VW-Beben: Familienclan erzwingt historisches Sparprogramm

Nahaufnahme eines Volkswagen-Logos auf einem glänzenden Auto.
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Beim weltgrößten Autobauer braut sich ein historischer Umbruch zusammen. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und den immensen Bewertungsabschlag gegenüber internationalen Konkurrenten aufzuholen, rückt in Wolfsburg ein Sanierungskonzept von noch nie dagewesenem Ausmaß in den Fokus. Im Zentrum der Geschehnisse: Die einflussreichen Eigentümerfamilien, die dem Volkswagen-Konzern nun offenbar einen kompromisslosen Sparkurs verordnen.

Porsche und Piëch erhöhen den Druck auf VW-Chef Blume

Wolfgang Porsche (83) und Hans Michel Piëch unterstützen VW-Chef Oliver Blume inzwischen vehement bei seinem Vorhaben, die Strukturen im Konzern radikal zu verschlanken. Das primäre Ziel der Familienpatriarchen ist es, die Zukunftsfähigkeit und die Finanzkraft der Porsche Automobil Holding SE langfristig zu sichern. Die Holding ist massiv von den Dividendenausschüttungen der Wolfsburger abhängig, welche in Krisenzeiten zunehmend unter Druck geraten.

Konkret sieht der zur Disposition stehende Sanierungsplan drastische Einschnitte vor: Weltweit könnten bis zu 50.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Zudem schließt das Management in diesem Szenario selbst die Schließung von bis zu vier deutschen Werken nicht mehr aus – ein Schritt, der in der Geschichte des Konzerns einem absoluten Tabubruch gleichkäme und auf heftigen Widerstand der Arbeitnehmervertreter und der Politik stößt.

Aktien im Fokus: Volkswagen (DE0007664039) und Porsche SE

Die angespannte fundamentale Lage spiegelt sich unverändert an der Börse wider. Am späten Dienstagnachmittag notiert die Volkswagen Vorzugsaktie (ISIN: DE0007664039) auf der Handelsplattform Tradegate bei rund 72,70 Euro und verzeichnet damit lediglich ein marginales Plus. Der Kurs bewegt sich weiterhin auf einem enttäuschend niedrigen Niveau, wenn man die historische Bewertung des Unternehmens betrachtet.

Noch trüber zeigt sich das Bild bei der Familien-Holding: Die Aktie der Porsche SE (ISIN: DE000PAH0038) gibt am Dienstagnachmittag im Xetra-Handel leicht nach und pendelt um die Marke von 27,30 Euro. Das Papier leidet spürbar unter den sinkenden Ausschüttungserwartungen aus dem VW-Konzern.

Aufholjagd zur Konkurrenz – Kampf um die operative Marge

Der massive Bewertungsrückstand gegenüber reinen Elektropionieren wie Tesla und agilen chinesischen Wettbewerbern zwingt das Management zum Handeln. Durch das skizzierte Sparprogramm soll die operative Marge von Volkswagen endlich auf das Niveau der globalen Konkurrenz gehoben werden. Die Gemeinkosten des Unternehmens gelten intern als viel zu hoch; Experten schätzen die strukturelle Überkapazität als einen der Hauptgründe für die schwache Rendite ein.

Für Anleger bleibt die Situation hochspannend. Einerseits birgt ein erfolgreicher Umbau erhebliches Kurspotenzial, da die Aktien des Konzerns aktuell mit massiven Abschlägen gehandelt werden. Andererseits steht Oliver Blume vor einer Herkulesaufgabe: Er muss die notwendigen Einsparungen gegen eine mächtige Allianz aus Betriebsrat und dem Land Niedersachsen durchsetzen, ohne dabei die technologische Aufholjagd bei der Elektromobilität und Softwareentwicklung zu gefährden.