Rocket Lab: Neutron-Verschiebung drückt Aktie stark
Für Aktionäre des US-Raumfahrtunternehmens Rocket Lab Corporation (ISIN: US7731211089) gibt es derzeit wenig Grund zur Freude. Nachdem das Management offiziell bestätigte, dass sich der kommerzielle Jungfernflug des neuen Hoffnungsträgers „Neutron“ weiter verzögert, gerieten die Papiere massiv unter Verkaufsdruck. Marktteilnehmer hatten bis zuletzt darauf spekuliert, dass die neue Mittellastrakete noch im laufenden Schlussquartal 2026 erstmals abheben würde. Stattdessen wurde der Start nun offiziell in das Jahr 2027 verschoben – ohne dass bislang ein konkretes neues Startdatum genannt wurde.
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Rocket-Lab-Aktie nach Neutron-Update deutlich im Minus
An der US-Technologiebörse NASDAQ reagierten Anleger prompt auf die veränderte Zeitplanung. Im Handelsverlauf am Donnerstag rutschte die Rocket-Lab-Aktie zeitweise zweistellig um bis zu 16 Prozent ab, bevor sie mit einem spürbaren Abschlag von rund 6,6 Prozent aus dem regulären US-Handel ging. Auch im europäischen Handel am Freitagmorgen setzte sich die Abwärtstendenz fort, wobei das Papier auf ein neues Sechs-Monats-Tief zurückfiel. Seit Jahresbeginn summieren sich die Kursverluste der Aktie damit bereits auf über 20 Prozent.
Fertigungsprobleme bei der Neutron-Rakete als Auslöser
Verantwortlich für die erneute Verzögerung sind Qualitätsmängel in der Produktion. Wie Unternehmensgründer und CEO Sir Peter Beck erklärte, wurden bei einer Routineinspektion kleine Lufteinschlüsse zwischen den Carbonfaser-Schichten einer neu gefertigten Tankkomponente (Forward Propellant Dome) der ersten Raketenstufe festgestellt.
Diese Bläschenbildung resultierte aus einer vorangegangenen Designanpassung, bei der bestimmte Abschnitte des Tanks zur Erhöhung der Festigkeit verstärkt wurden, was jedoch den Aushärtungsprozess erschwerte. Obwohl die festgestellten Hohlräume laut Beck nicht zwangsläufig zu einem Versagen im Flug geführt hätten, entsprach das Bauteil nicht den internen Sicherheitsmargen des Unternehmens.
Rocket Lab hat das Fertigungsverfahren nach eigenen Angaben inzwischen korrigiert und den neuen Prozess bereits an einem weiteren Tanksegment erfolgreich validiert. Das betroffene Bauteil wird nun neu produziert. Der Zusammenbau des Erststufentanks sowie die anschließenden Druck- und Kältetests sollen voraussichtlich im ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Erst nach dem erfolgreichen Bestehen dieser Qualifikationstests will das Management einen konkreten Starttermin kommunizieren.
Finanzielle Folgen und Analysten-Reaktionen zur Rocket-Lab-Aktie
Für Investoren bedeutet der verschobene Zeitplan weit mehr als nur eine technische Geduldsprobe. Die wiederverwendbare Neutron-Rakete ist das zentrale Element in der Strategie von Rocket Lab, um im lukrativen Markt für größere Nutzlasten und Satellitenkonstellationen anzugreifen. Zudem knüpft das Management wichtige finanzielle Meilensteine an das Projekt: Ein positives bereinigtes Ergebnis (EBITDA) sowie eine spürbare Verbesserung des Cashflows wurden für die Zeit unmittelbar nach dem erfolgreichen Debütflug in Aussicht gestellt. Durch die Verzögerung verschiebt sich nun auch der Zeitpunkt der operativen Profitabilität weiter nach hinten, während die Entwicklungskosten vorerst hoch bleiben.
Trotz eines stark gewachsenen Auftragsbestands von zuletzt 2,36 Milliarden US-Dollar reagierten erste Analysehäuser bereits auf die veränderten Rahmenbedingungen. So senkte das Analysehaus Citizens am Freitagvormittag sein Kursziel für die Rocket-Lab-Aktie deutlich von 130 auf 90 US-Dollar, bestätigte jedoch die grundsätzliche Einstufung mit „Market Outperform“. Auch die Experten von KeyBanc reduzierten ihr Kursziel von 135 auf 100 US-Dollar (Einstufung: „Overweight“). Als Begründung führten die Analysten an, dass im kommenden Jahr nun voraussichtlich ein umsatzgenerierender Neutron-Start weniger stattfinden wird als ursprünglich kalkuliert.