Radikaler Sparkurs: Electronic Arts schließt Studio BioWare
In der internationalen Videospielbranche kommt es zu einer weitreichenden Zäsur: Der US-Publisher Electronic Arts (ISIN: US2855121099) hat die vollständige Schließung des traditionsreichen kanadischen Entwicklerstudios BioWare bekannt gegeben. Nach mehr als 30 Jahren Firmengeschichte endet damit die Ära eines der bekanntesten Rollenspiel-Entwickler der Welt. Zeitgleich stoppt der Konzern die frühen Entwicklungsarbeiten am nächsten Teil der renommierten Science-Fiction-Reihe Mass Effect und streicht konzernweit rund 400 Arbeitsplätze.
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Umstrukturierung bei Electronic Arts: 400 Stellen fallen weg
Wie aus einer offiziellen Stellungnahme von BioWare hervorgeht, sind von dem Stellenabbau etwa drei Prozent der weltweiten Belegschaft von Electronic Arts betroffen. Allein am BioWare-Hauptsitz im kanadischen Edmonton fallen rund 50 verbleibende Positionen weg, womit der Standort endgültig geschlossen wird.
In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter erklärten Chief Operating Officer David Tinson und Chief Studios Officer Cam Weber, das Unternehmen habe die eigene Geschäftsstruktur in den vergangenen Monaten einer strengen Prüfung unterzogen. Ziel sei es, Talente und Kapital gezielt dort zu bündeln, wo das größte Potenzial für nachhaltiges und langfristiges Wachstum bestehe.
Das 1995 gegründete und 2007 von Electronic Arts übernommene Studio BioWare feierte in der Vergangenheit enorme Erfolge mit Franchises wie Baldur’s Gate, Star Wars: Knights of the Old Republic, Dragon Age und Mass Effect. Zuletzt hatte das Studio jedoch vermehrt mit wirtschaftlichen Rückschlägen zu kämpfen. Sowohl der Online-Titel Anthem als auch der jüngste Ableger Dragon Age: The Veilguard blieben hinter den kommerziellen Erwartungen des Managements zurück.
Finanzielle Hintergründe: Milliarden-Buyout zwingt zur Kostensenkung
Für Finanzmarktteilnehmer und Beobachter der Branche ist der drastische Einschnitt die direkte Konsequenz der jüngsten Eigentümerwechsel. Electronic Arts war Anfang August im Rahmen eines 55 Milliarden US-Dollar schweren Leveraged Buyouts (LBO) von der Börse genommen und in private Hand überführt worden. Angeführt wurde das Übernahmekonsortium vom saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) unter Beteiligung von Finanzinvestoren wie Silver Lake und Affinity Partners.
Durch den Rückzug vom öffentlichen Kapitalmarkt an der US-Technologiebörse Nasdaq findet kein regulärer Börsenhandel der Aktie mehr statt; die Anteilsscheine wurden im Zuge des Cash-Mergers im August zu 210 US-Dollar je Aktie abgefunden. Die Transaktion hinterließ jedoch eine Schuldenlast von rund 18 Milliarden US-Dollar in den Büchern des Spielekonzerns. Um die hohe Zinslast zu bedienen und die operative Marge zu stützen, hatte das Management gegenüber Kreditgebern bereits im Vorfeld ein striktes Kostensenkungsprogramm in Höhe von bis zu 700 Millionen US-Dollar angekündigt, das insbesondere Einsparungen im Bereich Forschung und Entwicklung vorsieht.
Strategische Neuausrichtung auf lukrative Kern-Franchises
Im Zuge der verordneten Effizienzsteigerung verengt Electronic Arts seine Entwicklungs-Pipeline deutlich und trennt sich von Projekten mit hohem Entwicklungsrisiko. Neben dem Aus für das neue Mass Effect wurde unter anderem auch ein unter dem Codenamen Project Lotus geplantes Spiel aus dem Die Sims-Universum eingestellt, um die Ressourcen dort stattdessen auf das zentrale Project Evergreen zu fokussieren. Zudem wird das Entwicklerteam hinter der Skateboard-Simulation Skate verschlankt und neu strukturiert.
Künftig konzentriert Electronic Arts seine Investitionen strikt auf etablierte und hochprofitable Kernmarken mit verlässlichen, wiederkehrenden Einnahmeströmen. Dazu zählen vor allem:
- EA Sports: Die äußerst margenstarken Sport-Simulationen des Konzerns.
- Live-Service- und Shooter-Marken: Die Weiterentwicklung des Online-Shooters Apex Legends sowie der Battlefield-Reihe.
- Ausgewählte Action-Adventure-Großprojekte: Eine reduzierte Auswahl an Blockbuster-Titeln, darunter die Fortsetzung der Star Wars Jedi-Reihe, ein neues Spiel rund um Marvel’s Iron Man sowie eine neue Kooperation der konzerneigenen Studios Respawn und DICE.
Für die gesamte Gaming-Industrie unterstreicht der Schritt von Electronic Arts den anhaltenden Konsolidierungsdruck. Angesichts explodierender Entwicklungskosten für sogenannte AAA-Spiele und hoher Renditeanforderungen von Kapitalgebern weichen traditionsreiche Einzelspieler-Projekte zunehmend wenigen, aber kommerziell breit kalkulierbaren Großmarken.