VW blamiert sich in China: 92,6 Prozent unter Plan
Volkswagen schwimmen die Felle davon. Der Konzern wollte mit chinesischer Technologie endlich wieder wettbewerbsfähig werden und seine jahrelange Talfahrt auf dem wichtigsten Automarkt der Welt stoppen. Doch ausgerechnet das neue Elektro-SUV ID. UNYX 08, das gemeinsam mit Xpeng entwickelt wurde, verkauft sich bislang katastrophal.
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Statt der angepeilten 3.622 Fahrzeuge pro Monat gingen zwischen April und August durchschnittlich gerade einmal 267 Exemplare an Kunden. Damit verfehlte Volkswagen sein Absatzziel um 92,6 Prozent. Das wirft die Frage auf, ob VW seine technologische Wettbewerbsfähigkeit überhaupt noch aus eigener Kraft zurückgewinnen kann.

(Quelle: Tradingview.com)
Selbst chinesische Technologie rettet Volkswagen nicht
Eigentlich sollte die Zusammenarbeit mit Xpeng die große Wende bringen. Bereits 2023 beteiligte sich Volkswagen mit rund 5 Prozent am chinesischen Elektroautohersteller. Das Ziel war klar: VW wollte schneller an moderne Software, leistungsfähige Assistenzsysteme und wettbewerbsfähige Elektroauto-Technologie gelangen. Den Zug hatten sie hierzulande verschlafen.
Im April 2026 kam mit dem ID. UNYX 08 das erste entsprechende Modell auf den Markt. Die technische Grundlage stammt weitgehend von Xpeng. Dazu gehören die Fahrzeugplattform, das digitale Cockpit, intelligente Fahrfunktionen und KI-Chips.
Doch die Verkaufszahlen sind ernüchternd. In den ersten 5 Monaten wurden insgesamt nur rund 1.300 Fahrzeuge verkauft. Zum Vergleich: Xiaomi brachte im selben Zeitraum fast 57.000 Exemplare seines YU7 auf die Straße. Zeekr verkaufte mehr als 21.000 Fahrzeuge seines 7X.
Volkswagen erklärt die schwache Nachfrage unter anderem mit seinem begrenzten Händlernetz. Der ID. UNYX 08 wird hauptsächlich über die 166 Niederlassungen von Volkswagen Anhui vertrieben. Die mehr als 3.000 etablierten Händler der Gemeinschaftsunternehmen mit FAW und SAIC werden bislang kaum genutzt.
Das mag einen Teil der schlechten Verkaufszahlen erklären. Allerdings dürfte ein größeres Vertriebsnetz allein kaum ausreichen, um das Problem zu lösen. Wenn auf einem Flohmarkt fast jeder Stand die gleiche ausgeleierte Unterhose anbietet, wird die dadurch nicht attraktiver.
Denn auch beim Preis und bei der Ausstattung kann VW offenbar nicht überzeugen. Der ID. UNYX 08 startete bei 229.900 Yuan, umgerechnet knapp 29.000 Euro. Inzwischen wird das Fahrzeug bereits mit Rabatten von 17 Prozent angeboten. Die bekommen Sie hierzulande aktuell auch bei vielen E-Autos, einfach aufgrund der E-Prämie vom Staat und dem Preiskampf, der hier derzeit stattfindet.
Chinesische Wettbewerber bieten in dieser Preisklasse teilweise modernere Sensorik, leistungsfähigere Assistenzsysteme und kürzere Ladezeiten. Die Kunden haben also wenig Grund, ausgerechnet Volkswagen den Vorzug zu geben.
Vom Abgasskandal zur nächsten strategischen Fehlentscheidung
Die Probleme beschränken sich längst nicht auf ein einzelnes Elektroauto. Im ersten Halbjahr 2026 brach Volkswagens Absatz in China um 25,9 Prozent auf 973.000 Fahrzeuge ein. Bei Elektroautos lag der Rückgang sogar bei 47,9 Prozent.
Damit verliert VW ausgerechnet in dem Markt an Bedeutung, der über viele Jahre einen erheblichen Teil der Konzerngewinne erwirtschaftet hat.
Besonders bitter ist, dass Volkswagen inzwischen fremde Technologie benötigt, um überhaupt wieder Anschluss zu finden. Jahrzehntelang gehörte der Konzern selbst zu den technologischen Maßstäben der Branche. Heute reicht offenbar nicht einmal die Unterstützung eines chinesischen Partners aus, um Kunden zu überzeugen.
Das erinnert zumindest an ein grundlegendes Problem, das schon beim Abgasskandal sichtbar wurde. Damals konnte Volkswagen bestimmte technische und regulatorische Anforderungen nicht auf ehrliche Weise erfüllen und griff zu manipulierter Software. Heute ist die Situation selbstverständlich eine andere. Eine Technologiepartnerschaft ist völlig legitim. Doch erneut zeigt sich, wie schwer sich VW damit tut, technische Herausforderungen aus eigener Kraft wettbewerbsfähig zu lösen.
Und die Rechnung für diese Versäumnisse wird immer teurer. Hohe Entwicklungsausgaben, rückläufige Verkaufszahlen und aggressive Preisnachlässe belasten die Profitabilität gleichzeitig. Hinzu kommen Restrukturierungskosten und der schwierige Umbau der europäischen Produktion.
Volkswagen braucht mehr als einen neuen Partner
Der Konzern besitzt weiterhin starke Marken, umfangreiche Produktionskapazitäten und jahrzehntelange Erfahrung im Automobilbau. Doch diese Vorteile verlieren an Wert, wenn die angebotenen Fahrzeuge im direkten Wettbewerb nicht überzeugen.
Die Zusammenarbeit mit Xpeng kann Entwicklungszeiten verkürzen und Kosten reduzieren. Sie löst allerdings nicht automatisch die Probleme bei Preisgestaltung, Produktpositionierung und Vertrieb.
Besonders gefährlich ist die zunehmende Abhängigkeit von Rabatten. Wenn Volkswagen bereits kurz nach der Markteinführung 17 Prozent Preisnachlass gewähren muss, stellt sich die Frage, wie künftig ausreichende Gewinnmargen erzielt werden sollen. Die wären vermutlich erst einmal froh, wenn sie den Bestand mit wenig Verlust verkauft bekommen. Über Gewinne bei dem Auto kann der Konzern in den nächsten Jahren hoffentlich nachdenken.
Die schwachen Verkaufszahlen des ID. UNYX 08 sind deshalb mehr als ein misslungener Modellstart. Sie zeigen, dass Volkswagen seine Probleme nicht einfach dadurch löst, dass der Konzern chinesische Technologie übernimmt.
VW muss wieder Fahrzeuge anbieten, die Kunden auch ohne massive Rabatte kaufen wollen. Vielleicht sich einfach einmal darauf besinnen, wofür der Name VW steht. Bis dahin bleibt die Hoffnung auf eine nachhaltige Trendwende vor allem eines: Hoffnung. Und nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre wäre es tatsächlich eine Überraschung, wenn Volkswagen ausgerechnet jetzt plötzlich alles richtig machen würde.