Milliarden-Deal: Schneider Electric kauft Shelly
Der französische Automatisierungs- und Energiekonzern Schneider Electric (ISIN: FR0000121972) sorgt auf dem Markt für intelligente Gebäudetechnik für ein Beben. Das Unternehmen hat ein Investment Agreement zur Übernahme des rasant wachsenden Smart-Home-Spezialisten Shelly Group (ISIN: BG1100003166) geschlossen. Das geplante Volumen der Transaktion liegt bei knapp 1,2 Milliarden Euro.
Schneider Electric bietet 70 Euro je Shelly-Aktie
Wie aus übereinstimmenden Berichten internationaler Finanzquellen hervorgeht, plant Schneider Electric ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in bar. Aktionäre der Shelly Group sollen demnach 70,00 Euro je Anteilsschein erhalten. Dies entspricht einer satten Prämie von 27 Prozent auf den unbeeinflussten Referenzkurs von Ende Juli 2026 beziehungsweise 22 Prozent auf den jüngsten Referenzkurs.
Das Vorhaben hat die wichtigste Hürde bereits intern genommen: Die beiden Mitgründer der Shelly Group, die gemeinsam rund 57 Prozent der Anteile halten, unterstützen den Deal vollumfänglich und haben zugesagt, ihre Aktien in Tranchen anzudienen. Zudem verpflichten sich die Franzosen, den Hauptsitz in Bulgarien sowie die bestehende Organisationsstruktur für mindestens drei Jahre beizubehalten.
Kurs der Shelly Group Aktie springt an – Hürden bleiben
Am Finanzmarkt wurde die Nachricht mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Die an der Frankfurter Börse im SDAX notierte Shelly-Aktie verzeichnete am Vormittag deutliche Kursgewinne und kletterte zeitweise auf über 67 Euro. Bemerkenswert für aufmerksame Anleger: Der Kurs notiert damit zwar stark im Plus, verharrt jedoch noch mit einem spürbaren Abschlag unter der angestrebten Marke von 70 Euro.
Der Grund für diese Differenz liegt in den ambitionierten Vollzugsbedingungen. Schneider Electric macht das Angebot von einer sehr hohen Mindestannahmeschwelle von 95 Prozent des ausstehenden Grundkapitals abhängig. Erreicht der Konzern diese Marke nicht, könnte die Übernahme platzen. Zudem stehen noch diverse behördliche Freigaben aus, sodass der finale Vollzug frühestens für das erste Quartal 2027 erwartet wird. Diese zeitliche Verzögerung und das Restrisiko preist der Markt derzeit ein.
Die Aktie von Schneider Electric reagierte im frühen Handel indes leicht negativ und gab am Vormittag auf Kurse um 294 Euro nach. Investoren wägen hier traditionell den hohen Kaufpreis gegen die langfristigen strategischen Vorteile ab.
Strategischer Zukauf im Smart-Home-Segment
Für Schneider Electric ist die Shelly Group ein perfekter strategischer Fit. Das im Bereich „Internet of Things“ (IoT) hochprofitable Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren mit intelligenten, lokal steuerbaren Relais, Sensoren und Energiemessgeräten eine enorme Marktmacht aufgebaut. Die globale Reichweite der Franzosen in Kombination mit dem innovativen Ökosystem von Shelly dürfte den internationalen Vertrieb zukünftig massiv beschleunigen.
Für Anleger heißt es nun, die weitere Entwicklung und die finale Vorlage des Übernahmeprospekts bei den Aufsichtsbehörden genau im Auge zu behalten. Wer bereits investiert ist, kann sich über den satten Kursaufschlag freuen, muss aber die 95-Prozent-Hürde bis zum finalen Vollzug im kommenden Jahr als potenziellen Risikofaktor bewerten.