Tesla Roadster fliegt: Aktie nach Raketen-Show im Plus

Tesla Roadster fliegt: Aktie nach Raketen-Show im Plus
© Tesla
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Eine der längsten Hängepartien der jüngeren Automobilgeschichte hat ein spektakuläres neues Kapitel erhalten. Fast neun Jahre nach der ersten Ankündigung des Konzepts im Jahr 2017 hat der US-Elektroautobauer Tesla (ISIN: US88160R1014) auf einem Testgelände des Raumfahrtunternehmens SpaceX im texanischen McGregor die überarbeitete Neuauflage seines Elektro-Sportwagens Roadster präsentiert. Statt einer klassischen Fahrzeugvorstellung bekamen Investoren und Branchenbeobachter eine Demonstration zu sehen, bei der die Grenzen zwischen Automobilbau und Raumfahrttechnik verschwammen.

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Tesla Roadster mit SpaceX-Technik: Was die Präsentation zeigte

Im Mittelpunkt der Vorführung stand die enge technologische Verzahnung zwischen Tesla und Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX. Der zweisitzige Prototyp demonstrierte auf dem Testgelände extreme Fahrmanöver, die durch zwei zentrale technische Neuerungen ermöglicht wurden:

  • Kaltgastriebwerke (Cold-Gas Thrusters): Nach Angaben von Lars Moravy, Teslas Vizepräsident für Fahrzeugtechnik, verfügt das präsentierte Modell über zehn mit extremem Hochdruck arbeitende Kaltgasdüsen, die aus einem 600-Liter-Drucklufttank gespeist werden. Diese von SpaceX-Ingenieuren mitentwickelte Technologie ermöglichte es dem Fahrzeug bei der Live-Demonstration, abzuheben, über eine Reihe geparkter Tesla-Modelle (darunter ein Semi-Sattelschlepper) zu springen und in der Luft eine Drehung um die eigene Achse vollführen, bevor der Wagen wieder auf den Rädern landete.
  • Aktives Ansaugsystem: An der Fahrzeugunterseite befindet sich ein leistungsstarkes Gebläsesystem, das das Auto aktiv an den Asphalt saugt und laut Unternehmensangaben einen Anpressdruck von bis zu 2 g erzeugt. In Texas konnte der Roadster dadurch eine vertikal gekrümmte Rampe hinauffahren und kurzzeitig kopfüber an der Decke der Konstruktion haften, ehe die Schubdüsen die Landung einleiteten.

Bei der Beschleunigung reklamiert Tesla für die Top-Versionen historische Bestwerte: In einer aufgezeichneten Demonstration wurde ein Sprint von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (rund 97 km/h) in lediglich 0,81 Sekunden gezeigt – ein Wert, der von unabhängiger Seite bislang allerdings noch nicht verifiziert wurde. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei über 230 Meilen pro Stunde (rund 370 km/h) liegen.

Produktionsstart 2028 und teure Reservierungen für den Tesla-Sportwagen

Trotz der aufsehenerregenden Bilder aus Texas müssen sich potenzielle Käufer und Anleger weiter in Geduld üben. Ursprünglich war der Marktstart der zweiten Roadster-Generation bereits für das Jahr 2020 in Aussicht gestellt worden. Nach zahlreichen Verschiebungen nannte Konzernchef Elon Musk nun das Jahr 2028 als neues Ziel für den Beginn der Serienproduktion.

Einen finalen Verkaufspreis für das Fahrzeug nannte der Hersteller noch nicht. Allerdings wurden die Reservierungsbücher für die drei geplanten Ausstattungsvarianten geöffnet:

  1. Performance: Die zweisitzige Basisversion mit aktivem Ansaugsystem und einer Beschleunigung von unter 1,6 Sekunden auf 60 mph erfordert eine Reservierungsgebühr von insgesamt 50.000 US-Dollar (5.000 US-Dollar sofort, weitere 45.000 US-Dollar binnen zehn Tagen).
  2. Thrust: Dieses Modell ergänzt das System um Heck-Kaltgasdüsen für den Sprint unter einer Sekunde. Hierfür wird eine Anzahlung von 250.000 US-Dollar (beziehungsweise ein entsprechendes Äquivalent von bis zu 250.000 Euro im europäischen Raum) fällig.
  3. Rocket: Eine nur auf Einladung erhältliche Einsitzer-Variante mit rundum positionierten Düsen für Flugmanöver, die laut Tesla explizit keine Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr besitzt.

Strategisch ordnete Elon Musk das Projekt als historischen Schlusspunkt ein: Da sich der Konzern langfristig vollständig auf autonom fahrende Robotaxis (wie das Cybercab) und künstliche Intelligenz ausrichtet, werde der neue Roadster auf lange Sicht das letzte und einzige Fahrzeug von Tesla sein, das primär für das manuelle Steuern durch den Menschen konzipiert ist.

Tesla-Aktie im Fokus: Kursreaktion und Einordnung für Anleger

An der Börse sorgte die Demonstration für deutlichen Rückenwind, nachdem das Papier am Donnerstag im regulären US-Handel an der Technologiebörse Nasdaq noch mit einem Abschlag von 1,29 Prozent bei 362,44 US-Dollar aus dem Handel gegangen war. Hintergrund der gestrigen Zurückhaltung waren unter anderem Berichte des Wall Street Journal über den Abgang von Teslas Energiesparte-Chef Mike Snyder.

Nach der nächtlichen Roadster-Enthüllung drehte die Stimmung jedoch spürbar ins Positive: Im vorbörslichen US-Handel am Freitag zog die Tesla-Aktie um 4,76 Prozent auf 379,70 US-Dollar an. Auch auf den deutschen Handelsplätzen griffen Anleger am Vormittag und gegen Mittag kräftig zu. Auf der Handelsplattform Tradegate kletterte der Kurs um über 4 Prozent auf rund 336,70 Euro bis 337,48 Euro.

Was bedeutet das Event fundamental für die Tesla-Aktie?

Finanzanalysten bewerten die Präsentation vor allem als reichweitenstarke Machtdemonstration der Ingenieurskunst, mahnen mit Blick auf die Fundamentaldaten jedoch zur Nüchternheit:

  • Geringer direkter Ergebnisbeitrag: Branchenschätzungen gehen davon aus, dass vom hochpreisigen Roadster nach dem Start im Jahr 2028 lediglich rund 2.000 Einheiten pro Jahr verkauft werden dürften. Im Vergleich zu den rund 1,6 Millionen Fahrzeugen, die Tesla im vergangenen Jahr insgesamt absetzte, bleibt das Modell ein reines Prestige- und Nischenprodukt („Halo Car“), das die Konzernbilanz kaum direkt bewegen wird.
  • Fokus auf SpaceX-Synergien: Die US-Investmentbank JPMorgan beließ ihre Einstufung für die Tesla-Aktie am Freitag auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 415 US-Dollar. Analyst Rajat Gupta betonte in seiner Studie, dass der neue Roadster vor allem die immer tiefere operative Kooperation zwischen Tesla und SpaceX untermauere. Am Markt kursierten zuletzt unter anderem Einschätzungen von Barclays über eine mögliche künftige gesellschaftsrechtliche Annäherung oder gar Fusion der beiden Musk-Unternehmen.
  • Quartalszahlen als nächster Prüfstein: Für die Bewertung der Aktie bleiben das Kerngeschäft, die Margenentwicklung sowie die hohen Investitionen in KI und Robotik (für das laufende Jahr werden Investitionsausgaben von über 25 Milliarden US-Dollar erwartet) entscheidend. Bereits am kommenden Mittwoch, den 21. Oktober 2026, legt Tesla seine Finanzergebnisse für das dritte Quartal vor.

Für Investoren liefert die spektakuläre Show in Texas somit zwar einen kurzfristigen Stimmungsaufheller und unterstreicht die technologische Ausnahmestellung der Marke; die harte fundamentale Bewährungsprobe für den Aktienkurs folgt jedoch in der kommenden Woche mit der Vorlage der Quartalsbilanz.