Microsoft und Amazon profitieren vom Cloud- und KI-Boom
Das ist aktuell der große Streitpunkt an der Börse und sorgte zuletzt kursmäßig für heiße Achterbahnfahrten, wie Sie wahrscheinlich auch in Ihrem Aktien-Depot bemerkt haben: künstliche Intelligenz (KI) verschlingt viele Milliarden, sorgt bei den großen Cloud-Anbietern jedoch zugleich für kräftiges Wachstum.
Die beiden US-amerikanischen Tech-Schwergewichte Microsoft und Amazon zeigen mit ihren jüngsten Quartalszahlen, dass sich die Nachfrage nach Rechenleistung zunehmend in steigenden operativen Gewinnen niederschlägt.
Für langfristig orientierte Anleger bleiben beide Unternehmen deshalb spannend. Bei der Frage, wie Sie sich positionieren sollten, lohnt jedoch ein genauerer Blick.
Microsoft: Hohe Ertragskraft als solides Fundament
Microsoft steigerte im 1. Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 seinen Umsatz um 19% auf 92,3 Mrd. US-Dollar. Der operative Gewinn legte sogar um 21% auf 45,9 Mrd. US-Dollar zu. Damit bleibt von jedem Umsatzdollar nahezu die Hälfte als operativer Gewinn hängen. Diese außergewöhnliche Profitabilität verschafft dem Konzern erheblichen Spielraum, um den weiteren Ausbau seiner KI-Angebote zu finanzieren.
Besonders dynamisch entwickelte sich die Cloud-Plattform Azure mit einem Umsatzplus von 48%. Das gesamte Cloud-Geschäft wuchs um 30% auf 63,9 Mrd. US-Dollar. Zusätzlichen Rückhalt liefern die vertraglich vereinbarten, noch nicht als Umsatz verbuchten Leistungen im Firmenkundengeschäft: Sie stiegen um 73% auf 677 Mrd. US-Dollar.
Diese Summe verteilt sich auf künftige Perioden, unterstreicht aber heute schon die starke Nachfrage. Wenn Sie bereits investiert sind, liefern die Zahlen gute Gründe, die weitere Entwicklung mit Zuversicht zu begleiten. Hinzu kommen Dividenden und Aktienrückkäufe: Darüber flossen im jüngsten Quartal insgesamt 10,2 Mrd. US-Dollar an die Aktionäre zurück.
Amazon: Der Gewinn wächst schneller als der Umsatz
Auch Amazon gewinnt deutlich an Ertragskraft. Im 3. Quartal 2026 stieg der Umsatz um 12% auf 201,9 Mrd. US-Dollar. Das operative Ergebnis kletterte um rund 61% auf 28,1 Mrd. US-Dollar. Die operative Marge erreichte mit 13,9% einen Konzernrekord.
Zum wichtigsten Gewinnmotor entwickelt sich weiterhin die Cloud-Sparte AWS. Ihr Umsatz sprang um gut 39% auf 46 Mrd. US-Dollar, der operative Spartengewinn erreichte 17,8 Mrd. US-Dollar. Für 2027 und 2028 stellt Konzernchef Andy Jassy jeweils mehr als 40% AWS-Umsatzwachstum in Aussicht. Damit eröffnet der KI-Ausbau dem Konzern erhebliche zusätzliche Perspektiven.
Der Rücksetzer eröffnet einen interessanten Zugang
Trotzdem gab die Amazon-Aktie in der Folge nach. Umsatz und Gewinn je Aktie verfehlten die hohen Markterwartungen. Gleichzeitig drücken die enormen KI-Investitionen auf den freien Cashflow (Mittelzufluss). Der leicht rückläufige Nettogewinn erklärt sich allerdings vor allem durch hohe Beteiligungsgewinne im Vorjahresquartal.
Für Sie lohnt sich deshalb der Blick auf die operative Entwicklung: Amazon wächst profitabler, während AWS deutlich an Tempo gewinnt. Der niedrigere Kurs bietet längerfristig orientierten Anlegern einen interessanten Zugang zu diesem Wachstum. Kurzfristige Schwankungen bleiben möglich, doch wer Geduld mitbringt, findet hier eine überzeugende Kombination aus wachsender Ertragskraft und zusätzlichen KI-Perspektiven.
Sollte es bei den Zwischenwahlen in den USA ein Ergebnis geben, das von allen Beteiligten ohne Widerstand akzeptiert wird, erwarte ich eine zügige Erholung der US-Werte – speziell im Technologiesektor.