Volkswagen: 5,82 Mrd. Euro Verlust schockt Anleger

Nahaufnahme eines Volkswagen-Logos auf einem glänzenden Auto.
Tobias Arhelger / stock.adobe.com
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Europas größter Automobilhersteller durchlebt eine der schwersten Bewährungsproben seiner jüngeren Unternehmensgeschichte. Die Volkswagen AG (ISIN: DE0007664039) ist im dritten Quartal tief in die Verlustzone gerutscht und weist unter dem Strich ein Konzernergebnis nach Steuern von minus 5,82 Milliarden Euro aus. Im Vorjahreszeitraum hatte der Fehlbetrag noch bei rund 1,07 Milliarden Euro gelegen. Verantwortlich für das tiefrote Zahlenwerk sind vor allem milliardenschwere Sonderbelastungen, ein rapider Absatzeinbruch auf dem wichtigen chinesischen Markt sowie hohe Kosten für den laufenden Konzernumbau.

Trotz der dramatischen Bilanzdaten zeigten sich die Börsen am Donnerstag bemerkenswert gefasst. Nachdem die im DAX notierte Volkswagen-Vorzugsaktie im frühen Handel zunächst nachgegeben hatte, drehte das Papier im weiteren Verlauf in die Gewinnzone. Am frühen Nachmittag notierte der Titel im Xetra-Handel in einem freundlichen Gesamtmarkt rund 1,7 Prozent im Plus bei etwa 70,34 Euro und stabilisierte sich damit auf niedrigem Niveau. Auf Jahressicht steht für die Papiere der Wolfsburger dennoch weiterhin ein Kursverlust von rund einem Drittel zu Buche.

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Volkswagen-Quartalszahlen im Detail: Porsche-Abschreibung reißt Milliardenloch

Ein Blick in die Bilanz verdeutlicht das Ausmaß der aktuellen Krise. Der Konzernumsatz schrumpfte im Zeitraum von Juli bis September im Jahresvergleich um 6,3 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro. Weltweit lieferte Volkswagen im dritten Quartal 1,89 Millionen Fahrzeuge aus – ein deutlicher Rückgang von 14,3 Prozent.

Noch drastischer fiel der Einbruch beim operativen Geschäft aus: Hier verbuchte der DAX-Konzern einen Verlust von 5,86 Milliarden Euro, wodurch die operative Marge auf minus 7,8 Prozent abrutschte. Haupttreiber dieser Entwicklung waren Sondereffekte in Höhe von insgesamt 7,8 Milliarden Euro. Den größten Einzelposten bildete dabei eine nicht zahlungswirksame Abschreibung auf den Firmenwert der Sportwagentochter Porsche AG (ISIN: DE000PAG9113) im Umfang von 6,4 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres schmolz der operative Gewinn des Gesamtkonzerns damit auf magere 100 Millionen Euro zusammen, nachdem im Vorjahreszeitraum noch 5,4 Milliarden Euro erzielt worden waren.

Schwaches China-Geschäft belastet die Volkswagen-Bilanz schwer

Neben den hausgemachten Strukturproblemen und Wertberichtigungen erweist sich der chinesische Markt zunehmend als strukturelles Risiko für Volkswagen. Über Jahre hinweg galt die Volksrepublik als verlässlicher Gewinnmotor der Wolfsburger, doch der unerbittliche Preiskampf und der Vormarsch heimischer Elektroauto-Hersteller setzen dem Konzern massiv zu.

In den ersten neun Monaten verbuchten die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen von Volkswagen einen anteiligen operativen Verlust von 113 Millionen Euro. Belastend wirkte sich hierbei insbesondere eine Abschreibung auf den Elektroautobaukasten MEB aus, der auf dem dortigen Markt hinter den Erwartungen zurückbleibt. Für das Gesamtjahr rechnet das Management in China vor Abschreibungen lediglich mit einem Ergebnis nahe der Gewinnschwelle und warnte zugleich, dass das Schlussquartal die chinesischen Aktivitäten deutlich in die Verlustzone drücken könnte. Eine spürbare Markterholung wird seitens der Konzernführung auch für das kommende Jahr kaum erwartet.

Konflikt um Werksschließungen und Stellenabbau bei Volkswagen spitzt sich zu

Angesichts der erodierenden Margen sieht sich der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz zu radikalen Einschnitten gezwungen. Antlitz betonte bei der Vorlage der Zahlen, dass der Konzern keine Zeit verlieren dürfe und schnell sowie entschlossen handeln müsse.

Im Raum stehen massive Sparmaßnahmen, die den Konflikt mit der Arbeitnehmerseite weiter anheizen. Nachdem bereits Ende 2024 der Abbau von über 35.000 Stellen bis zum Jahr 2030 vereinbart worden war, bestätigte das Unternehmen zuletzt Pläne, bei der Volkswagen AG in Deutschland weitere 12.000 Arbeitsplätze zu streichen. Konzernweit könnten Berechnungen zufolge sogar rund 50.000 bis 60.000 Stellen wegfallen. Zudem steht die langfristige Perspektive der vier deutschen Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm auf dem Prüfstand.

Um den Personalabbau zu beschleunigen, hat der Vorstand zehn Haupttarifverträge gekündigt und die Einrichtung einer staatlich geförderten Transfergesellschaft ins Spiel gebracht. Betriebsratschefin Daniela Cavallo und die Gewerkschaft IG Metall lehnen dieses Vorgehen entschieden ab. Die Arbeitnehmervertreter schließen betriebsbedingte Kündigungen sowie Werksschließungen kategorisch aus und sehen in der Transfergesellschaft einen Versuch, bestehende Beschäftigungssicherungen durch die Hintertür zu umgehen. Sollte das Management nicht einlenken, drohen mit dem Ende der Friedenspflicht zum Jahreswechsel flächendeckende Streiks.

Einordnung für Anleger: Warum sich die VW-Aktie stabilisiert

Dass die Volkswagen-Aktie trotz des historischen Quartalsverlusts am Donnerstag nicht weiter einbrach, sondern sogar Kursgewinne verzeichnete, führen Marktbeobachter auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen hatte das Management die Jahresprognose bereits im September deutlich nach unten korrigiert, weshalb ein schwaches Abschneiden am Kapitalmarkt weitgehend eingepreist war.

Zum anderen bestätigte der Konzern trotz der massiven Belastungen seine angepassten Ziele für das Gesamtjahr, die unter anderem einen Jahresumsatz von rund 315 Milliarden Euro vorsehen. Analysten, darunter Experten der US-Bank JPMorgan, hoben zudem die weiterhin solide Liquiditätsausstattung des Autobauers positiv hervor.

Auch die Analysehäuser Jefferies und RBC Capital Markets behielten ihre grundsätzlich positiven Einschätzungen für das Papier nach den Zahlen bei. Für Investoren bleibt die zentrale Frage der kommenden Monate, ob es der Konzernführung gelingt, die dringend notwendigen Kostensenkungen durchzusetzen, ohne das Unternehmen in einen lähmenden und teuren Arbeitskampf zu manövrieren.

Jahreschart Volkswagen Aktie, Quelle: https://oct.mymarkets.com

Dieser Text wurde unter Einsatz von KI-Tools erstellt und redaktionell überarbeitet.