Was Alphabet der Konkurrenz bei KI voraus hat

Was Alphabet der Konkurrenz bei KI voraus hat
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Die Anleger reagieren derzeit verschnupft auf Ankündigungen höherer KI-Investitionen. Dabei gilt es aber im Blick zu haben, dass einige Unternehmen diese Ausgaben erheblich besser monetarisieren als andere. Alphabet ist dafür ein Musterbeispiel. 

Vollständiges KI-Ökosystem

Während Wettbewerber oft nur Teilbereiche abdecken oder stark von Drittanbietern abhängig sind, kontrolliert Alphabet die gesamte Wertschöpfungskette – von den Chips über die Cloud-Infrastruktur und die KI-Modelle bis hin zu den Plattformen mit Milliarden von Nutzern. Dieses vollständige KI-Ökosystem gibt dem Konzern eine strukturelle Überlegenheit bei der Umwandlung der KI-Investitionen in höheres Wachstum und steigende Gewinnmargen.

Sattes Wachstum der Cloud-Sparte dank KI

Der sichtbarste Hebel der KI-Monetarisierung ist das Cloud-Geschäft. Alphabet vertreibt seine KI-Fähigkeiten erfolgreich an Unternehmenskunden. Google vermietet über die Cloud sowohl den Zugang zu den eigenen Gemini-Modellen als auch die schiere Rechenpower. Das bringt der Google-Cloud erheblich höhere Wachstumsraten (+82% in Q2, siehe unten) als der Konkurrenz von Amazon und Microsoft. 

Eigene KI-Chips bringen Wettbewerbs- und Kostenvorteile 

Auch bei KI-Hardware hat sich Alphabet in eine starke Position gebracht. Der Konzern entwickelt seit Jahren sogenannte TPU-Chips. Dabei handelt es sich um speziell entwickelte KI-Beschleuniger, die für das Training großer KI-Modelle optimiert werden.

Dies verschafft Alphabet nicht nur mehr Unabhängigkeit vom extrem umkämpften Hardware-Markt, das Unternehmen spart damit auch Milliarden an Lizenz- und Hardwarekosten. Analysten schätzen, dass die Gesamtbetriebskosten der eigenentwickelten TPU-Systeme etwa 30% unter denen von vergleichbaren NVIDIA-Systemen liegen. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb Alphabet mit seinem Cloud-Bereich derart hohe Gewinnmargen einfährt.

Erfolgreiche KI-Integration in die Google-Suche

Ursprünglich stand Alphabet vor dem Dilemma, dass KI-Chatbots das klassische Werbegeschäft der Google-Suchmaschine bedrohen könnten. Doch dem Konzern ist es gelungen, die KI in die eigene Suche zu integrieren und daraus sogar einen Vorteil zu ziehen. Denn im neuen KI-Suchmodus stellen Nutzer oftmals komplexere und längere Suchanfragen. Dies ermöglicht es, die Suchanfragen präziser zu verstehen und noch zielgerichtetere Werbeanzeigen zu schalten und so die Werbeeinnahmen weiter zu steigern.

Zahlen für das zweite Quartal beeindrucken

Wie die Geschäfte bei Alphabet derzeit brummen, zeigte der in der Vorwoche veröffentlichte Quartalsbericht. Alphabet meldete für das zweite Quartal einen satten Umsatzzuwachs von +24% auf 119,8 Mrd. US-Dollar. Der operative Gewinn konnte um +40% auf 40,8 Mrd. US-Dollar gesteigert werden. Der bereinigte Gewinn kletterte um +22% auf 2,91 US-Dollar pro Aktie. Alle Zahlen lagen über den Analystenprognosen.

Wachstumstreiber bleibt das KI-gestützte Cloud-Geschäft. Google Cloud steigerte den Umsatz um phänomenale +82% auf 24,8 Mrd. US-Dollar. Der operative Gewinn der Sparte konnte auf 8,8 Mrd. US-Dollar mehr als verdreifacht werden.

Trotz der starken Zahlen geriet die Aktie nach dem Quartalsbericht unter Druck, weil Alphabet gleichzeitig eine Erhöhung der KI-Investitionen auf 195 bis 205 Mrd. US-Dollar im laufenden Jahr ankündigte. Im Hinblick auf die Monetarisierung dieser Ausgaben könnten die Anleger diesbezüglich ruhig etwas gelassener reagieren.