Ford-Aktie: Gewinnprognose steigt trotz Milliardenlast
Der US-Automobilhersteller Ford Motor (ISIN: US3453708600) sieht sich im laufenden Geschäftsjahr mit einem erheblichen Kostendruck auf den Beschaffungsmärkten konfrontiert. Wie aus den jüngsten Quartalszahlen hervorgeht, veranschlagt das Management aus Dearborn die Belastungen durch gestiegene Rohstoffpreise für das Gesamtjahr 2026 mittlerweile auf fast 2,5 Milliarden US-Dollar. Zuvor war der Konzern noch von rund 2,0 Milliarden US-Dollar ausgegangen.
Trotz dieses spürbaren Gegenwinds zeigt sich die Konzernführung für die operative Ergebnisentwicklung zuversichtlicher als noch im Sommer. Gestützt durch eine konsequente Preisdurchsetzung bei margenstarken Pick-up-Trucks und Verbrennermodellen sowie Fortschritte bei der Kosteneffizienz hob Ford das untere Ende seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr an.
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Ford Motor trotzt 2,5 Milliarden Dollar Rohstoffkosten
Die Gründe für die angehobene Kostenprognose sind vielfältig und betreffen die gesamte Lieferkette der Automobilindustrie. Finanzchefin Sherry House verwies bei der Vorlage der Zahlen darauf, dass eine rasche Entspannung bei der Rohstoffinflation derzeit nicht absehbar sei. Insbesondere verteuerte Industriemetalle wie Kupfer und Stahl, höhere Preise für Halbleiter sowie gestiegene Energiekosten belasten die Bilanz.
Zusätzlich treiben geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Diesel- und Frachtraten nach oben, was die Logistikausgaben spürbar verteuert. Um diese externen Faktoren abzufedern, hält das Unternehmen an seinem strikten Sparprogramm fest: Im laufenden Jahr sollen Material- und Garantiekosten im Umfang von rund einer Milliarde US-Dollar eingespart werden.
Starke Zahlen im dritten Quartal und höhere Jahresziele
Operativ konnte sich Ford im abgelaufenen dritten Quartal erfolgreich gegen den inflationären Trend stemmen. Zwar ging der Konzernumsatz im Jahresvergleich leicht um zwei Prozent auf 49,5 Milliarden US-Dollar zurück – was unter anderem auf das geplante Auslaufen bestimmter Fahrzeugmodelle zurückzuführen ist –, die Ertragskraft übertraf jedoch die Erwartungen der Wall Street deutlich.
- Operatives Ergebnis (bereinigtes EBIT): Anstieg um rund drei Prozent auf 2,7 Milliarden US-Dollar (bereinigte EBIT-Marge verbessert sich auf 5,4 Prozent).
- Gewinn je Aktie (bereinigt): Mit 0,49 US-Dollar lag das Ergebnis klar über den Analystenschätzungen von rund 0,40 bis 0,41 US-Dollar.
- Nettogewinn: 2,0 Milliarden US-Dollar bei einem bereinigten freien Cashflow von 4,7 Milliarden US-Dollar.
- Angehobene Jahresprognose: Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Ford nun ein bereinigtes EBIT zwischen 10,5 und 11,0 Milliarden US-Dollar (zuvor: 10,0 bis 11,0 Milliarden US-Dollar).
Für das kommende Jahr 2027 stellte Konzernchef Jim Farley eine stabile Entwicklung in Aussicht, bei der das operative Ergebnis in etwa auf dem Niveau von 2026 liegen soll. Langfristig peilt Ford bis zum Jahr 2029 eine bereinigte EBIT-Marge von acht Prozent an.
Margenstarke Pick-ups als Gewinnbringer für Ford
Als wichtigste Stütze der Bilanz erweist sich einmal mehr das Geschäft mit klassischen Verbrennern (Ford Blue) und Nutzfahrzeugen (Ford Pro), insbesondere die ungebrochen hohe Nachfrage nach der lukrativen F-150-Baureihe. Obwohl es im vergangenen Monat aufgrund von Zuliefererproblemen zu einer einwöchigen Produktionsunterbrechung beim F-150 kam, gelingt es Ford, die Bestände knapp zu halten und höhere Verkaufspreise am Markt durchzusetzen.
Konzernchef Farley betonte, dass man bei den Lagerbeständen eine disziplinierte Zielspanne von 55 bis 60 Tagen verfolge – deutlich unter dem historischen Branchendurchschnitt von 80 bis 100 Tagen. Im Gesamtjahr rechnet der Autobauer mit einem branchenweiten Preisanstieg in den USA von rund einem Prozent.
Gleichzeitig konnte die defizitäre Elektroauto-Sparte (Model e) ihre Verluste eindämmen. Der operative Fehlbetrag im dritten Quartal verringerte sich im Vorjahresvergleich von 1,41 Milliarden auf 1,06 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr rechnet Ford in diesem Segment nun mit einem Verlust am unteren Ende der bisherigen Prognosespanne von 4,0 bis 4,5 Milliarden US-Dollar.
Ford-Aktie an der NYSE gefragt – Analysten bleiben vorsichtig
An der Heimatbörse in New York (NYSE) nahmen die Marktteilnehmer das Zahlenwerk und die präzisierte Jahresprognose positiv auf. Nachdem das Papier nachbörslich zunächst leichte Abgaben verzeichnet hatte, drehte die Stimmung im regulären Donnerstagsgeschäft ins Plus. Am US-Vormittag notierte die Ford-Aktie an der NYSE bei 12,07 US-Dollar, was einem Kursgewinn von rund einem Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 11,95 US-Dollar entspricht. Im weiteren Handelsverlauf gegen Mittag US-Zeit baute der Titel seine Gewinne zeitweise um über drei Prozent auf rund 12,35 US-Dollar aus.
Trotz der robusten Quartalsbilanz mahnen einige Marktbeobachter zur Vorsicht hinsichtlich der weiteren Margenentwicklung. So senkte die US-Investmentbank Goldman Sachs ihr Kursziel für die Aktie am Donnerstag von 14,00 auf 12,00 US-Dollar und bestätigte ihre neutrale Einstufung. Die Analysten von JPMorgan hoben zwar die solide operative Umsetzung und die Bestandsdisziplin positiv hervor, merkten jedoch an, dass für eine nachhaltige Neubewertung der Aktie vor allem greifbare Fortschritte bei der nächsten Generation von Elektrofahrzeugen und dem Batteriegeschäft erforderlich seien. Für Einkommensinvestoren bleibt der Titel unterdessen durch seine konstante Ausschüttungspolitik präsent: Für das vierte Quartal deklarierte der Konzern eine reguläre Dividende von 0,15 US-Dollar je Aktie.