Kampf gegen Apple Pay: PayPal bringt Bonusprogramm PayPal+
Der Konkurrenzkampf im digitalen Zahlungsverkehr erreicht eine neue Dimension. Um der rasanten Verbreitung von Wallets der großen Tech-Konzerne entschlossen entgegenzutreten, hat der US-Bezahlriese PayPal einen strategischen Befreiungsschlag auf dem deutschen Markt lanciert. Mit der schrittweisen Einführung des Bonusprogramms „PayPal+“ sollen Kunden deutlich stärker an das eigene Ökosystem gebunden werden. Angesichts eines anhaltenden Margendrucks ist das Ziel klar definiert: Mehr Transaktionen, eine höhere Kundenloyalität und die Sicherung wertvoller Marktanteile.
PayPal+ in Deutschland: So funktioniert das Belohnungssystem
Das Prinzip des neuen Programms ist darauf ausgelegt, alltägliche Zahlungsvorgänge direkt zu belohnen. Das System steht Nutzern mit einem privaten deutschen PayPal-Konto nach einer kostenfreien Aktivierung in der App zur Verfügung. Für je fünf Euro Umsatz wird dem Käufer ein Punkt gutgeschrieben. Dies gilt für reguläre Online-Einkäufe, die „Später bezahlen“-Optionen sowie Geldsendungen für „Waren und Dienstleistungen“. Private Überweisungen an Freunde und Familie bleiben indes vom Sammelsystem ausgeschlossen.
Interessant für die breite Masse: PayPal weitet das System strategisch auch auf den stationären Handel aus. Wer dort mit der PayPal Card oder via Ratenzahlung bezahlt, sammelt ebenfalls Punkte, wenngleich hier ein Limit von 1.000 Punkten pro Monat greift. Eingelöst werden können die gesammelten Punkte im Online-Checkout – dabei entsprechen 1.000 Punkte genau 10 Euro – oder sie lassen sich in reguläres Guthaben umwandeln.
Kundenbindung durch Status-Level: Blue und Gold
Um Vielnutzer zusätzlich zu motivieren, arbeitet PayPal künftig mit einem zweistufigen Status-Modell. Jeder Teilnehmer startet im „Blue“-Status. Ab einem Stand von 4.000 gesammelten Punkten rückt der Nutzer automatisch in den „Gold“-Status auf. Dieser bietet handfeste Vorteile: Der Einlösewert beim Online-Checkout steigt um 20 Prozent, sodass 100 Punkte plötzlich 1,20 Euro entsprechen. Hinzu kommen Cashback-Anreize von bis zu 60 Euro jährlich für über PayPal abgewickelte Abonnements.
Aus unternehmerischer Sicht ist dieser Vorstoß eine klare Kampfansage. Konkurrenten wie Apple drängen mit ihrem Bezahldienst massiv auf den europäischen Markt und integrieren ihre Wallets nahtlos in die Hardware. PayPal hält mit seinem eigenen Bonusprogramm dagegen, indem es starke finanzielle Anreize schafft, den Weg über die eigene App oder die Checkout-Buttons der Händler zu gehen.
Blick auf die Börse: Die Aktien von PayPal und Apple
An den internationalen Finanzmärkten werden derartige Innovationen im Sektor der Zahlungsdienstleister stets aufmerksam verfolgt. Die Apple-Aktie (ISIN: US0378331005) zeigte sich von den Ambitionen der Konkurrenz im Wallet-Geschäft bislang unbeeindruckt. Am Freitagvormittag notierte das Papier bei rund 293,55 Euro und untermauert mit einem satten Jahresplus von über 26 Prozent die anhaltende fundamentale Stärke des iPhone-Konzerns.
Die PayPal-Aktie (ISIN: US70450Y1038) hingegen sucht nach jüngsten Analysten-Einschätzungen, die das Papier zuletzt überwiegend auf „Hold“ einstuften, aktuell nach einer klaren Richtung für den Handelstag. Anleger werden in den kommenden Wochen genau beobachten, ob das neue Treueprogramm in Deutschland die gewünschten Volumina und Margensteigerungen liefern kann, um dem Druck der Wallet-Konkurrenz dauerhaft standzuhalten.
Für Investoren bleibt der Payment-Sektor hochspannend. Die Schlacht um das digitale Portemonnaie der Verbraucher hat gerade erst einen neuen Höhepunkt erreicht.