial allerdings ebenfalls.

Der Cybercab macht die Tesla-Story konkreter. Jetzt muss aus technologischer Vision wirtschaftlicher Cashflow werden. Erst dann lässt sich beurteilen, ob die heutige Bewertung ambitioniert oder rückblickend sogar günstig war.