Moderna-Aktie: Warum Studiendaten zum Kurssturz führen
Ein vorzeitiges Datenleck zu einer der am stärksten beachteten klinischen Studien der Pharmabranche hat bei den Aktionären von Moderna (ISIN: US60770K1079) für einen historischen Ausverkauf gesorgt. Nachdem detaillierte Ergebnisse der Phase-3-Studie zu einem gemeinsam mit Merck & Co. (ISIN: US58933Y1055) entwickelten personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff unplanmäßig im Internet auftauchten, geriet das Papier massiv unter Druck.
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An der US-Technologiebörse Nasdaq brach der Kurs am Donnerstag in der Spitze um rund 26 Prozent auf ein Tagestief von 180,80 US-Dollar ein und ging schließlich mit einem Minus von 17,57 Prozent bei 202,63 US-Dollar aus dem regulären Handel – der bislang schärfste prozentuale Tagesverlust der Unternehmensgeschichte. Insgesamt wurden dabei rund 24 Milliarden US-Dollar an Börsenwert vernichtet.
Auch am heutigen Freitag hält die Abwärtstendenz an: Im europäischen Handel gab die Moderna-Aktie am Vormittag weiter um 2,57 Prozent auf 176,06 Euro nach. Die Anteilsscheine des Kooperationspartners Merck & Co. zeigten sich an der New York Stock Exchange (NYSE) mit einem moderaten Abschlag von 1,76 Prozent auf 147,24 US-Dollar deutlich widerstandsfähiger.
Details zum Datenleck rund um die Moderna-Aktie
Eigentlich sollten die vollständigen Studiendaten erst am kommenden Samstag auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) in Madrid präsentiert werden. Am Donnerstagmittag (US-Ostküstenzeit) wurden die Kennzahlen jedoch versehentlich auf dem medizinischen Fachportal Oncology Central veröffentlicht. Zwar wurde der Beitrag umgehend wieder gelöscht, die Daten verbreiteten sich jedoch rasant unter Marktteilnehmern. Daraufhin hob die ESMO das offizielle Embargo vorzeitig auf, woraufhin Moderna und Merck die Ergebnisse am Donnerstagnachmittag offiziell bestätigten.
Im Zentrum der Untersuchung mit 1.137 Patienten steht der therapeutische Impfstoff Intismeran Autogene. Das Vakzin wird individuell auf Basis der Tumor-DNA eines Patienten maßgeschneidert, um das Immunsystem nach einer operativen Entfernung von schwarzem Hautkrebs (Melanom) auf verbliebene Krebszellen anzusetzen. In der Studie zeigte sich folgendes Bild:
- Risikoreduktion beim Rückfall: Die Kombination aus Intismeran und Mercks Immuntherapie-Blockbuster Keytruda senkte das Risiko eines Krankheitsrückfalls oder des Todes im Vergleich zur alleinigen Gabe von Keytruda um 42 Prozent (Hazard Ratio: 0,58).
- Schutz vor Metastasen: Das Risiko für das Auftreten von Fernmetastasen oder Tod verringerte sich um 38 Prozent.
- Überlebensrate: Nach zwei Jahren waren 82,2 Prozent der Patienten in der Kombinationsgruppe am Leben und tumorfrei, verglichen mit 70 Prozent in der Kontrollgruppe unter Keytruda-Monotherapie.
Hohe Bewertung der Moderna-Aktie trifft auf Gewinnmitnahmen
Obwohl eine 42-prozentige Risikoreduktion aus medizinischer Sicht als Erfolg gewertet wird, reagierte die Börse mit starker Ernüchterung. Der Grund liegt vor allem in der extremen Erwartungshaltung, die sich im Vorfeld aufgebaut hatte. Seit der ersten Ankündigung im August, dass die Phase-3-Studie ihre primären Endpunkte erreicht habe, hatte die Moderna-Aktie eine beispiellose Kursrallye hingelegt und auf Jahressicht zeitweise um über 500 Prozent zugelegt.
Darüber hinaus hatten die früheren Daten der kleineren Phase-2b-Studie noch eine Risikoreduktion von 49 Prozent ausgewiesen. Dass der Wert in der größeren Phase-3-Studie nun leicht auf 42 Prozent zurückging, nahmen viele Investoren zum Anlass für breitflächige Gewinnmitnahmen.
Analysten mahnen zur Vorsicht bei kommerziellen Hürden
Finanzexperten ordnen den Kursrutsch überwiegend als klassisches „Sell-the-News“-Ereignis nach einer Übertreibungsphase ein. Analysten von UBS und William Blair bezeichneten die klinischen Daten zwar weiterhin als solide, verwiesen jedoch auf die zuvor massiv gestiegenen Kurse.
Kritischer äußerten sich die Experten von BMO Capital Markets: Die Marktteilnehmer hätten auf noch deutlichere Wirksamkeitsdaten gehofft, aus denen sich auch Rückschlüsse auf den Einsatz bei anderen, größeren Tumorarten wie etwa Lungen- oder Nierenkrebs ableiten ließen. Die vorliegenden Resultate reichten angesichts der hohen Bewertung nicht aus, um das Vertrauen in eine schnelle Ausweitung auf weitere Indikationen sofort zu untermauern. Bereits im Vormonat hatte die Citigroup die Moderna-Aktie abgestuft und gewarnt, dass die Marktkapitalisierung ein jährliches Onkologie-Umsatzvolumen von rund 13 Milliarden US-Dollar einpreise – eine Hürde, die angesichts der komplexen, patientenindividuellen Herstellung des Impfstoffs kurzfristig kaum zu erreichen sei.
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf die detaillierte wissenschaftliche Präsentation am Samstag auf dem ESMO-Kongress sowie auf die Vorlage der nächsten Quartalszahlen von Moderna am 6. November, bei der das Management voraussichtlich weitere Angaben zum Zeitplan der Zulassungsanträge machen wird.

Jahreschart Moderna Aktie, Quelle: https://oct.mymarkets.com
Dieser Text wurde unter Einsatz von KI-Tools erstellt und redaktionell überarbeitet.