Hermès-Aktie unter Druck: Quartalszahlen enttäuschen

Hermès-Aktie unter Druck: Quartalszahlen enttäuschen
© AMONT | stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Über Jahre hinweg galt der französische Luxusgüterkonzern Hermès als unverwundbare Ausnahmeerscheinung in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld. Während Wettbewerber bereits deutlich früher unter der globalen Konsumzurückhaltung litten, schien das auf extremer Exklusivität basierende Geschäftsmodell der Pariser immun gegen konjunkturelle Dellen zu sein. Doch die jüngsten Geschäftszahlen für das dritte Quartal zeigen, dass sich selbst der Hersteller der legendären Birkin- und Kelly-Bags dem branchenweiten Gegenwind und der Nachfrageschwäche in China nicht mehr vollständig entziehen kann. An der Börse sorgt diese Erkenntnis gemeinsam mit kritischen Analystenkommentaren für spürbare Zurückhaltung.

Sie möchten das Maximum aus Ihrem Depot herausholen? Das sind unsere Top-Aktien für 2027!

Hermès verfehlt beim Umsatzwachstum den Marktkonsens

Im abgelaufenen dritten Quartal steigerte Hermès International (ISIN: FR0000052292) seinen Konzernumsatz auf rund 4,10 Milliarden Euro. Währungsbereinigt entspricht dies einem Zuwachs von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit blieben die Franzosen hinter den Erwartungen der Marktteilnehmer zurück: Der von Analysten im Vorfeld ermittelte Konsens hatte auf ein währungsbereinigtes Plus von 5,2 Prozent sowie Erlöse von etwa 4,12 Milliarden Euro gelautet.

Wie aus Berichten der Nachrichtenagentur Reuters hervorgeht, markiert dieses Ergebnis das schwächste vierteljährliche Umsatzwachstum des Unternehmens seit sechs Jahren. Zudem verfehlte der Luxuskonzern bereits das dritte Quartal in Folge die durchschnittlichen Marktschätzungen. Als wesentlicher Bremsklotz erwies sich erneut das herausfordernde wirtschaftliche Umfeld im asiatisch-pazifischen Raum. Finanzchef Éric du Halgouët bezeichnete den wichtigen chinesischen Markt im Rahmen der Zahlenvorlage als „sehr schwierig“ und verwies darauf, dass sich die verhaltene Tendenz aus den Sommermonaten auch im Oktober fortgesetzt habe. Auch in der Region Amerika fiel das Wachstum mit 8,8 Prozent auf 791 Millionen Euro etwas schwächer aus als die von Experten prognostizierten 10,8 Prozent.

Licht und Schatten in den Sparten: Lederwaren von Hermès bleiben stark

Ein Blick auf die einzelnen Unternehmensbereiche verdeutlicht eine zunehmende Polarisierung innerhalb des Produktportfolios. Das absolute Kerngeschäft von Hermès – die Sparte für Leder- und Sattlerwaren – erwies sich einmal mehr als verlässlicher Wachstumstreiber. Hier kletterten die Erlöse im dritten Quartal um kräftige 10,8 Prozent. Die ungebrochen hohe Begehrlichkeit der handgefertigten Taschen stützt das Gesamtergebnis maßgeblich, wobei das Management ankündigte, am langfristigen Ziel einer jährlichen Ausweitung der Produktionskapazitäten um rund sechs Prozent festzuhalten.

Abseits der hochpreisigen Lederwaren machte sich die Kaufzurückhaltung sogenannter aufstiegsorientierter Luxuskunden („Aspirational Customers“) jedoch deutlich bemerkbar. Im Segment für Konfektionsmode (Ready-to-wear) und Accessoires, das für über ein Viertel der Konzernerlöse steht, sanken die Umsätze im Jahresvergleich um zwei Prozent. Laut Unternehmensangaben war dieser Rückgang, der erste seit mehreren Jahren in dieser Sparte, primär auf die Nachfrageschwäche in China zurückzuführen, während andere Regionen weiterhin Zuwächse verzeichneten.

Analysten reagieren: Berenberg und DZ Bank senken Kursziele für Hermès-Aktie

Die sich verlangsamende Wachstumsdynamik rief umgehend mehrere Analysehäuser auf den Plan, die ihre Bewertungsmodelle für die traditionell hoch bewertete Aktie anpassten:

  • Berenberg: Die Privatbank reagierte besonders deutlich und stufte die Hermès-Aktie von „Buy“ auf „Hold“ herab. Gleichzeitig senkte Analyst Nick Anderson das Kursziel drastisch von 1.850 Euro auf 1.230 Euro. Zur Begründung führte er an, dass Hermès seinen historischen, zweistelligen Wachstumsvorsprung gegenüber dem Branchenriesen LVMH in wichtigen Schlüsselregionen wie Amerika, Europa und Asien weitgehend eingebüßt habe. Dies deute auf eine höhere Abhängigkeit von konjunktursensiblen Käuferschichten hin als bisher angenommen.
  • DZ Bank: Etwas zuversichtlicher zeigt sich die DZ Bank, die ihre Einstufung zwar auf „Kaufen“ beließ, den fairen Wert für die Aktie jedoch von 1.800 Euro auf 1.600 Euro reduzierte. Analystin Katharina Schmenger wertete das Zahlenwerk als durchwachsen, hob jedoch positiv hervor, dass die wichtige Hauptsparte der Lederwaren ihren Wachstumspfad erfolgreich fortsetzen konnte.

An der Heimatbörse Euronext in Paris sorgten die verfehlten Erwartungen und die skeptischeren Analystenstimmen für spürbaren Abgabedruck. Gegen Mittag notierte die Hermès-Aktie im Pariser Handel bei 1.252,50 Euro, was einem Abschlag von 2,87 Prozent gegenüber dem Vortagesschlusskurs entspricht. Damit setzt sich der übergeordnete Abwärtstrend des laufenden Jahres fort, in dem das Papier bereits mehr als ein Drittel seines Börsenwertes eingebüßt hat.

Ausblick für Anleger

Trotz der kurzfristigen konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten bestätigt das Management von Hermès seine mittelfristigen Ziele und gibt sich für das weitere Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen zuversichtlich. Für Anleger stellt sich dennoch die Frage der Bewertung: Über ein Jahrzehnt hinweg rechtfertigte das verlässliche, überdurchschnittliche Wachstum von Hermès einen deutlichen Bewertungsaufschlag gegenüber der gesamten Luxusbranche. Sollte sich die Wachstumsrate nun dauerhaft dem Branchendurchschnitt annähern, dürfte das Aufwärtspotenzial der Aktie auf kurze Sicht begrenzt bleiben, bis sich eine nachhaltige Erholung der Konsumentenstimmung im wichtigen chinesischen Markt abzeichnet.