Microsoft meldet sich zurück
Die Microsoft-Aktie war jahrelang eine sichere Bank. Doch zuletzt setzte die KI-Angst in der Softwarebranche die Aktie unter Druck. Mit dem jüngsten Quartalsbericht hat sich der Konzern eindrucksvoll zurückgemeldet. Kommt jetzt die Trendwende?
Kurzporträt Microsoft
Microsoft ist der erfolgreiche Wandel vom Anbieter für Windows-Betriebssysteme und Standardanwendungssoftware zu einem der weltgrößten Profiteure von Cloud- und KI-Dienstleistungen für Unternehmenskunden gelungen. Bei seiner Beteiligung an OpenAI, der Gesellschaft hinter dem Chatbot ChatGPT, hat der Konzern 2019 Weitsicht bewiesen. Dadurch erhielt Microsoft Zugriff auf ChatGPT und legte den Grundstein für den KI-Boom.
Massive KI-Investitionen schmecken Anlegern nicht
Trotz regelmäßig guter Zahlen störten sich die Anleger zuletzt an den immer höher werdenden Investitionen in KI-Infrastruktur und fragten sich, ob diese Ausgaben sich rasch wieder monetarisieren lassen.
Dies sowie die Ängste, dass immer ausgefeiltere KI die Geschäfte von Software-Unternehmen kannibalisieren könnte, setzen viele Softwaretitel schon seit geraumer Zeit unter Druck.
Beeindruckende Quartalszahlen
Der jüngste Quartalsbericht (für das 4. Quartal des Geschäftsjahres 2026) zeigte, dass diese Ängste überzogen sind. Microsoft meldete ein sattes Umsatzwachstum von +12% auf 90,0 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn kletterte um +23% auf 4,74 US-Dollar pro Aktie. Beide Zahlen lagen deutlich über den Analystenprognosen.
Wachstumstreiber bleibt der Cloud- und KI-Bereich. Die Cloud-Plattform Azure steigerte ihren Umsatz um +43% (erwartet wurden +40%) und übertraf im Gesamtjahr erstmals die 100 Mrd. US-Dollar-Marke. Gleichzeitig explodierte der Auftragsbestand um +84% auf 678 Mio. US-Dollar.
Optimismus für das laufende Quartal
Für das laufende Quartal zeigt sich das Management optimistisch und stellte ein Wachstum von Azure (diese Zahl ist aktuell wohl am stärksten im Anlegerfokus) von rund +45% in Aussicht. Das liegt klar über der bisherigen Analystenerwartung von rund +41%.
Ebenfalls aus Anlegersicht erfreulich: Laut Microsoft-Finanzchefin Amy Hood dürften die für das laufende Geschäftsjahr bislang in Aussicht gestellten KI-Investitionen nicht an den Maximalbetrag von 190 Mrd. US-Dollar heranreichen, sondern eher im Bereich von 175 Mrd. US-Dollar liegen.
Aktie trotz jüngstem Kurssprung vergleichsweise günstig
Die starken Zahlen verfehlten ihre Wirkung nicht: Am gestrigen Handelstag gewann die Microsoft-Aktie über 15% an Wert und liegt damit seit Jahresbeginn nur noch minimal im Minus.
Trotz dieses Kurssprungs liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aktuell lediglich bei 23. In der Vergangenheit haben Anleger Microsoft regelmäßig ein KGV von über 30 zugestanden. Dieser Bewertungsaufschlag war aufgrund der unbestreitbaren Qualität des Unternehmens – mit einem krisenresistenten Geschäftsmodell, hohen Wachstumsraten und enorm hohen Gewinnmargen – aus meiner Sicht berechtigt. Aktuell erhalten Sie als Anleger diese Premium-Qualität immer noch – ohne den bislang üblichen Bewertungsaufschlag.