Novo Nordisk Aktie: Wegovy-Pille schlägt Eli Lilly

Smartphone mit Novo Nordisk Logo in der Hand vor verschwommenem, buntem Hintergrund.
Rafael Henrique / stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Eine Aktie, die in einem Jahr fast die Hälfte ihres Werts verliert, während ringsum die Kurse steigen, ist normalerweise ein Warnsignal. Bei Novo Nordisk liegt die Sache aber spannender. Der dänische Konzern steckt hinter Ozempic und Wegovy, den Mitteln, über die halb Hollywood und das halbe Internet reden. Jahrelang war die Firma der unangefochtene Star der Branche. Dann kamen fallende Preise, neue Konkurrenz und eine vorsichtige Prognose, und der Kurs rauschte nach unten.

Wer heute hinschaut, sieht zwei Dinge auf einmal: ein Unternehmen mitten im schwersten Umbau seit Jahren und eines, das gerade einen wichtigen Wettlauf gegen seinen größten Rivalen für sich entscheidet. Für Sie lohnt deshalb der Blick hinter die gefallenen Kurse.

Zwei Zahlen, zwei Geschichten

Auf den ersten Blick sehen die jüngsten Zahlen glänzend aus: Der Umsatz stieg kräftig, der Gewinn sogar um mehr als die Hälfte. Doch dieser Glanz trügt. In den Zahlen stecken einmalige Sondereffekte, die das Bild aufhübschen. Rechnet man sie heraus, bleibt ein nüchterneres Ergebnis: Umsatz und Gewinn sind leicht geschrumpft. Und für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen selbst, dass beide weiter sinken.

Der Grund liegt bei den älteren Produkten. Insulin, einst das Fundament der Firma, verliert seit Jahren an Boden. Selbst die berühmten Spritzen gegen Diabetes verkaufen sich schwächer, und genau Ozempic steht für fast 40 % des Umsatzes. Nur ein Bereich wächst weiter mit Tempo: die Mittel gegen starkes Übergewicht. Und genau dort spielt die eigentliche Geschichte.

Die Pille schlägt die Konkurrenz

Seit Januar gibt es Wegovy in den USA auch als Tablette, zum Schlucken statt zum Spritzen. Für viele Patienten ist das ein kleiner Befreiungsschlag, und der Start war fulminant: schon Millionen Verordnungen, zuletzt rund 225.000 pro Woche. Das Spannende daran: Über 80 % der neuen Patienten hatten vorher noch nie ein solches Mittel genommen. Die Pille nimmt also nicht den Spritzen das Geschäft weg, sie holt neue Menschen in den Markt.

Jetzt wird es zum Duell. Der große US-Rivale Eli Lilly zog wenig später mit einer eigenen Abnehm-Pille nach, doch der Vergleich fällt deutlich aus. In der neunten Woche nach dem Start kam Eli Lilly auf rund 20.000 Verordnungen pro Woche, Novo Nordisk auf etwa das Vierfache. Das sind erst wenige Wochen, also kein Beweis, aber ein starkes Signal. Nach Quartalen, in denen die Amerikaner vorn lagen, drehen die Dänen den Spieß gerade um. Ab der zweiten Jahreshälfte soll die Pille auch außerhalb der USA auf den Markt kommen.

Großer Markt, harter Wettbewerb

Der Rückenwind ist gewaltig. Weltweit leben mehr als 1,7 Milliarden Menschen mit Übergewicht, und große Banken erwarten, dass der Markt für diese Mittel bis 2030 auf 150 bis 200 Milliarden US-Dollar anschwillt, mit Novo Nordisk und Eli Lilly als Platzhirschen. Hinzu kommt: Der Wirkstoff wirkt offenbar über das Abnehmen hinaus. Studien deuten auf ein geringeres Risiko für Herz- und Nierenschwäche hin. Das könnte dem Konzern ganz neue Patientengruppen erschließen.

Doch das Bild hat Schatten, und die will ich nicht verschweigen. Der größte ist der Patentschutz. Bis 2031 in Europa und 2032 in den USA gehören Ozempic und Wegovy allein Novo Nordisk. Danach dürfen andere Hersteller billige Nachahmer-Versionen anbieten, und die Preise geraten unter Druck. Dazu sind die schönen Marktprognosen längst nicht sicher; vorsichtigere Stimmen rechnen mit deutlich weniger. Und die Aktie ist zwar optisch günstig bewertet, gemessen am Gewinn so niedrig wie selten. Aber dieser niedrige Preis ist die ehrliche Quittung für ein schwaches Jahr, kein geschenktes Schnäppchen.

Fazit

Novo Nordisk durchlebt gerade wahrscheinlich sein härtestes Jahr seit langem, und der gefallene Kurs erzählt davon. Doch der starke Start der Wegovy-Pille zeigt, dass die Firma ihre Erfindergabe nicht verloren hat und ihren größten Rivalen im entscheidenden Moment abhängt. Für Sie ist das weniger eine Wette auf den schnellen Gewinn als eine Frage der Geduld.

Wer hier einsteigt, setzt auf einen riesigen, wachsenden Markt und darauf, dass der Konzern nach dem Umbau wieder kräftig wächst, muss aber die Risiken aushalten. Behalten Sie beide Seiten im Blick und bleiben Sie aufmerksam, wenn die nächsten Zahlen zeigen, ob aus dem guten Start eine echte Wende wird.