Intel-Aktie unter Druck: Ausblick bremst Server-Boom aus
Der US-Halbleiterriese Intel (ISIN: US4581401001) hat für das abgelaufene dritte Quartal 2026 ein starkes operatives Zahlenwerk vorgelegt, das die eigenen Zielsetzungen sowie die Markterwartungen deutlich übertraf. Dennoch überwiegt an den Finanzmärkten die Skepsis: Ein verhaltener Ausblick auf das wichtige Schlussquartal sowie Warnungen vor anhaltenden Bremsspuren im PC-Geschäft sorgten für kräftige Kursabschläge.
Nachdem das Papier bereits im nachbörslichen US-Handel am Vorabend massiv um rund 20 Prozent eingebrochen war und im US-Vorbörsenhandel zeitweise bei 67,20 US-Dollar taxiert wurde (nach einem vorherigen Nasdaq-Schlusskurs von 92,07 US-Dollar), setzt sich der Verkaufsdruck auch am heutigen Vormittag im deutschen Handel fort. Auf der Handelsplattform Tradegate notierte die Intel-Aktie am Vormittag im Bereich von rund 59,91 bis 60,52 Euro, was einem zweistelligen Tagesverlust von etwa 11,5 bis 12,5 Prozent gegenüber dem späten Vortagesniveau entsprach. Anschließend konnte sie sich etwas erholen und kletterte wieder über die Marke von 61 Euro.
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Intel im dritten Quartal: Rechenzentren und KI als Wachstumsmotor
Ein Blick auf die nackten Zahlen des dritten Quartals zeigt zunächst eine beeindruckende operative Dynamik. Der Konzernumsatz kletterte im Jahresvergleich um 21 Prozent auf 16,5 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie (Non-GAAP EPS) erzielte Intel 0,52 US-Dollar – ein deutlicher Sprung gegenüber den 0,23 US-Dollar des Vorjahreszeitraums und klar über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von rund 0,40 bis 0,41 US-Dollar. Die bereinigte Bruttomarge verbesserte sich im Jahresvergleich um 4,1 Prozentpunkte auf 44,1 Prozent (GAAP: 43,0 Prozent). Unter dem Strich stand nach GAAP-Rechnungslegung ein Nettogewinn von 3,3 Milliarden US-Dollar (0,60 US-Dollar je Aktie) sowie ein operativer Cashflow von 5,1 Milliarden US-Dollar.
Haupttreiber dieser positiven Entwicklung war das Geschäft mit Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz (Data Center and AI, kurz DCAI). Hier schossen die Erlöse um beachtliche 78 Prozent auf 7,3 Milliarden US-Dollar nach oben – das stärkste Wachstum in diesem Segment seit 15 Jahren. Das operative Ergebnis der Sparte erreichte 3,0 Milliarden US-Dollar. Vor allem die hohe Nachfrage nach den Server-Prozessoren der Xeon-Familie, das schnelle Hochfahren der „Granite Rapids“-Generation sowie erste verbuchte Umsätze mit dem neuen, im 18A-Verfahren gefertigten Server-Chip „Clearwater Forest“ stützten das Geschäft. Auch die Fertigungssparte Intel Foundry verzeichnete inklusive konzerninterner Verrechnungen ein kräftiges Umsatzplus von 58 Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar.
Schwaches PC-Kerngeschäft und Lieferengpässe belasten Intel-Prognose
Dass die Anleger dennoch die Reißleine ziehen, liegt an der Kehrseite der Medaille: dem klassischen Geschäft mit PC-Prozessoren und dem Ausblick auf das vierte Quartal. In der Sparte Client Computing and Physical AI Group (CCPG) sanken die Erlöse im dritten Quartal um 5 Prozent auf 8,1 Milliarden US-Dollar.
Konzernchef Lip-Bu Tan und Finanzvorstand David Zinsner machten deutlich, dass die Flaute am PC-Markt länger anhalten wird als bislang erhofft. Das Management rechnet damit, dass sich die Nachfrageschwäche mindestens bis in die erste Jahreshälfte 2027 hineinzieht. Als wesentlicher Bremsfaktor erweisen sich dabei stark gestiegene Preise für Speicherchips (Memory), die auch im kommenden Jahr ein ernstes Problem für die gesamte Branche darstellen dürften. Zudem verhinderten im abgelaufenen Quartal Engpässe bei bestimmten Rohstoffen sowie Produktionsausfälle in einem Werk in Israel ein noch besseres Abschneiden in der hochprofitablen Server-Sparte.
Vorsichtiger Margenausblick für das Schlussquartal dämpft Euphorie
Diese Belastungsfaktoren schlagen sich unmittelbar in der Prognose für das laufende vierte Quartal nieder. Intel stellt lediglich einen Konzernumsatz zwischen 15,0 und 16,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht, während am Markt im Schnitt rund 17 Milliarden US-Dollar erwartet worden waren. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie kalkuliert der Chipkonzern mit 0,25 US-Dollar (GAAP: 0,10 US-Dollar) deutlich vorsichtiger als die Analystenzunft, die zuvor über 0,40 US-Dollar auf dem Zettel hatte.
Besonders empfindlich reagierten Marktteilnehmer auf die erwartete Margenentwicklung: Die bereinigte Bruttomarge soll im Schlussquartal auf rund 38 Prozent (GAAP: 37,1 Prozent) absinken. Nachdem die Intel-Aktie im bisherigen Jahresverlauf bereits eine enorme Rallye hingelegt und ihren Wert zeitweise fast verdoppelt hatte, nutzten viele Investoren den verhaltenen Ausblick nun für umfangreiche Gewinnmitnahmen. Für Anleger zeigt das Zahlenwerk, dass Intels Transformation im Bereich der KI- und Server-Infrastruktur zwar spürbar an Fahrt gewinnt, das Unternehmen aber weiterhin stark von den Zyklen des PC-Marktes und dem Ausbau seiner Lieferkapazitäten abhängig bleibt.