Norsk Hydro: Gewinnsprung im Q3 – Aktie dennoch im Minus

Norsk Hydro: Gewinnsprung im Q3 – Aktie dennoch im Minus
© Marius Beck Dahle | Hydro
Inhaltsverzeichnis

Der norwegische Aluminium- und Energiekonzern Norsk Hydro (ISIN: NO0005052605) hat für das abgelaufene dritte Quartal 2026 einen kräftigen Ergebnissprung vermeldet. Getrieben von festen Weltmarktpreisen für Rohaluminium und Tonerde konnte das Unternehmen seinen Überschuss im Jahresvergleich mehr als verdoppeln. Dennoch reagierten die Anleger an der Heimatbörse in Oslo am Freitagvormittag enttäuscht: Da sowohl das operative Ergebnis als auch der freie Cashflow hinter den Markterwartungen zurückblieben, geriet das Papier spürbar unter Verkaufsdruck.

Sie möchten das Maximum aus Ihrem Depot herausholen? Das sind unsere Top-Aktien für 2027!

Norsk Hydro steigert Nettogewinn und EBITDA deutlich

Auf den ersten Blick lesen sich die vorgelegten Zahlen für das dritte Jahresviertel äußerst solide. Der den Aktionären zurechenbare Reingewinn kletterte sprunghaft auf 5,38 Milliarden Norwegische Kronen (NOK), nachdem im Vorjahreszeitraum noch 2,19 Milliarden NOK in den Büchern gestanden hatten. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie zog entsprechend von 1,12 NOK auf 2,73 NOK an (bereinigt: 2,28 NOK nach 1,02 NOK im Vorjahr). Der Konzernumsatz legte im Jahresvergleich um rund drei Prozent auf 52,13 Milliarden NOK zu.

Auch beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verzeichnete Norsk Hydro ein Plus von 52 Prozent auf 9,09 Milliarden NOK (Vorjahr: 6,00 Milliarden NOK). Maßgeblicher Treiber dieser Entwicklung war die Sparte Aluminium Metal, deren bereinigtes EBITDA dank höherer realisierter Metallpreise von 2,73 Milliarden NOK auf 7,03 Milliarden NOK nach oben schoss. Der durchschnittlich realisierte Aluminiumpreis lag im Berichtsquartal bei 3.240 US-Dollar je Tonne, verglichen mit 2.539 US-Dollar vor Jahresfrist. Zudem stützten verbesserte Margen im Recyclinggeschäft sowie im Bereich Extrusions die operative Entwicklung.

Schwacher Cashflow und Energiekosten belasten die Norsk Hydro-Aktie

Trotz der deutlichen Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr verfehlte Norsk Hydro die im Vorfeld hochgesteckten Ziele der Finanzexperten. Der vom Unternehmen erhobene Analystenkonsens hatte beim bereinigten EBITDA im Schnitt mit 9,53 Milliarden NOK gerechnet.

Als größter Wermutstropfen erwies sich jedoch die Mittelgenerierung: Der freie Cashflow (Free Cash Flow) erreichte im dritten Quartal lediglich 1,37 Milliarden NOK und lag damit bei weniger als der Hälfte der von Analysten prognostizierten 2,64 Milliarden NOK. Grund hierfür war vor allem ein gestiegener Bedarf beim Nettoumlaufvermögen (Working Capital), der durch die höheren Metallpreise und entsprechende Vorauszahlungen verursacht wurde. Gleichzeitig kletterte die bereinigte Nettoverschuldung zum Quartalsende auf 21,88 Milliarden NOK, während der Markt lediglich mit rund 18,40 Milliarden NOK gerechnet hatte.

Darüber hinaus bremsten operative Gegenwinde in anderen Konzernbereichen das Gesamtergebnis:

  • Bauxit und Tonerde: Im Segment Bauxite & Alumina brach das bereinigte EBITDA von 1,29 Milliarden NOK im Vorjahr auf 283 Millionen NOK ein. Hier belasteten vor allem temporäre Gaslieferunterbrechungen in der brasilianischen Raffinerie Alunorte, die zu deutlich höheren Energiekosten führten.
  • Energiesparte: Im Bereich Energy halbierte sich das bereinigte operative Ergebnis nahezu von 828 Millionen NOK auf 411 Millionen NOK, was insbesondere auf ungünstige Preiszonendifferenzen auf dem skandinavischen Strommarkt zurückzuführen war.

Angepasste Jahresprognose und aktuelle Kursreaktion in Oslo

Um die Kapitaleffizienz und die Cash-Conversion in den kommenden Monaten zu stärken, steuert das Management um Konzernchef Eivind Kallevik bei den Ausgaben gegen. Die Prognose für die Investitionsausgaben (Capex) im Gesamtjahr 2026 wurde von zuvor 13,5 Milliarden NOK auf rund 12,5 Milliarden NOK gesenkt. Gleichzeitig hob Norsk Hydro die Erwartung für das Nettoumlaufvermögen zum Jahresende preisbedingt von 30 Milliarden NOK auf rund 32 Milliarden NOK an.

An der Börse überwog nach der Zahlenvorlage die Skepsis hinsichtlich der Cashflow-Entwicklung und der gestiegenen Verschuldung. Am wichtigsten Handelsplatz, der Osloer Börse (Oslo Børs), geriet die Aktie von Norsk Hydro am Mittag deutlich unter Druck und verzeichnete ein Minus von 3,8 Prozent auf 67,98 NOK (zeitweise weiteten sich die Abschläge auf rund 7 Prozent aus). Für Anleger zeigt die Marktreaktion deutlich, dass in einem von hohen Energie- und Rohstoffkosten geprägten Umfeld neben dem reinen Gewinnwachstum vor allem die strikte Kontrolle des Betriebskapitals im Fokus steht.