Shell-Aktie: Milliardengewinn und großes Rückkaufprogramm
Der britische Energieriese Shell (ISIN: GB00BP6MXD84) hat für das abgelaufene dritte Quartal beeindruckende Geschäftszahlen vorgelegt, die die Markterwartungen deutlich übertroffen haben. Getrieben von außergewöhnlich hohen Raffineriemargen und gestiegenen Preisen für Flüssigerdgas (LNG) konnte der Konzern seinen bereinigten Gewinn im Jahresvergleich nahezu verdoppeln. Für Anleger zahlt sich diese operative Stärke unmittelbar aus: Das Management erhöht das Tempo bei den Kapitalrückführungen und kündigt ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm für die kommenden Monate an.
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Shell verdoppelt Quartalsgewinn dank starker Raffineriemargen
Im dritten Quartal kletterte der bereinigte Gewinn von Shell auf 10,81 Milliarden US-Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum noch 5,43 Milliarden US-Dollar zu Buche gestanden hatten. Damit ließ das Unternehmen die durchschnittlichen Analystenschätzungen von rund 10,33 Milliarden US-Dollar klar hinter sich und erzielte das zweithöchste Quartalsergebnis seiner Unternehmensgeschichte. Auch der Umsatz legte im Jahresvergleich um 36 Prozent auf 92,85 Milliarden US-Dollar zu, während das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 14,77 Milliarden auf 22,74 Milliarden US-Dollar sprang.
Als wichtigster Ergebnistreiber erwies sich die Sparte Chemicals and Products, deren bereinigter Gewinn auf 3,86 Milliarden US-Dollar hochschoss. Ausschlaggebend hierfür war ein massiver Anstieg der globalen indikativen Raffineriemarge, die im abgelaufenen Jahresviertel bei 42 US-Dollar pro Barrel lag – nach 24 US-Dollar im Vorquartal. Trotz logistischer Herausforderungen wie dem Niedrigwasser im Rhein und anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten lief der Anlagenbetrieb hochgradig profitabel.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte das Geschäft mit integriertem Gas (Integrated Gas), das dank höherer realisierter LNG-Preise und gestiegener Absatzmengen einen bereinigten Gewinn von 3,04 Milliarden US-Dollar beisteuerte. Im klassischen Upstream-Segment ging das Ergebnis hingegen im Vergleich zum Vorquartal leicht auf 3,2 Milliarden US-Dollar zurück, was vor allem auf höhere Abschreibungen bei Bohrungen zurückzuführen war.
Sprudelnder Cashflow ermöglicht 5-Milliarden-Dollar-Aktienrückkauf
Die hohe Ertragskraft spiegelt sich ebenso in der Bilanz und den Zahlungsströmen wider. Der operative Cashflow (CFFO) erreichte im dritten Quartal 21,04 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Markterwartungen von 16,55 Milliarden US-Dollar bei Weitem. Der freie Cashflow (Free Cash Flow) belief sich auf 16,3 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 10,0 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Gleichzeitig gelang es Shell, die Nettoverschuldung im Vergleich zum Vorquartal von 41,8 Milliarden auf 39,7 Milliarden US-Dollar zu senken. Selbst nach dem Anfang September erfolgreich abgeschlossenen Zukauf von ARC Resources sowie der finalen Investitionsentscheidung für das Großprojekt LNG Canada Phase 2 liegt die Verschuldungsquote (Gearing) bei soliden 16,6 Prozent.
Diese komfortable Finanzlage nutzt Vorstandschef Wael Sawan, um die Aktionäre verstärkt am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Neben einer stabil gehaltenen regulären Dividende schraubt Shell das Volumen für eigene Aktienrückkäufe deutlich nach oben: Für die kommenden drei Monate wurde ein neues Rückkaufprogramm im Umfang von 5 Milliarden US-Dollar beschlossen. Im vorangegangenen Quartal hatte das Grundvolumen noch bei 3 Milliarden US-Dollar gelegen. Für das Gesamtjahr plant der Konzern zudem mit Investitionsausgaben (CapEx) in einer Spanne von 23 bis 25 Milliarden US-Dollar.
Reaktion der Shell-Aktie und Ausblick für Anleger
An der Börse wurden das Zahlenwerk und die ausgeweiteten Ausschüttungen positiv aufgenommen. Nachdem die Shell-Aktie bereits am gestrigen Tag der Ergebnisveröffentlichung deutlich zugelegt und an der Heimatbörse in London neue Höchststände markiert hatte, zeigt sich das Papier auch heute stabil. Am Vormittag notiert der Titel im Xetra-Handel bei rund 48,91 Euro knapp ein Prozent im Plus, während die Aktie an der Londoner Börse bei 4.038,00 Britischen Pence leicht um rund zwei Prozent zulegt.
Mit Blick auf das laufende vierte Quartal mahnte Finanzchefin Sinead Gorman im Gespräch mit dem „Wall Street Journal“ allerdings zu einem realistischen Blick auf die Marktbedingungen. Zwar bleibe das weltweite Energieangebot angespannt und die Preise unterlägen weiterhin starken Schwankungen, doch hätten sich die außergewöhnlich hohen Raffineriemargen seit Beginn des Schlussquartals bereits wieder etwas abgeschwächt. Für langfristig orientierte Anleger unterstreichen die jüngsten Ergebnisse dennoch, dass Shell dank strikter Kostendisziplin und starker Cashflows bestens positioniert ist, um auch in einem volatilen Marktumfeld hohe Rückflüsse an seine Anteilseigner zu gewährleisten.