Rentenmarkt bebt: Das trifft jetzt auch Aktien
Sie besitzen vielleicht gar keine Staatsanleihen und denken deshalb: Was geht mich das an? Leider eine ganze Menge. Denn wenn die Kurse deutscher und amerikanischer Staatsanleihen stark fallen, spüren das früher oder später auch Aktionäre, Immobilienkäufer und Unternehmen.
Am weltweiten Anleihemarkt zeichnet sich derzeit ein gefährlicher neuer Abwärtsschub ab. Besonders unter Druck stehen lang laufende Staatsanleihen. Das sind Schuldscheine von Staaten mit einer Restlaufzeit von vielen Jahren.
Warum Kurse und Renditen entgegengesetzt laufen
Bei Anleihen gilt eine einfache Regel: Fällt der Kurs, steigt die Rendite. Die Rendite zeigt, welchen jährlichen Ertrag ein Käufer beim aktuellen Kurs erwarten kann.
Ein Beispiel: Eine ältere Anleihe zahlt nur wenig Zinsen. Werden neue Anleihen plötzlich mit deutlich höheren Zinsen angeboten, möchte kaum noch jemand die alte Anleihe zum bisherigen Preis kaufen. Ihr Kurs muss fallen, bis sie wieder attraktiv genug ist.
Genau das geschieht seit 2020. Davor hatten Staatsanleihen rund 40 Jahre lang Rückenwind. Die Inflation sank, die Notenbanken senkten die Zinsen und Anleihekurse stiegen. Dieser langfristige Trend hat sich gedreht.
Baukredite und Immobilien werden teurer
Steigende Anleiherenditen bleiben nicht am Rentenmarkt. An ihnen orientieren sich auch die Zinsen für Baukredite. Steigen die Renditen weiter, werden neue Immobilienfinanzierungen teurer.
Das können sich weniger Käufer leisten. Gleichzeitig rechnen sich manche vermieteten Immobilien für große Investoren nicht mehr. Die Folge: Es werden weniger Häuser und Wohnungen verkauft, während Immobilienpreise und Immobilienaktien unter Druck geraten können.
Auch Banken sind betroffen. Sie halten große Bestände an Staatsanleihen. Fallen deren Kurse, entstehen Buchverluste. Das sind Verluste auf dem Papier, solange die Anleihen nicht verkauft werden. Trotzdem können sie die Bilanzen belasten.
Warum Aktien ebenfalls Gegenwind bekommen
Steigende Renditen machen Anleihen wieder attraktiver. Anleger können höhere Zinsen kassieren, ohne das volle Risiko einer Aktie einzugehen. Dadurch fließt Geld aus Aktien in festverzinsliche Anlagen.
Besonders empfindlich reagieren hoch bewertete Wachstumsaktien. Ihre erwarteten Gewinne liegen oft weit in der Zukunft. Steigen die Zinsen, sind diese künftigen Gewinne aus heutiger Sicht weniger wert.
Gleichzeitig müssen Staaten auslaufende alte Schulden durch neue, teurere Kredite ersetzen. Die Zinslast steigt und lässt weniger Geld für Investitionen, Steuersenkungen oder Konjunkturprogramme.
Mein Rat als Experte für Sie
Nehmen Sie die Entwicklung ernst, aber verkaufen Sie nichts panisch. Bleiben Sie breit gestreut und prüfen Sie besonders hoch verschuldete Unternehmen sowie sehr teuer bewertete Aktien kritisch.
Solange die Renditen steigen, dürfte der Gegenwind anhalten. Qualitätsunternehmen mit stabilen Gewinnen und soliden Bilanzen sind in diesem Umfeld die deutlich bessere Wahl.