Abbott Laboratories-Aktie: Kommt die Trendwende?
Die Aktie von Abbott Laboratories hat nach einem schwachen ersten Halbjahr zuletzt wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Auf dem aktuellen Niveau könnte sich ein näherer Blick auf die Aktie lohnen.
Kurzporträt
Abbott Laboratories wurde bereits 1888 vom Arzt und Apothekenbesitzer Wallace Calvin Abbott gegründet. Es handelt sich um einen breit diversifizierten US-Gesundheitskonzern mit den Geschäftsbereichen Medizintechnik, Diagnostik, medizinische Ernährung und Arzneimittel (Generika). Der Konzern beschäftigt 105.000 Mitarbeiter und verkauft seine Produkte in 160 Ländern.
Die größte Sparte Medizintechnik umfasst u.a. minimal-invasive medizinische Geräte für die Behandlung von Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Gefäßerkrankungen.
21 Mrd. US-Dollar schwere Übernahme von Exact Sciences
Im März wurde die im Vorjahr angekündigte Übernahme von Exact Sciences vollzogen. Abbott hat sich den Spezialisten für Präzisionsonkologie und Krebsfrüherkennung 21 Mrd. US-Dollar kosten lassen. Ohne Frage ein stolzer Preis, aber er öffnet dem Konzern die Tür in einen zukünftigen Wachstumsmarkt, dessen jährliches Potenzial Analysten mit rund 60 Mrd. US-Dollar allein in den USA beziffern.
Exact Sciences besitzt eine starke Marktposition bei Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge für zu Hause und bei Gentests, die das Rückfallrisiko von Brustkrebs prognostizieren. In der Forschungspipeline befindet sich u. a. ein Bluttest zur gleichzeitigen Früherkennung mehrerer Krebsarten.
Mehrere Faktoren haben den Aktienkurs gedrückt
Eine große Übernahme wie diese führt fast immer zu Unsicherheiten bei Anlegern – so auch dieses Mal. Das war einer der Belastungsfaktoren für die Abbott-Aktie im ersten Halbjahr. Erschwerend kam hinzu, dass das Management nach dem ersten Quartal die Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt hat. Auch wenn dafür vor allem einmalige Integrationskosten der Exact-Sciences-Übernahme verantwortlich sind, hat dies einige Anleger verschreckt.
Außerdem liefen nicht alle Sparten rund. Das Ernährungssegment (Babynahrung etc.) musste einen deutlichen Umsatzrückgang einstecken. Auch die Vorzeigesparte mit dem Glukosemessgerät FreeStyle Libre konnte die hohen Wachstumserwartungen nicht ganz erfüllen.
Starke Quartalszahlen könnten Trendwende einleiten
Die Mitte Juli vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal fielen erheblich besser aus als die Zahlen für das erste Quartal. Sowohl Umsatz als auch Gewinn lagen deutlich über den Analystenprognosen. Zudem präsentierte sich FreeStyle Libre wieder als Wachstumsmotor.
Die Anleger zeigten sich erfreut und schickten die Aktie um gut 10% nach oben.
Für Langfristanleger interessant
Ob diese Trendwende nachhaltig ist, muss sich erst noch zeigen. Doch auf lange Sicht spricht einiges für die Aktie. In der Vergangenheit haben Anleger dem Wert regelmäßig einen Bewertungsaufschlag zugebilligt, der aktuell nicht mehr gezahlt werden muss. Zudem ist Abbott ein Musterbeispiel für beständige Dividendenpolitik. Seit dem Jahr 1924, schüttet der Konzern ohne Unterbrechung Dividenden aus. Und in den vergangenen 54 Jahren hat Ihr Depotwert seine Dividende zudem jedes Jahr angehoben.