Barclays baut 5.000 Jobs ab: KI-Fokus trotz Gewinnplus
Die britische Großbank Barclays (ISIN: GB0031348658) stellt die Weichen für eine tiefgreifende strukturelle Neuausrichtung. Parallel zur Vorlage der Bilanz für das dritte Quartal kündigte das traditionsreiche Geldhaus an, weltweit rund 5.000 Vollzeitstellen zu streichen. Dies entspricht etwa fünf Prozent der gesamten Belegschaft. Als zentralen Treiber für diesen Schritt nennt das Management den konsequenten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sowie eine voranschreitende Automatisierung, um die operative Kostenbasis nachhaltig zu senken.
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Effizienzprogramm bei Barclays: 5.000 Stellen fallen KI zum Opfer
Der angekündigte Stellenabbau ist bereits in vollem Gange: Nachdem in der ersten Jahreshälfte bereits rund 1.000 Positionen weggefallen sind, sollen die verbleibenden 4.000 Arbeitsplätze noch bis zum Jahresende abgebaut werden. Wie Finanzvorständin Anna Cross gegenüber Analysten erläuterte, betreffen rund 60 Prozent der Streichungen unterstützende Funktionen im Backoffice-Bereich. Besonders stark betroffen sind dabei Softwareentwickler und IT-Spezialisten, da der Einsatz moderner KI-Systeme insbesondere bei der Programmierung zu erheblichen Produktivitätsgewinnen führt.
Vorstandschef C.S. Venkatakrishnan betonte im Rahmen der Zahlenvorlage, dass Barclays beabsichtige, Künstliche Intelligenz künftig in großem Maßstab einzusetzen, um die Organisation zu vereinfachen. Für den tiefgreifenden Konzernumbau nimmt das Institut kurzfristig hohe Summen in die Hand: Im laufenden Jahr belaufen sich die Restrukturierungskosten auf rund 600 Millionen Pfund – und damit auf etwa doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Langfristig soll sich diese Investition jedoch auszahlen. Bis zum Geschäftsjahr 2027 peilt die Bank Brutto-Effizienzeinsparungen von über 1,1 Milliarden Pfund an.
Licht und Schatten im dritten Quartal: Investmentbanking bremst
Operativ blickt Barclays auf ein solides drittes Quartal zurück, das jedoch nicht in allen Segmenten überzeugen konnte. Der Gewinn vor Steuern kletterte im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 2,3 Milliarden Pfund (rund 3,1 Milliarden US-Dollar) und traf damit im Wesentlichen die Erwartungen des Marktes. Die Gesamterträge legten um drei Prozent auf 7,4 Milliarden Pfund zu, gestützt von einem starken Zinsüberschuss im britischen Heimatmarkt. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 10,6 auf 11,7 Prozent.
Ein gemischtes Bild zeigte sich hingegen im wichtigen Investmentbanking. Während die Erträge im Aktienhandel dank früherer Investitionen in das Derivate- und Prime-Financing-Geschäft um beeindruckende 47 Prozent nach oben schnellten, enttäuschte das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC). In diesem Bereich sanken die Einnahmen in einem herausfordernden Marktumfeld im Jahresvergleich um 19 Prozent und verfehlten damit die Schätzungen der Analysten deutlich.
Barclays-Aktie: Neue Aktienrückkäufe und bestätigte Jahresziele
Trotz der Bremsspuren im Anleihe- und Rohstoffhandel hält die Konzernführung strikt an ihren übergeordneten Rendite- und Restrukturierungszielen für die kommenden Geschäftsjahre fest. Ein Quartal vor dem Ende des ursprünglichen Dreijahresplans befinde man sich voll auf Kurs, sämtliche Konzernvorgaben für 2026 sowie die weiterführenden Ziele für 2028 zu erreichen.
Um die Aktionäre am jüngsten Gewinnwachstum zu beteiligen, kündigte Barclays zudem ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 500 Millionen Pfund an. Mit der unabhängigen Durchführung der Rückkäufe an der Londoner Börse wurde JPMorgan Securities beauftragt; das Programm soll unmittelbar nach Abschluss des aktuell noch laufenden Rückkaufprogramms starten und bis Mitte April kommenden Jahres abgeschlossen sein.
An der Heimatbörse in London (LSE) nahmen die Marktteilnehmer das Zahlenwerk und die erhöhten Umbaukosten zunächst verhalten auf. Nachdem die Barclays-Aktie bereits am Tag der Bekanntgabe unter leichten Abgabedruck geraten war, zeigt sich das Papier auch im heutigen Handelsverlauf schwächer und verzeichnet moderate Kursabschläge. Viele Analysten werten die konsequente Kostendisziplin dennoch positiv: So bestätigte beispielsweise die Privatbank Berenberg am heutigen Freitag ihre Kaufempfehlung für den britischen Bankentitel und sieht angesichts der angestrebten Effizienzsteigerungen weiterhin deutliches Aufwärtspotenzial.