Scout24: KI-Schreck wird zum digitalen Wachstumsstar
Als Aktionär haben Sie das wahrscheinlich auch genau zur Kenntnis genommen: Software- und Internet-Aktien standen in diesem Jahr an der Börse lange unter besonderem Druck. Die Sorge: Künstliche Intelligenz könnte etablierte Geschäftsmodelle überflüssig machen.
Bei Scout24 sehe ich die Situation jedoch genau andersherum. Das Unternehmen dürfte von KI langfristig sogar profitieren. Die Kursschwäche im laufenden Jahr eröffnet deshalb aus meiner Sicht eine interessante Einstiegschance.
Digitales Immobilienimperium mit Preissetzungsmacht
Wer Scout24 hört, denkt zunächst an ImmoScout24. Doch hinter dem bekannten Portal steckt längst deutlich mehr. Scout24 hat ein digitales Ökosystem rund um den Immobilienmarkt aufgebaut und erzielt zunehmend wiederkehrende Erlöse.
Besonders attraktiv ist das Geschäft mit Maklern und Immobilienunternehmen. Diese zahlen für Mitgliedschaften, CRM-Lösungen, Bewertungs- und Datenprodukte sowie weitere digitale Dienstleistungen.
Das sorgt für planbare Umsätze, hohe Kundenbindung und eine starke Preissetzungsmacht. Im 1. Halbjahr 2026 legte der Umsatz im Professional-Segment um 20,2% zu. Gleichzeitig nutzen die Kunden zunehmend mehrere Produkte von Scout24 – ein wichtiger Hebel für weiteres Wachstum.
Starkes Wachstum trotz Immobilienflaute
Die jüngsten Zahlen unterstreichen die Qualität des Geschäftsmodells. Im 2. Quartal dieses Jahres stieg der Umsatz um rund 20% auf 192,7 Mio. Euro. Im 1. Halbjahr wurden 372,2 Mio. Euro erzielt – 17% mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte um rund 14% auf 116 Mio. Euro. Besonders beeindruckend: Die organische EBITDA-Marge erreichte im 2. Quartal bereits 64,2%. Und das trotz eines weiterhin schwierigen deutschen Immobilienmarktes.
Hohe Finanzierungskosten, gestiegene Baukosten und eine geringe Transaktionsaktivität belasten die Branche. Scout24 zeigt jedoch eindrucksvoll, dass ein digitales Plattformgeschäft deutlich weniger zyklisch sein kann.
Die Börse reagierte zunächst dennoch enttäuscht: Nach den Zahlen gab die Aktie spürbar nach. Ausschlaggebend waren vor allem höhere Ausgaben für die Integration des spanischen Geschäfts und die Produktentwicklung. Operativ läuft es dagegen weiterhin rund. Die Jahresprognose wurde bestätigt, Scout24 erwartet ein Umsatzwachstum von 16 bis 18%.
KI wird zum nächsten Wachstumstreiber
Besonders spannend ist der Blick auf die Künstliche Intelligenz. Im Juni wurden bereits rund 3,3 Mio. KI-gestützte Suchaktionen auf der Plattform durchgeführt – mehr als 47-mal so viele wie ein Jahr zuvor. Scout24 entwickelt ImmoScout24 damit Schritt für Schritt von einem klassischen Immobilienportal zu einer KI-gestützten Plattform weiter.
Für mich ist die aktuelle Kursschwäche daher eher eine Chance als ein Warnsignal. Bei rund 77 Euro notiert die Aktie deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Gleichzeitig wächst Scout24 zweistellig, erzielt Margen von mehr als 60%, generiert hohe freie Cashflows und kauft eigene Aktien zurück.
Scout24 vereint starke Marktpositionen, wiederkehrende Erlöse, hohe Profitabilität und zusätzliches KI-Potenzial. Genau diese Kombination macht die Aktie aktuell besonders interessant.